bjork_biophilia

Folgende Wortspiele stehen in Zusammenhang mit diesem Album unter Verbot: „Appgefahren, diese Björk!“, „Auf Island geht’s app!“, „Appsoluter Wahnsinn!“ – Ups. Zu spät. So etwas kann passieren, wenn eine Ausnahmekünstlerin wie Björk ihr neues Album als multimediales Gesamtkunstwerk veröffentlicht. Doch was ist die Musik dahinter wert?

Die kleine Frau aus dem Land zwischen Elfenbeauftragten und Vulkanasche war ja schon immer etwas seltsam, da machen wir uns mal nichts vor. Mit ihrem neuen Album möchte sie ganz neue Wege beschreiten, mit der Idee, Natur, Kosmos, Emotion und Wissenschaft in Verbindung zu bringen. Also gibt es eine App zu „Biophilia“ und zu jedem der zehn Stücke darauf eine (Unter-)App dazu. Für die iPad-Besitzer (oder iPod-/iPhone-): Der Nutzer kann dort mit den Songs interagieren, sie remixen oder bearbeiten, dabei gibt es noch allerlei nützliche oder halbnützliche Spielereien optischer Art sowie die Vermittlung naturwissenschaftlicher Informationen und Phänomene, Essays, Dokumentationen etc.. Und da soll noch einiges mehr nachkommen.

Spannend, zweifellos, doch besteht natürlich auch die Gefahr, dass das ganze Brimborium vom Wesentlichen ablenkt. Denn das sollte doch immer noch die Musik sein. Welche einmal mehr nicht so leicht zugänglich ist, aber das war schon immer so bei der Isländerin. Da darf man sich nicht von der Vorabsingle „Crystalline“ täuschen lassen. Diese stellt mit Sicherheit einen der stärksten Songs von Björk in den letzten 10, 12 Jahren dar. Unauffällig mit Glockenspiel startend, bricht zum Ende hin plötzlich ein heftiges Breakbeatgewitter über den Hörer herein. Wow!

Ebenso beeindruckend ist, dass die Künstlerin und ihre zahlreichen Helferlein extra für das Album mehrere neue Musikinstrumente erfunden und bauten, die nun an vielen Stellen das Soundgerüst des eigentlich – und das überrascht dann doch – recht minimalistisch klingenden Werkes darstellen. Ja, und hier liegt dann auch der Minuspunkt: Unter rein musikalischen Gesichtspunkten ist „Biophilia“ (wie auch der Vorgänger „Volta“) eben nur ein gutes Björkalbum geworden, das gerade in der Mitte doch streckenweise ein bisschen durchhängt.

Klar, es gibt noch so einiges zu entdecken. Das Geknarze von „Thunderbolt“ etwa, die wunderschöne Ballade „Cosmogony“, die außerirdischen Sharpsichord-Sounds auf „Sacrifice“, das Gewummer von „Mutual Core“. So ist „Biophilia“ letztlich immer noch besser und vor allem interessanter als das meiste vom Rest da draußen, aber eben doch nicht der ganz große Wurf, den man sich von einer solchen Künstlerin erhofft hätte.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. 3
    3.11.2011 - 12:38 Uhr

    EMHEAD – stimmt – Hut ab für die Mühe, die sie und ihr Team sich mit den Apps etc, gemacht hat, aber am Ende des Tages möchte ich mich (über Winter?) mit dem Album einschließen, Kekse essen und Kakao trinken…haha.

    ;o)

  2. 3.11.2011 - 9:01 Uhr

    biophilia

    höre das album schon eine ganze weile rauf und runter.
    der minimalismus dieses albums hat mich anfangs etwas enttäuscht, aber mit jedem neuen durchlauf kristallisieren sich die feinen nuancen jedes einzelnen songs immer mehr heraus. und eine davon ist zweifellos björk’s gesang, der auf biophilia besonders intensiv und engagiert daher kommt. ist halt eine ganz eigene welt, fernab vom unsäglichen, furchtbaren radiogedudel.
    sehr empfehlenswert sind auch die remixes von matthew herbert und besonders der omar souleyman remix von crystalline. da geht’s elektro-orientalisch zu. saugeil!

    aber der app-schnickschnack hinter dem ganzen…pffff, wer’s braucht.. :-) die idee ist ja ganz nett, aber ich denke hier wird zu vermartungszwecken die moderne technik künstlich in den kontext des albumkonzeptes gepresst. äääh ja. :)

  3. 1
    2.11.2011 - 22:51 Uhr

    Ich find’s göttlich!!!