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Auf Bpitch Control wird schon längst nicht mehr nur reiner Techno veröffentlicht. Davon zeugen zwei faszinierende Alben in diesem Herbst ganz besonders. Zu Dillon kommen wir später, zunächst ist dieser Paradiesvogel hier dran. Die Dame, die als Sängerin und Tänzerin für Hercules And Love Affair unterwegs ist, tanzt solo komplett aus der Reihe.

Aérea Negrot stammt aus Venezuela und landete vor sieben Jahren (nach Lebensstationen in Caracas, Porto, Den Haag und London) in Berlin. Nachdem sie mit Hercules And Love Affair über die Bühnen getobt ist und deren zweites Album „Blue Songs“ wesentlich mitgeprägt hat, kommt nun diese wilde Songsammlung als ihr Solodebüt heraus, auf dem sie uns ihr Leben auf ihre ganz besondere Art ausbreitet.

Entscheidendes Stilmerkmal ist dabei natürlich die unglaubliche Stimme der Künstlerin, die zwischen Opernhaftigkeit, elegant-verruchtem Gesang, ulkigem Sprechgesang und reiner Vokalakrobatik changiert und sich dazu noch aller Sprachen bedient, die Aérea so mehr oder weniger beherrscht. Man kann an Nina Hagen (vor der Alienentführung) denken, auch an Grace Jones, doch das alles trifft es nur teilweise.

Und auch musikalisch ist das hier extrem vielfältig. Der Titelsong gefällt auf Anhieb mit elektronischem Piano-Pop, danach groovt „Todeloo“ etwas technoid davon, bevor „A Volar“ wieder die poppig-melodische Seite betont. Danach wird es aber erst komisch. Es folgt sozusagen die Berlin-Trilogie dieses Albums. „Deutsche werden“ verwirrt mit einem herrlich verschrobenen deutschen Text zu trockenen Beats, „Please Move To…“ ist eher minimalistisch elektronisch und „Berlin“ ist eine sehr eigenartige Klavierballade.

Mit „Breathe Deeply“ und „Come Back“ gibt es später doch noch klassisches Bpitch Control Clubfutter, „It’s Lover, Love“ kommt angenehm chillig daher (im Studio hätte nur mal irgendjemand den Radiowecker vor der Aufnahme ausstellen sollen…), bis zum Schluss wird man immer wieder überrascht von diesem spannenden und genresprengenden Debüt, das – wenn man mit der exaltierten Stimme zurechtkommt – so einige Liebhaber finden dürfte.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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