Northern Lite – Im Interview + Tourdaten!

Northern LiteAm 01.09.06 haben Northern Lite mit dem neuen Album „Unisex“ ein sensationell frisches Werk veröffentlicht, deren Vorabsingle „What You Want“ derzeit auf den Musiksendern des Landes rotiert. In Anbetracht der becorstehenden Veröffentlichung von „Unisex“ haben wir die Gelegenheit beim Méra Luna Festival genutzt, ein Interview mit Andreas Kubat zu führen. Was uns der sympathische „Frontman“ zu erzählen hat, lest selbst!

Am 01.09.06 erscheint euer neues Album „Unisex“. Wann habt ihr mit den Arbeiten daran begonnen und wie muss man sich den Produktionsprozess vorstellen? Geht ihr zusammen mit halbfertigen Demos für ein paar Wochen/Monate ins Studio oder habt ihr die neuen Songs nach und nach zusammen erschaffen?

Viele Sachen entstehen ja schon auf den meist langen Fahrten zwischen den Gigs im Kopf, da sprudeln die Texte und so manche Melodie. Im Studio sitze ich dann meist mit Sascha da, der die Grundidee auf die Gitarre bannt. Ansonsten sitze ich so ziemlich jeden Tag im Studio, da gibt es keine bestimmte Zeit. Die einzelnen Songs entwickeln sich vielmehr über einen längeren Zeitpunkt hinweg.

Habt ihr euch bei „Unisex“ etw. mehr an „Reach the Sun“ orientiert oder habt ihr die Stärken der bisherigen Alben versucht zu kombinieren?

Ich denke es ist tatsächlich ein Kombination von beiden Alben, d.h. wieder etwas forscher in Richtung „Reach The Sun“ als auch weiterhin musikalisch wie etwa „Temper“, wenn nicht gar noch eine Ecke experimenteller.

Woher nehmt ihr allgemein die Inspiration für eure Musik und vor allem die Texte? Haben aktuelle gesellschaftliche Themen Relevanz für eure Musik?

Dass das gesellschaftlich-politische Leben nicht an einem unberührt vorüberzieht versteht sich von selbst. Gleichwohl mögen wir sicher keine „Zeigefinger-Lyrics“. Es gibt wohl immer einen persönlichen Bezug bei den Texten, die jedoch von jedem frei auslegbar sind und somit eher eine ganz eigene, eben persönliche Relevanz für jemanden haben können.

Auf dem Album gibt es den Track „Cocaine“. Im Kontext mit dem auf eurer Website for free angebotenen Video zu „Der weiße Rausch“, das eben mit diesem Track unterlegt ist, könnte man auf autobiografische Erlebnisse schließen? Wie steht ihr allgemein zum Thema Drogen?

Hier kommt das eben Angesprochene besonders zum Ausdruck. Es geht hier keineswegs um die Verherrlichung von Drogen – allerdings macht es wenig Sinn dieses Thema auszublenden, gerade wenn man wie wir aus dem Techno-Club-Kontext kommt. Zudem ist auch nicht nur der explizite Kokain-Rausch gemeint, sondern das rauschhafte Allgemeine im Leben, das einen bisweilen ohne nachzudenken immer weiter treibt. Im übrigen wäre ein Leben für uns, das von anstrengenden, langen Touren geprägt ist, im ständigen Drogenrausch überhaupt nicht möglich.

Mit „What You Want“ habt ihr einen sehr starken Track aus dem Album ausgekoppelt. Wieso viel die Wahl auf eben diesen Song? Meiner Meinung nach bietet der Track einen wirklich guten Einblick in das, was den Hörer insgesamt auf dem Album erwartet, seht ihr das genauso?

Damit hast du die Frage hervorragend selbst beantwortet :-)

Wie seid ihr auf den Albumtitel gekommen und gibt es einen persönlichen Favoriten auf dem Album für euch?

Ich denke, da hat jeder seinen eigene Favoriten, ist schwer zu sagen. Der Albumtitel entstand als uns bewusst wurde, dass sowohl Texte als auch Musik nicht spezifisch männlich oder weiblich sind, sondern eben für jeden ansprechend – „unisex“ eben. Gerade die Lyrics sind frei auslegbar und bewusst allgemein gehalten.

Wie kommt es eigentlich, dass ihr das neue Album trotz eigener Plattenfirma auf einem Major veröffentlicht?

Letztendlich war es der nächste logische Schritt. Mit „1stdecade“ sind wir soweit gekommen wie es eben geht als kleines Indie-Label. Zumal wir uns durch die langjährige, eigene Aufbauarbeit einen Status geschaffen hatten, der es bei Verhandlungen mit Major-Firmen erlaubte, gewisse Freiheiten mit einzufordern. Das wäre vor ein paar Jahren nicht möglich gewesen. Die Rechte für Vinyl und Club-Singles liegen zudem weiterhin bei „1stdecade records“ – das ist und bleibt die Basis.

Ihr habt ja auf eurem Label u.a. „Warren Suicide“ veröffentlicht. Nun ist deren Debütalbum „Hello“ fertig, ist aber in Deutschland bisher nicht erhältlich. Könnt ihr da mit Infos dienen?

Warren Suicide hatten von dem englischen Label ein Angebot bekommen, wo man wohl schwerlich nein sagen konnte. Wir haben uns für sie gefreut – und hoffen das Beste für die Drei. Zumal wir denken, dass wir als Label mit Warren Suicide dennoch in Zukunft auf die ein oder andere Art zusammenarbeiten werden. Mal schauen.

Von wem habt ihr euch musikalisch beeinflussen lassen früher und was hört ihr heute privat an Musik? Inwieweit meinst Du/Ihr, nimmt diese Musik indirekt oder gar direkten Einfluss auf euch?

Nun, das ist sehr unterschiedlich. Sascha, unser Gitarrist, kommt aus der derben Metal-Ecke und hat früher in diversen Bands seine damals noch lange Mähne geschüttelt. Sebastian hat neben seiner Passion für elektronische Musik und das DJing, stets ein Faible für die ganzen Indierock-Sachen gehabt. Ich hab mich im HipHop versucht – zum Glück vergeblich :-)
Vielleicht hat dieser Mix tatsächlich zum NL-Stil beigetragen, man macht das ja immer eher unbewusst.

Ihr kommt ja ursprünglich mehr aus der Techno-Electro-Szene und habt auch schon einige Remixes angefertigt. Was war der bis Dato beeindruckendste Auftrag/Remix für euch und weshalb?

Oh, da gab es einige, wo wir die Luft angehalten haben. Sei es vor ein paar Jahren „Sique Sique Sputnik“, dann zweifelsohne „Yello“ – Pioniere im elektronischen Musikbereich. Oder dieses Jahr der Remix für „Rammstein“. Da ist man letztendlich einfach nur Fan und sieht das als große Ehre an, dies machen zu dürfen.

Wird es zum neuen Album auch eine Tournee geben? Wo werdet ihr zu sehen sein und was erwartet den Besucher in visueller und klanglicher Hinsicht?

Die gibt es und startet im Oktober in Paris und führt auch durch ganz Deutschland. Neben einer neuen visuellen Umsetzung, gibt es vor allem eine wichtige Änderung am Live-Konzept: die Hinzunahme eines weiteren Gitarristen. Es wird prinzipiell dynamischer. Laßt euch überraschen.

Wie sieht der normale Touralltag von euch aus und habt ihr das ein oder andere Ritual vor einem Konzert?

Ein Ritual haben wir nicht, auch sonst ist der Touralltag sicher nicht sehr aufregend. Es ist eher viel Arbeit und die ruhigen Minuten zwischendurch nutzen wir für individuelle Pausen.

Danke, dass Du dir die Zeit genommen hast und viel Erfolg mit „Unisex“.

Northern Lite auf Tour:

09/09/06 GER – Chemnitz „Moonbeachfestival @ Werk IV“
06/10/06 FRA – Paris
07/10/06 FRA – Amiens
27/10/06 GER – Calau
04/11/06 CH – Basel
10/11/06 GER – Teschenhagen/Rügen
11/11/06 GER – Stavenhagen „Tankhaus“
17/11/06 GER – Münster
02/12/06 GER – Berlin „Columbiahalle“
16/12/06 GER – Freiburg
22/12/06 GER – Nürnberg
23/12/06 GER – Ludwigshafen
25/12/06 GER – Erfurt thüringenhalle
26/12/06 GER – Dresden
27/12/06 GER – Leipzig

www.northernlite

Letzte Aktualisierung: 5.9.2006 (c)

Der Kommentarbereich ist zurzeit geschlossen.