Minimalistische Elektronik, geeignet für Wohnzimmer und Club. Das gelingt nur selten in einer Form, die auch zu wiederholtem Hören taugt. Als Spezialist dafür gilt Isolée, der nach sechsjähriger Wartezeit nun endlich sein drittes Album vorlegt. Wer gewinnt denn nun, Couch oder Tanzfläche?

Wenn das neue Album von so vielen herbeigesehnt wird, obwohl die Veröffentlichungslücke zuvor doch recht groß war, dann muss was dran sein am Künstler. Rajko Müller, der Mann hinter Isolée, hat seit der zweiten Hälfte der 90er viele Anhänger gesammelt, spätestens seit seinem Hit „Beau Mot Plage“. Auf den Alben „Rest“ und „We Are Monster“ gelangen ihm verspielt experimentelle Klangbasteleien, die mehr erhoffen ließen, denen aber zuletzt lange Zeit nur diverse Remixe (u.a. für International Pony, Franz Ferdinand oder Tiga) folgten.

Nun also zur „Well Spent Youth“, neu auf DJ Kozes Label Pampa. Gleich zum Auftakt merkt man, dass sich hier niemand anbiedern will. Sonst stünde da nicht ein Track wie „Paloma Triste“, der erst elektronisch losfließt und in dem es plötzlich scheint, als liefen zwei völlig verschiedene (und keineswegs harmonierende) Stücke nebeneinander. Ja, der Autor hat die CD mehrfach unterbrochen, um zu überprüfen, ob das nicht woanders herkommt.

Keine Sorge, es geht auch einfacher. Das folgende Doppel aus „Thirteen Times An Hour“ und „Taktell“ ist sehr eingängig und fast schon klassisches Clubfutter, also für die etwas entspannteren Stunden. Was Isolée auszeichnet, ist, dass in die repetitiven Muster immer wieder neue Soundelemente (Samples, Klangspielereien…) eingebracht werden. Auch die ruhigeren Stücke wie „Going Nowhere“ oder „Celeste“ können so durch kleine Feinheiten aufhorchen lassen. Und stets zieht das Tempo rechtzeitig wieder an („Hold On“).

So gelingen Isolée auf „Well Spent Youth“ tatsächlich Variationen von (Micro-)House und Minimal Techno, die zum intensiveren Wiederhören einladen. Eher auf der Couch, aber auch auf der Tanzfläche.

(Addison)

P.S. Isolée spielt live auf dem Melt!

Isolée – Taktell by Pampa Records

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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