Ende letzten Jahres veröffentlichten White Lies mit „Night Light“ ihr neues, wieder sehr hörenswertes Album. In diesen Tagen bringen sie dieses nun live auf die Konzertbühnen – u. a. in Zürich (07.02.), München (09.02.), Wien (10.02.), Berlin (17.02.), Hamburg (20.02.) und Köln (24.02.). Wir haben mit Sänger Harry McVeigh gesprochen.
depechemode.de: Wer hatte die Idee, den Song „Night Light“ als Albumtitel zu wählen?
Harry McVeigh: Nun, das waren eigentlich wir alle, wir alle liebten den Song. Wir haben natürlich lange über den Albumtitel diskutiert. Wir haben ein paar Wochen gebraucht, um auf diese Idee zu kommen. Ich glaube, einer der Gründe, warum er uns so gut gefallen hat, ist … Das Album ist stark von der Musik der 70er-Jahre inspiriert. Und ich finde wirklich, dass dieser Albumtitel gut zu vielen Albumtiteln aus dieser Zeit passt. Er hat mich einfach an einen verrauchten Raum erinnert. Ein bisschen wie das Albumcover auch, denke ich. Es passt einfach zu diesem Gefühl oder zu meiner Vorstellung von viel Musik aus den 1970er-Jahren. Und wo man sie hören würde.
Die 70er sind auf dem Album definitiv zu erkennen. Was hat euch zu diesem Sound gebracht, der sich von einigen eurer früheren Werke unterscheidet?
Nun, ich denke, wir haben schon immer Musik aus vielen verschiedenen Epochen und Genres gehört. Aber ich glaube, in letzter Zeit haben wir besonders viel Musik aus den 1970er-Jahren gehört. Ich denke, weil viele unserer Lieblingsbands aus dieser Zeit stammen. Und vieles, was wir an der Musik mögen, hängt wohl sehr mit den 70ern zusammen. Vielleicht liegt es daran, wie die Musikindustrie damals funktionierte. Die Leute, die die Plattenlabels leiteten, waren oft selbst großartige Musiker und Songwriter. Das war in der Zeit, bevor das Big Business in die Musik einstieg und die Labels zunehmend von Geschäftsleuten statt von Musikern geleitet wurden. Viele der damals produzierten Platten, zum Beispiel von Bands wie Yes und Genesis, um nur zwei zu nennen, erhielten riesige Budgets für die Produktion ihrer Alben, obwohl die Musik wirklich seltsam und nicht besonders kommerziell war. Vielleicht wurde deshalb damals so viel großartige Musik produziert. Die Geldsummen, die sie für die Aufnahme der Alben ausgeben konnten, um andere Musiker hinzuzuziehen, manchmal sogar ganze Orchester. Ich denke sogar an Bands wie Steely Dan, wie viele Musiker sie ins Studio holten und wie viel Geld und Zeit ihnen dafür zur Verfügung stand. Das Gefühl dieser Musik und der Klang dieser Musik. Das hat sich auch auf unsere Herangehensweise bei der Produktion ausgewirkt, zum Beispiel darauf, wie wir versucht haben, es aufzunehmen, und die zusätzlichen Musiker, die wir hinzugezogen haben. Einfach alles, was wir gemacht haben, haben wir versucht, aus dieser Perspektive zu betrachten.
Auf dem Album ist definitiv zu hören, dass ihr einen anderen Ansatz gewählt habt. Ich habe gelesen, dass ihr versucht habt, die Songs nicht mehr übereinanderzuschichten, indem jeder seinen Part selbst aufgenommen hat, sondern ihr habt euch mehr um eine Live-Aufnahme bemüht. Und das hört man auch. War das von Anfang an euer Ansatz oder hat sich das im Laufe der Aufnahmen entwickelt?
Ja, das war definitiv der Ansatz, den wir verfolgen wollten. Und wir haben uns eben von dieser Musikära inspirieren lassen. Alle anderen Alben haben wir genau so gemacht, wie du es beschrieben hast, indem wir sie Stück für Stück übereinandergelegt haben, also im Grunde genommen die Demos, die wir zu Hause aufgenommen hatten, mit ins Studio genommen und jeden Teil einzeln ersetzt haben. Ich finde, dass das auch seine Vorzüge hat, und man kann auf diese Weise definitiv ein großartiges Album produzieren. Aber wenn man das macht, gibt es etwas, das alle voneinander trennt. Vielleicht ist das der Punkt. Bei diesem Album wollten wir zumindest die Grundlage der Songs, also den Kern der Tracks, die Rhythmusgruppe aus Gitarren und Bass, live aufnehmen und dann darauf aufbauen. So fängt man das Gefühl genauer ein, nehme ich an, aber auch die Dynamik des Songs, die intensiven Momente, die ruhigen Momente und die zarten Momente. Das spürt man viel stärker auf dem gesamten Album. Alles, was man nach diesen ersten Takes macht, spielt man als ganze Band zusammen. Wir haben versucht, den Kern der Band einzufangen, den Moment, wenn wir alle zusammen spielen.
Jedes Mal, wenn wir Alben so aufgenommen haben wie in der Vergangenheit, hatte ich das Gefühl, dass sie besser geworden sind, als wir gelernt haben, sie zu spielen, sie live zu performen. Wenn wir vor den Tourneen probten, haben wir so viel hinzugefügt, und ich fand es einfach schade, dass wir das erst nach der Fertigstellung des Albums gemacht haben. Ob wir nun live aufgenommen haben oder nicht, wir wollten proben, uns zusammen in einen Raum setzen und die Songs ein paar Wochen lang immer und immer wieder spielen und spontan Änderungen daran vornehmen. Manchmal konnte man so schon während des Spielens rufen: „Ich finde, du solltest das probieren“, was etwas sehr Unmittelbares und Großartiges hat, weil es viel effizienter ist. Man ändert die Dinge nicht Stück für Stück, man kann auf einen Schlag große Veränderungen vornehmen. Und dann ging es auch darum, Seth Evans, der auf diesem Album Keyboard für uns gespielt hat, ein wenig in die Band zu integrieren. Wie wird er dazu beitragen? Was wird er in die Band bringen? Um das herauszufinden, muss man einfach zusammen spielen.
Kam es für dich vielleicht überraschend, dass am Ende in drei, vier, fünf Songs echte Prog-Soli sind? Was die Fans erstaunen wird, denke ich.
Ich liebe die Gitarre, sie ist ein großartig klingendes Instrument.
Harry McVeigh
Ja. Ich weiß nicht, woher das kam. Vielleicht von Frank Zappa. Ich habe viel Frank Zappa gehört. Ich liebe ihn sowieso, aber ich habe mich so in diese Alben vertieft. Es ist möglicherweise so, dass ich mich als Gitarrist seit den Anfängen der Band und einfach durch das viele Spielen sehr verbessert habe. Man braucht die Erfahrung, damit es nicht selbstverliebt wirkt, als würde man sich selbst zu sehr in den Vordergrund stellen. Sondern man macht es, damit man der Musik, den Songs tatsächlich etwas hinzufügt. Ich finde, Frank Zappa ist ein großartiges Beispiel für jemanden, der das so gut kann. Manchmal ging er zwar etwas zu weit, aber meistens bringen diese Instrumentalparts den Songs so viel, und es ist so spannend, ihnen zuzuhören. Und ich denke, du hast recht, die Leute werden vielleicht etwas überrascht sein, aber es macht eben so viel Spaß. Es ist einfach toll, sich ein bisschen gehen zu lassen, und wenn man als Band zusammen spielt, kann man das auch besser, denn diese Parts funktionieren nur, wenn die ganze Band mitgeht und sozusagen das Bild malt, die Kulisse für das schafft, was da passiert. Ich liebe es, mich auf diesem Instrument mehr ausdrücken zu können, denn ich liebe die Gitarre, sie ist ein großartig klingendes Instrument.
Möglichst viele der neuen Songs sollten also live gespielt werden, denke ich. Denn sie sind dafür geschrieben worden, live gespielt zu werden.
Ja, das hoffe ich zumindest. Wir werden auf jeden Fall versuchen, sie alle zu lernen, und dann werden wir sehen, wie sie ankommen. Aber ich denke, das ganze Album wird irgendwann live gespielt werden.
Wird das Saxofon gerade wieder cool?
[lacht] Ich weiß es nicht. Ich glaube nicht, dass wir jemals eine besonders coole Band waren, aber ich denke, dass das wieder eine Anspielung auf die 70er-Jahre ist, wie alles auf diesem Album. Ich denke, dass wir das irgendwie von dort aufgeschnappt haben, vielleicht wieder von Steely Dan. Ich liebe Steely Dan, und sie hatten immer so viele großartige Saxofonisten, Saxofonparts auf ihren Alben. Es ist einfach ein Sound, den ich wirklich mag, es ist so ein einzigartiges Instrument, und man kann so viele verrückte Dinge da herausholen. Wir hatten den Musiker nur für einen Tag, um auf dem Album zu spielen, aber es hat wirklich Spaß gemacht, das zu dirigieren. Wie sollen wir vorgehen, was wollen wir damit erreichen, welche Anweisungen können wir dieser Person geben? Vor allem, da keiner von uns Saxofon spielen kann. Man gibt irgendwie sehr vage Beschreibungen, fast so, als würde man Gefühle beschreiben. Was großartig ist, und ich denke, es funktioniert, wir sind damit durchgekommen.
Der erste Track, der für das Album geschrieben wurde, ist auch einer von denen mit dem markanten Saxofon, „Going Nowhere“. Dieser Song klingt meiner Meinung nach teilweise nach dem Bowie aus den frühen 80ern.
Ja, das war auch irgendwie unser Ziel, denke ich.
Er ist ziemlich eingängig, aber andererseits ist der Text sehr düster.
Ja, das finde ich auch, aber es ist auch irgendwie ironisch gemeint, denke ich. Vielleicht gibt es da ein Element, das sich ein wenig über die Ernsthaftigkeit lustig macht. Aber die Kernbotschaft, da hast du recht, ist irgendwie düster und handelt, glaube ich, von Einsamkeit und dem Gefühl, durch das Leben zu treiben, was ist mein Zweck hier, was mache ich hier, solche Dinge. Ich liebe den Text dieses Songs.
Mir hat die Zeile gefallen: „Life‘s a date you had, just for the sake of going out“. Auch in den anderen Songs gibt es viel von diesem Gefühl des Verblassens und Verwelkens, finde ich.
Ja, ich stimme dir zu. Ich weiß nicht, was Charles [Cave, Bassist und Texter der Band, Anm. d. Red.] im Kopf hatte, als er die Texte geschrieben hat. Und wenn ich mit ihm darüber spreche, findet er das immer viel ironischer, viel verspielter, als ich es empfunden habe, während ich es gesungen habe. Ich fand es teilweise ziemlich heavy. Für mich war es ein Spiegelbild dessen, wo wir in unserem Leben stehen. Wir sind jetzt Ende 30 und machen das mit der Band schon, seit wir arbeiten, seit wir Teenager waren. Und ich glaube, dass es in der Band dieses Gefühl gibt: Was machen wir eigentlich? Es ist wie ein Job, den wir jetzt haben, ein Job, von dem uns alle, als wir aufgewachsen sind, immer gesagt haben, dass er nicht von Dauer sein wird, dass man so etwas nicht machen sollte, dass man damit nur selten Erfolg hat und dass man damit in kürzester Zeit ohne Qualifikationen und ohne Job dasteht.
Das ist uns zwar nicht passiert, aber dann kommt man an einen Punkt in seinem Leben, an dem man sich all seine Bekannten und Freunde ansieht, die alle richtige Jobs haben, jeden Tag ins Büro gehen und wirklich gut dastehen oder was auch immer, und man fragt sich: Was machen wir eigentlich? Wir spielen einfach weiter, wir sind in gewisser Weise immer noch Kinder. Das ist wie eine Art Realitätscheck, und ich denke, dass die Texte in gewisser Weise vielleicht eine Reflexion davon sind. Ich beschwere mich nicht, ich bin froh, dass wir damit unseren Lebensunterhalt verdienen können, denn es ist ein fantastischer Job. Aber es ist einfach ein sehr seltsames Gefühl, wenn man ein bisschen erwachsen wird und immer noch einen solchen Job macht.
Bevor ich zu den längeren Songs auf dem Album komme, fangen wir mit dem ersten an, der einer eurer kürzesten Songs bis heute ist und vielleicht auch euer schnellster. Wie war die Aufnahme von „Nothing on Me“? Der klingt teilweise sehr kompliziert.
Ja, das ist er und auch wieder nicht. In vielerlei Hinsicht ist er sehr einfach, weil da immer wieder dasselbe wiederholt wird. Das Einzige, was daran vielleicht kompliziert ist, ist das Prog-Rock-Element, dass die Basslinie einen anderen Takt hat als der Rest des Songs. Es fühlt sich nie so an, als würde es irgendwo landen, es ist immer in Bewegung, es geht weiter, es passt nie zusammen. Bevor wir mit den Proben und den Albumaufnahmen angefangen haben, war der Song viel komplizierter, er hatte mehr Abschnitte, also eine Strophe und einen Pre-Chorus und einen Chorus. Wir haben ihn bei den Proben stark vereinfacht, weil wir dachten, nein, das sollte einfach ein wirklich kurzer, knackiger, schneller, intensiver Moment sein, um das Album einzuleiten. Während der Proben haben wir uns gefragt, wie schnell wir den machen können, wie weit wir es treiben können, und geschaut, wie schnell wir es spielen können. Für mich klingt er fast wie Krautrock, der eine weitere große Inspiration für das Album war. Er hat diese Art von hämmernder, andauernder, diese Art von motorischer Anmutung.
Es ist interessant, dass du das mit den mehreren Abschnitten sagst. Eine gute Freundin von mir sagte, als sie ihn zum ersten Mal hörte, fand sie ihn seltsam, als ob noch da Teile fehlen würden. Auch weil es nicht so viele Text gibt, der Song sehr kurz ist und vielleicht etwas abrupt. Wie schwer ist es, Teile von Songs wegzulassen?
Oh, das ist schwer. Bevor wir probten, bevor wir das Album aufnahmen, haben wir neun Monate lang daran geschrieben, und das ist eine lange Zeit, um sich in die Songs zu verlieben. Man hat wirklich das Gefühl, dass man es geschafft hat, dass man fertig ist, und dann muss man bei den Proben mit neuen Ohren zuhören und versuchen, Abstand zu gewinnen und objektiv zu sein. Man muss sich fragen: Funktioniert das wirklich, ist dieses Gefühl richtig? Und man muss seinen Instinkten vertrauen, denke ich. Es ist schwer, und wir haben oft das Gefühl, dass wir wirklich gute Stellen herausschneiden. Aber ich denke, wenn wir alle das Gleiche empfinden, treffen wir insgesamt die richtigen Entscheidungen. Man muss das mit der Zeit als Band herausfinden, und ich habe das Gefühl, dass wir darin im Laufe der Jahre viel besser geworden sind als früher.
Sind die Entscheidungen für die Songs oder für deren Aufnahme auf einem Album demokratisch? Muss jeder zustimmen, oder reicht manchmal die Mehrheit in einem Trio aus?
Manchmal reicht die Mehrheit aus. Ich denke aber, dass es oft auf der Stärke unserer Gefühle basiert. Wir vertrauen uns gegenseitig, da gibt es viele Momente, in denen einer von uns sagt: „Nein, ich finde wirklich, es sollte so sein“, und die anderen beiden sagen: „Okay, ich vertraue deinem Urteil, wenn du das so empfindest, dann hast du wahrscheinlich recht.“ Man muss also dem Prozess vertrauen, denke ich, wenn jemand wirklich stark von etwas überzeugt ist, dann muss man ihm erlauben, es durchzuziehen. Man muss ihm zumindest erlauben, es so zu versuchen, wie er es in seinem Kopf hört, um zu sehen, ob es funktioniert. Es ist in gewisser Weise demokratisch, aber oft geht es nicht nur um eine Mehrheitsentscheidung, sondern mehr um die Stärke des Gefühls und darum, wie gut jemand glaubt, dass es sein wird. Man muss jedem diese Momente gönnen.
Das ist besser so. Hast du für die Platte deine Stimme trainiert? Denn ich finde, deine Stimme klingt in den meisten Songs sehr kraftvoll und … nicht aggressiv, eher rau. Auf eine gute Art.
Ich glaube, das kam einfach dadurch, dass wir die Songs wirklich oft geprobt haben. Man spürt dann wirklich, was der Song braucht, und wenn man ihn oft singt, wirklich oft, dann pflanzt er sich in deinen Kopf, man spürt einfach die Stimmung des Songs. Und ja, wir haben auch viel Zeit mit den Vocals verbracht, wahrscheinlich mehr als mit allem anderen zusammen. Wir haben alle Takes der Band zusammengebracht, und das hat wirklich nicht lange gedauert, weil wir einfach alles zusammen gespielt haben. Wenn man also einen guten Take hat, alle Instrumente aufgenommen hat, muss man nicht mehr viel hinzufügen. Und der Gesang ist natürlich sehr wichtig, damit er klar ist und sich richtig anfühlt, deshalb braucht es einfach viel Zeit und viele Takes, um ihn richtig hinzubekommen. Aber ich denke auch, dass es wieder mit der Erfahrung zu tun hat. Ich mache das jetzt schon so lange, dass ich meiner Stimme vertraue und mich sicher fühle in dem, was ich tue. Und ich habe mich wohl auch daran gewöhnt, sowohl an die raueren Momente, die härteren Momente, als auch daran, manchmal etwas verletzlicher und softer zu sein. Ich denke, der Kontrast zwischen diesen beiden Dingen ist sehr wichtig, und es dauert lange, bis man das wirklich gelernt hat.
Apropos sanfter Teil: Ich habe gelesen, dass Charles gesagt hat, „Everything Is Ok“ sei seiner Meinung nach der beste Song des Albums. Dieser Song unterscheidet sich ein wenig von den meisten anderen auf dem Album und steht genau in der Mitte der Platte.
Ja, ich glaube, wir haben ihn – wenn wir uns das Album auf Vinyl vorstellen – als Ende der einen Seite oder Anfang der anderen Seite gehört, wie ein Interlude, wie eine Pause von der Rockigkeit, die den Rest des Albums ausmacht. Wir probieren immer gerne neue Dinge aus, aber ein Song wie dieser erfordert ein bisschen Selbstvertrauen, dass es funktionieren wird, dass wir hier etwas Neues ausprobieren können. Ich denke, er wurde tatsächlich sehr von Bruce Springsteen inspiriert. Was ich an ihm wirklich bewundere, ist, dass er zwar ein sehr machomäßig wirkender Typ ist, aber ein Teil seines Machismo besteht auch darin, selbstbewusst genug zu sein, um Verletzlichkeit zu zeigen. Diese Brüche in seiner Stimme, diese Intimität und diese Traurigkeit. Wie, wenn ein erwachsener Mann vor dir weint, und man hat das Gefühl, dass diese Person dadurch noch selbstbewusster wird.
Freust dich auf den Springsteen-Film? [Ende 2025 kam der Film „Springsteen: Deliver Me from Nowhere“ ins Kino]
Ich mochte Biopics eigentlich nie so wirklich. Es sei denn, es handelt sich um einen obskuren, etwas unbekannteren Musiker, von dem man im Allgemeinen nichts weiß. Aber ich finde, wir brauchen nicht noch mehr von Springsteen, als wir bereits haben. Er ist so eine große Persönlichkeit, ich finde, seine Werke, seine Platten reichen mir. Ich muss da nicht auch noch einen Film darüber sehen.
Vielleicht ist es besser, Filme über Weird Al Yankovic zu machen. Hast du den mit Daniel Radcliffe als Weird Al gesehen? Das war ein sehr seltsamer Film.
Ich habe ihn nicht gesehen, aber ich denke, der ist sicher gut. Solche Filme machen viel mehr Spaß. Vielleicht liegt es nur an mir, aber ich finde, dass man durch das Anhören der Alben so viel mitbekommt, dass man die Lebensphasen dieser Menschen wirklich nachempfinden kann. Weil es sich um sehr persönliche Momente handelt, denke ich, und man die Entwicklung hören kann und wie sich diese Person von Platte zu Platte verändert. Ich glaube nicht, dass man einen Film braucht, um das zu verstehen, um das zu spüren. Aber ich bin mir sicher, dass er sehr erfolgreich sein wird und viele Leute ihn lieben werden.
Wie auf früheren Alben gibt es auch auf diesem Album besonders viele Stellen, vor allem gegen Ende der Songs, nach den Breaks, an denen sich die Songs stark verändern. Besonders in „Night Light“, das mit einem Bossa-Nova-Rhythmus beginnt, dann kommen das Break, der Klavierpart und der elektronische Part. Oder der letzte Song „In the Middle“, der sich zum Ende hin beschleunigt. Wie entscheidet ihr, ob ein weiterer Teil den Song stärker macht, oder dass es an einem gewissen Punkt reicht?
Oh, ich weiß es nicht. Ich denke, man folgt einfach seinem Instinkt, dem Gefühl des Songs. Wir waren schon immer eine Band, die Kontraste in Songs mag, helle und dunkle, leise und laute Momente und Stellen, an denen es intensiver oder langsamer wird. Das wurde hier dadurch gesteigert, dass wir viele dieser Songs im Studio gespielt haben, besonders bei „In the Middle“. Dieser Song fühlt sich wirklich wie ein Song aus zwei Hälften an. Es ist schwer zu beschreiben, man muss es einfach fühlen. Das ist auch Geschmackssache, viele Leute denken wahrscheinlich, dass wir das oft total übertreiben. Und vielleicht tun wir das auch, aber es fühlt sich einfach richtig an.
Selbst bei diesen Songs haben wir viel herausgenommen. „In the Middle“ war eigentlich erst ganz anders. Bevor wir ins Studio gingen, war es fast wie ein Meat-Loaf-Track. Dann haben wir den im Studio komplett geändert, weil es sich nicht richtig anfühlte. Eine der Schwierigkeiten dabei ist, dass man die Last all der Arbeit spürt, die man bisher investiert hat. Wir haben so hart daran gearbeitet, und es passt nicht. Manchmal ist man versucht … ich weiß nicht … Man will nicht das Handtuch werfen, weil das bedeuten würde, all die Arbeit aufzugeben, die man bereits geleistet hat, verschwendete Stunden seines Lebens, und es hat nicht funktioniert. Aber manchmal muss man das einfach tun. Es ist schwer zu sagen, woher das kommt. Ich glaube, es ist einfach Erfahrung. Einfach zu wissen, wann es sich richtig anfühlt, wann es fertig ist.
„In the Middle“ erinnert mich ein bisschen an „Time to Give“. Er klingt ganz anders, aber es ist die Art, wie der Song immer länger wird und das Tempo beschleunigt. Ich mag das. Ist es schwierig, diese wechselnden Tempi live zu spielen?
Wir müssen noch herausfinden, wie wir das genau machen werden. Wir werden sicher eine coole Möglichkeit finden. Ich stelle mir das bei der Live-Show fast wie eine Jam-Session vor. Um auf diese Bands aus den 70ern zurückzukommen: Es ist wie ein Frank-Zappa-Moment, bei dem man einfach abwartet, was passiert. Es wird jeden Abend anders sein.
Spannend! In der Info zum Album werden Songs erwähnt, die nicht auf der Platte sind. „My Lover“ und „I Love(d) New York“. Wo sind diese Songs, oder wo werden sie sein?
Sie gehören zu den besten Songs, die wir für das Album geschrieben haben.
Harry McVeigh
Sie sind immer noch hier, sie sind irgendwo. Ich denke, wir werden versuchen, sie irgendwann im nächsten Jahr zu veröffentlichen. Jeder wird die Gelegenheit haben, sie zu hören. Sie sind wirklich gut, ehrlich gesagt. Der einzige Grund, warum sie nicht auf dem Album gelandet sind … Nun, es gibt zwei Gründe. Erstens konnten wir sie nicht auf die Vinylplatte packen. Wir mussten alles auf eine Platte bringen, sonst wäre das Album zu lang geworden. Außerdem haben wir einfach Songs ausgewählt, die gut zusammenpassen. Die neun Tracks, die es auf das Album geschafft haben, passen wirklich gut zueinander. Sie haben alle das gleiche Feeling und den gleichen Sound. Ich finde, diese beiden haben ein etwas anderes Feeling, einen anderen Sound vielleicht. Sie gehören zu den besten Songs, die wir für das Album geschrieben haben, wären vielleicht sogar die besten Singles, doch sie passten einfach nicht auf das Album. Aber sie werden erscheinen, ich kann es eigentlich kaum erwarten. Ich freue mich darauf, sie auch live zu spielen, und hoffe, dass die Leute sie genauso mögen wie wir.
[Die beiden Songs sind mittlerweile auf der Expanded Edition des Albums erschienen – und ja, sie sind sehr gut.]
Zum Schluss noch zwei Fragen. Ich habe auf setlist.fm nachgeschlagen. Weißt du, welchen Song ihr am häufigsten live gespielt habt?
In unserer gesamten Karriere?
In eurer gesamten Karriere.
Wahrscheinlich einige vom ersten Album. „Death“, „To Lose My Life“, „Farewell to the Fairground“.
Ja, das sind die Top 3. „Farewell to the Fairground“ ist mit 600 Aufführungen auf Platz 1.
Witzig.
Und die letzte Frage: Hast du musikalische Empfehlungen – oder welche Bands, außer denen, die du bereits erwähnt hast, habt ihr während der Aufnahmen gehört?
Es gibt Dutzende, aus denen ich wählen könnte. Aber ich denke, ich werde zwei Dinge empfehlen. Zunächst einmal eine Band. Ich liebe die Average White Band und höre sie momentan sehr oft. Eine fantastische Band, fantastische Musiker. Wenn ihr euch das Live-Album anhören könnt, eine fantastische Platte. Einfach unglaubliche Musikalität. Und ich liebe einfach ihre ganze Ausstrahlung, diese weißen Jungs aus Schottland, die versuchen, eine Funk-Band zu gründen und wirklich die Flucht nach vorne antreten. Sie stürzen sich mit ganzem Herzen hinein und machen es wirklich, wirklich gut. Das macht einfach so viel Spaß. Sie haben es verdient, nun ja, sie sind nie wirklich verschwunden, aber vielleicht müssen sie erst noch von der TikTok-Generation entdeckt werden.
Und dann haben wir – vielleicht wird das in der Pressemitteilung erwähnt – viel von dieser Show namens „The Midnight Special“ gesehen.
Ah, ja, das habe ich gelesen.
Das ist eine amerikanische Show aus den 70ern. Und dort habe ich viele der Musiker und Bands entdeckt, die dieses Album inspiriert haben, vor allem die eher obskuren, denn jede große Band, jeder große Act war in den 70ern in dieser Show in Amerika zu sehen. Und all diese Auftritte sind so unglaublich, weil es immer Live-Bands sind, die zusammen spielen, so wie wir es auf dem Album versucht haben. Das war ein großer Teil der Inspiration. Es gibt einfach so viele großartige Auftritte dort. Es ist eine wahre Fundgrube, und ich finde, die Leute sollten sich das ansehen.
Vielen Dank für das Gespräch!
White Lies – Night Light kaufen:
War diese Woche auf meinem ersten Konzert dieser Band.
Als langjähriger DM Fan hatte ich keine großen Erwartungen.
Die Songs sind gut.
Ich hatte einen super Abend, es lohnt sich wirklich hinzugehen!
„Nothing on Me“ klingt großartig! Ganz toll – genau sowas stell ich mir vor! Mehr davon!
Den Rest muss ich mir erst anhören….kann ich noch nichts sagen….