Depeche Mode-Konzert am 22.04.2019 in Hamburg, Barclaycard Arena

The World We Live In & Live in Hamburg 4.0

Wie weit haben sich die Möglichkeiten der Technik doch weiterentwickelt, seit 1984 das erste Depesche Mode Live Video „The World We Live In & Live In Hamburg“ auf einer VHS Kassette aufgenommen und ausgeliefert wurde. Wie viele dieser Bänder wurden zigfach durch die Videorecorder von Fans geschleift, bis das Band von Schlaffheit ermattet gestörte Bilder in den Röhernbildschirm warf, der es ansonsten nur gewohnt war drei Programme zu auszustrahlen. Heute drehen beinahe jeder und jede ihre eigenen Videos. Etliche Megabyte an Daten werden auf jedem Konzert erfasst und tausendfach geteilt um sich an etwas zu erinnern, dass man viel intensiver mitbekommen hätte, wenn man nicht so sehr damit beschäftiget gewesen wäre Clips und Bilder zu erfassen – und sie an Ort & Stelle an den Rest der Welt zu versenden. Anstatt die Konzerterinnerung auf dem Konzert selbst direkt in der Handykonserve auf Tauglichkeit zu checken, einfach das Erlebnis ohne ein anderes Aufnahmemedium als den eigenen SPIRIT zu nutzen, verinnerlichen – und tags darauf in Wort & Schrift zu verewigen ist (m)eine persönlich Fan-Revolution dieser Tour. Bestenfalls entwickelt sich ein Trend daraus, der die Leute vielleicht dazu verleitet wieder mehr auf die Show selbst zu achten, als auf ihre kleinen, mobilen Spiglein, Spieglein in der Hand . Der nette Nebeneffekt wäre ein positiver Einfluss auf den Stimmungslevel der Masse. Ganz bestimmt. .

Die zweite Show nach der Winterpause braucht ein wenig Zeit bis der Funke richtig zündet. Könnte am Sound liegen. Der ist nämlich erstmal nicht so recht in Form, weil schlecht gemischt. Wenn die erste Gahan´sche Gesangintonation dem Fan nicht sofort durch Mark & Bein fährt, fehlt der Show einfach der richtige Kick-Start. Echt schade drum. Was den guten Sound und die gute Stimmung angeht, formuliert es die erste Strophe von GOING BACKWARDS bestens „We are not there yet“.

So muss die Stimmungskurve langsam nach oben steigen. . . und dass tut sie auch! Song um Song.

Mit „Good Evening Hamburg“ begrüßt Dave Gahan die schicke, meist schwarz gekleidete Meute zwischen IT`S NO GOOD und BARREL OF A GUN. (Ist das hier eigentlich die heimliche ULTRA-Tour die es niemals gegeben hat? Schließlich ist dies das Album von dem heute Abends die meisten Stücke gespielt werden;-)

Dannach die aufgemotzte Live-Version von PAIN THAT I`M USED TO mit Peter Gordeno am E-Bass. Wie ebenfalls bei USELESS, dass den ersten mächtigen Anton Corbin Clip des Abends auf der riesigen Bühnenleinwand präsentiert. Es folgt Precious. Die Songs werden von Fans und Band routiniert abgefeiert. Während sich bei WORLD IN MY EYES so langsam mein persönliches Problem des Abends zeigt. Den während Gahan gewohnt galant die Massen verführt, muss ich mich fragen, warum mich der Zufall immer wieder neben oder hinter solche energieblockenden Wellenbrecher-Fans bugsiert, die ohne einen Mucks, geschweige denn einen Move zu machen, im F.O.S. stehen. Hände in den Hosentaschen. Stiernacken. Euphoriebremsen. Null. Nix. Nada.

Trotzdem: Alles gut. Beinahe alles singt, klatscht, tanzt. Idealerweise mit lasziven Hüftbewegungen im Dave Gahan Style. „Let My Body Do The Talking.“ Yeah, aber so was von! Thats right. .

Um mit Sicherheit darauf hinzuweisen, dass nun mit COVER ME ein echtes (wenn nicht DAS!) Highlight folgt, haut Herr Frontmann David G. zuvor einfach nochmal ein zweites „Good Eveneing Hamburg“ raus. Vielleicht so nach dem Motto: „So Leute. Jetzt aber!“ – und es wirkt.

Die Stimmung hebt sprichwörtlich mit der Raumkapsel des gezeigten „Dave als einsamer Retro-Astronaut“ Clips – und dem langen Instrumental-Part dieser Zaubernummer endlich richtig ab. Pure Devotion. Song und Video sind übrigens eine weitere DM Hommage an David Bowie: Life on Mars. Nur etwas heimlicher als Heros.

Die beiden von Martin L. Gore vorgetragenen Balladen INSIGHT und HOME tun der Stimmung keinen Abbruch. „The Fire Still Burns“. Eindeutig.

Dann gehts IN YOUR ROOM. Und darin ganz tief hinein in die brennenden Leidenschaften des ewigen DM-Themas. „I´m Hanging On Your Words, Living On Your Breath, Feeling With Your Skin – Will I Alway Be Here?“  singen flehend 16.000 fragende Kehlen.

Weiter ohne Fragezeichen: Mit WHERE`S THE REVOLUTION kommt der Zug, kommt der Zug, kommt der Zug. Wir gehen an Bord und steigen damit in das ganz große Hitparaden-Finale ein. Back to the Eighties gehts mit  „Everything Counts.“ Da wippt dann auch – after all- endlich der Kopf auf dem megabreiten Kreuz des menschlichen Wellenbrechers direkt vor mir. STRIPPED spendiert wahrscheinlich etliche Erinnerungen sinnliche Intensitäten als Soundtrack von tausenden erlebten Liebesnächten der Anwesenden. Wer jetzt mit seinem Handy filmt, hat den Text glaube ich einfach nicht verstanden.

Wie mit Vorschlaghämmern hauen die drei Herren aus Bassildon jetzt einen Megahit nach dem anderen raus.

Bei ENJOY THE SILENCE geht es dann alles andere als leise zu. Den dazu gezeigten Haus- und Hoftier-Clip finde ich komisch – und tanze (wie sich das eigentlich auch gehört) mit Augen-zu.

Was bei NEVER LET ME DOWN AGAIN passiert, brauche ich auf diesem Kanal nicht zu beschreiben – und dass ist gut so. Denn dafür gibt es eh keine Worte. .

Die Zugabe STRANGE LOVE lässt sinnliche Wonnen aus Erinnerungen an die 80er Jahre spriesen.

Dafür bedankt sich Martin Gore mit einem deutschen „Dankeschön!“

Bei WALKING IN MY SHOES zeigt uns Mr. Gahan nocheinmal seine extravaganten Chelsea-Boots in schimmerndem metallic-rot, indem er einen Fuß auf seine Monitorbox aufstellt und mit einer lächelnden  Handbewegung drauf zeigt.

Dann noch A QUESTION OF TIME und als letztes PERSONAL JESUS.

Feuerwerks-Extase bis zum letzten „Reach Out And Touch Faith“

„Good Night.Thank You Very Much!  We See You Next Time“

Man-man-man! Von mir aus auf jeden Fall!

Dann geht das Licht an-  und eine Vielzahl von Köpfen blickt direkt nach unten auf die frisch erfassen Daten. Ob diese Clips jemals so oft angeschaut werden wie seinerzeit die alte VHS Kassette?

Wer weis. .

 

Von andiLauscher
Wohnort: Freiburg

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