Depeche Mode-Konzert am 20.10.2020 in Hannover, HDI-Arena

Erstes Konzert dieser Tour und wie immer überwältigt

Vorwort

Ich als relativ junger Devotee (22) hab nicht so viele „gleichgesinnte“ in meinem Freundeskreis, weshalb ich einen meiner WG-Mitbewohner für dieses außergewöhnliche Event verpflichtet habe. Er fand Depeche Mode auch gut und hat sich dann einen Ruck gegeben und sich für den stolzen Preis eine FoS Karte für Hannover gekauft.
Mein Text wird lang. Wen nur das Konzert als solches interessiert möge einfach nach unten scrollen ;)

Anreise

Angereist sind wir ganz entspannt früh morgens aus Kiel. Das Auto haben wir bei seiner Schwester geparkt, die in Hannover wohnt und bei der wir uns dann auch für eine Nacht einquartiert haben, und uns dann zu Fuß auf dem Weg zum Stadion gemacht. Gegen kurz vor 9 Uhr morgens waren wir dann da. Schätzungsweise 20-25 weitere Fans waren noch früher dran.

Das lange Warten

2013 hab ich das ebenso gemacht. Ich wusste also worauf ich mich einließ.
7,5 Stunden warten bis zum Einlass und weitere 4,5 Stunden ausharren bis Depeche Mode die Bühne betritt. Es ist machbar. Doch diesmal war es irgendwie besonders hart. Die Temperatur war die meiste Zeit über bei ca. 25 Grad und die Sonne brannte unerbittlich auf uns herab. Ab Mittag war dann das Eincremen vom Morgen auch für`n Eimer. Aufgrund der „harten“ Sicherheitskriterien hielt ich es für eine gute Idee möglichst wenig dabei zu haben bzw. alles andere zu konsumieren und vor Einlass zu entsorgen. Dass man Sonnencreme auch hätte passend abfüllen können ist mir leider nicht in den Sinn gekommen. Nun bin ich rot und knusprig und alles tut weh, aber, wie sich an späterer Stelle zeigen wird, hat es sich gelohnt.
Wie immer ist das Warten vor dem Konzert ein Erlebnis für sich. Man lernt nette und skurrile Leute kennen und vertreibt sich mit Gesprächen die Zeit. Für meinen Mitbewohner, der das ganze nur von einer DM Party kennt, auf die ich ihn und weitere mal mitgeschleppt hatte, war das ganze dann eine doch recht einschneidende Erfahrung, mit den „komischen Vögeln“ zusammen zu hocken und zu warten.
Die letzten 1,5 Stunden dauerten Ewigkeiten und meine Haut, die anfing unangenehm zu prickeln, machte mir auch etwas sorgen.
Gegen 16 Uhr machten sich dann alle bereit. Die Ordner kamen, zogen sich schon mal schwarze Gummihandschuhe an und quatschten noch etwas, verteilten sich dabei aber bereits auf die Schleusen. Obwohl es eigentlich am Tag bereits mehrfach angefragt wurde, kamen immer wieder Nachfragen bzgl. Taschen und Gegenständen, ob diese denn zugelassen sein. Die Panik wuchs.
In der Tat mussten viele ihre Taschen für 2€ Gebühr in Gewahrsam geben oder entsorgen. Wir waren zum Glück vorbereitet, nahmen Schlüssel, Handy, Portemonnaie und Konzertkarte aus der Tasche, machten uns bereit für einen schnellen Einlass.

Der Einlass

Wir erhofften uns einen entspannten Einlass, bei dem man auch ohne großes Gedränge nach vorne kommt. Immerhin waren wir ja früh da und standen auch vorne an der Schleuse! Doch die Hoffnung verflog bereits in den letzten Minuten vor dem Einlass. Nicht ganz pünktlich wurde von einem „Oberordnermann“ EINLASS gebrüllt. Die Meute stürmte nach vorne. Die völlig überrumpelten Ordner winkten dann (so wie ich das noch gesehen habe) die meisten einfach nur noch durch bzw. sehr viele sind einfach um diese herum gerannt. Und wenn ich sage gerannt, dann meine ich auch gerannt. Ein paar sehr stressige Einlässe auf einem Depeche Mode Konzert durfte ich bereits mitmachen, aber das grenzte an Wahnsinn. Einer stand vor mir. Dieser wurde auch noch mit einem Metalldetektor abgescannt. Ich hätte schon gar nicht mehr gemusst. Um uns herum haben sich in kürzester Zeit so viele Leute durch die Schleuse gedrängt, sodass der arme Mann mit den Schultern zuckte und sich mit Glück mal jmd. herausgriff, um diesen abzuleuchten. Ich habe mich erbarmt und mir tatsächlich noch 1 Sekunde genommen eine Alibi Kontrolle zu durchlaufen. Danach bin auch ich gerannt. So schnell wie noch nie gerannt bin. Die Karte durch den Scanner gezogen und ehe die Lampe grün aufleuchtete weiter gerannt. Ich weiß nicht wie viele Menschen ich auf meinem Weg überholt habe, aber es waren einige. Mein Vorteil ist, dass ich recht schnell sein kann. Mein Nachteil ist, dass ich recht schnell sein kann. Spätestens als ich bemerkt habe, dass einige Ordner versucht haben sich mir tatsächlich in den Weg zu schmeißen anstatt nur ihr obligatorisches „langsamer“ zu rufen, wurde ich dann besonders schnell. An der Treppe habe ich meinen Lauf dann entsprechend angepasst, denn dort ist ein Ausweichen eher schwierig. Im Innenraum ging die wilde Jagd dann erst richtig los. Es haben tatsächlich 2 Ordner ihren Platz verlassen und mich bis kurz vorm FoS verfolgt. Bekommen haben sie mich zum Glück nicht, denn das wäre echt schlimm gewesen. Und genau diese Mischung aus dem Drang nach vorne zu kommen, schneller zu sein, als die die sich beim Einlass vorgeschoben haben und der Angst raus gezogen zu werden hat zu einem wahren Herdentrieb geführt. Alle sind gerannt und jeder war sich selbst der nächste. Es war einfach schrecklich. Aber ich habe schließlich meinen Platz direkt am Catwalk eingenommen und meinem Mitbewohner etwas Platz ermöglicht. Dieser ist eher gemütlich gejoggt. Schließlich bin ja ich wie ein Zäpfchen abgegangen. Wozu also die Mühe machen :P

Konzertbeginn und Vorband

Die letzten Stunden ließen sich einigermaßen entspannt warten. Es war voll um uns herum und entsprechend warm, aber die Sonne hatte sich in der Zwischenzeit hinter einer dicken Schicht Wolken verborgen. Tatsächlich kam es hin und wieder zu kleineren Schauern, die ich persönlich aber als sehr erfrischend empfand. Gegönnt haben wir uns noch ein Wassereis, dann kam die Vorband. Es spielten die Algiers, die ich von dem Soulsavers-Intro aus Berlin (2015) mit dem Lied „In Parallax“ kannte. Ich hatte mich auch vor dem Konzert quer durchgehört, fand die Musik aber eher mittelmäßig. Insgesamt nicht mein Geschmack. Dies bestätigte sich dann auch beim Auftritt, obwohl man sagen muss, dass der Keyboarder extrem lustige Moves drauf hatte. Ich hab schon schlechtere Vorbands gehört, aber der Rede wert war das dann auch nicht.
Gegen 20:45 ging es dann endlich los. Die Stimmung wurde immer aufgeladener. Die Fans klatschten und freuten sich. Mein Mitbewohner und ich guckten zum dem Stadion-Eingang von wo wir ihr kommen vermuteten (wir sind beide recht groß und konnten so nach hinten über alle weg gucken) und dann erspähten wir sie. Das Intro fing an zu spielen und die Fans gaben einen kleinen Aufschrei, als die 5 durch den Eingang zur Bühne geschleust wurden.
Dann ging es los.

Das Konzert!

Nachdem das Intro „Revolution“ von den Beatles endete, fing das Intro zu Going Backwards an. Was soll ich sagen? Nicht ganz so verheißungsvoll wie Welcome to My World, aber mindestens genauso kraftvoll. Der Bass wippte die Füße durch und alle klatschten im Takt. Die Welt war von dem Moment an ausgeblendet. Als die Band dann die Bühne betrat ging ein ohrenbetäubender Jubel von der Menge hervor. Alle Ärgernisse, Strapazen und Sorgen des langen Tages waren vergessen. Es war wie in Trance! Von einem Lied zum nächsten wurde die Stimmung besser. Ich sang bei jedem Lied mit (an dieser Stelle sorry [aber irgendwie nicht wirklich ;)] an die Umstehenden Leute) und tanzte den ganzen Abend durch. Lediglich 2 mal zückte ich mein Handy um eine tolle Momentaufnahme zu machen, den Rest wollte ich einfach genießen. Einmal bei Everything Counts, wo Dave dann auf einmal neben mir stand und dann bei dem traumhaft schönen Somebody, als die Tribünen von den Smartphone LEDs zum Leuchten und Glitzern gebracht worden sind. Auf der Leinwand sah das aus, wie ein wunderschöner Sternenhimmel.
Ich war von allen Liedern durchweg begeistert. Sowohl die Neuen, als auch die Alten haben mir immer ein Lächeln ins verbrannte Gesicht gezaubert :) und bereits bei den ersten Tönen des nächsten Stücks hatte ich Gänsehaut vor Vorfreude auf das folgende Lied. Die Band, speziell Dave, war in super Stimmung und auch die Fans (so hab ich es von meinem Platz aus wahrgenommen) waren die Meiste Zeit auch sehr gut dabei. Aber ich war wie gesagt in meiner Welt und hatte deswegen einen sehr beschränkten Wahrnehmungskreis.
Wenn man mich fragen würde, was mein Favorit des Abends war, müsste ich lügen. Ich hab keinen. Zum Einen verschmolz alles zu einer wundervollen Symphonie, denn die Setlist funktionierte super, und zum Anderen mochte ich tatsächlich alles!
Man muss dazu wissen, dass ich zu diesen Leuten gehöre, die tatsächlich alle Werke von Depeche Mode sehr zu schätzen wissen. Egal ob neu oder alt. Was vllt. auch daran liegen mag, dass ich jung bin und keine Jugenderinnerungen an bestimmte Songs oder Alben habe, wobei ich Depeche Mode mittlerweile auch 10 Jahre lang meine absolute Treue zusichere.
Überrascht war ich von Heroes. Ich bin kein Bowie-Fan und mich berühren seine Songs nicht so wie die von DM. Aber Heroes war wirklich schön. Das hat mich tatsächlich berührt. Die schwarze, ausgefranzte Fahne im Hintergrund wehend und dazu Daves Hingabe zu diesem Lied, haben perfekt rübergebracht, was die Musik für ihn ist und welch schmerzlicher Verlust Bowies Tod für ihn ist. Ich kann sogar verstehen, wenn man bei dem Lied weint.

Das Ende

Leider war das Konzert dann viel zu schnell vorbei. Die Band war von der Bühne herunter gegangen und man stand noch 5 Minuten da und konnte nicht fassen was gerade passiert ist. Also so wie immer eigentlich. Als die Lichter dann wieder angegangen sind kam dann der harte Sog der Realität. Auf dem Rückweg stellten sich dann die üblichen Beschwerden ein. Dehydrierung, Glieder und Gelenkschmerzen, heisere Stimme und der Sonnenbrand brannte tatsächlich. (An dieser Stelle Lob an die Ordner in der ersten Reihe, die Wasser vor der Zugabe und nach dem Konzert ausschenkten. Ich hätte es sonst nicht zurück geschafft.)
Doch all das hat sich gelohnt! Depeche Mode am 11.06.2017 in Hannover. Es war ein grandioser Abend und ich bereue nichts.
Jetzt freu ich mich auf den 22.06, wenn es heißt: Good Evening Berlin! (wo ich dann meine Freundin auf ihr erstes Depeche Mode Konzert entführe)
Ich wünsche allen viel Spaß die auch heute noch beim 2ten Gig in Hannover dabei sind!

Tank you very much! We see you next time! Thank you!

 

 

Von Tom Ace
Wohnort: Kiel, Schleswig-Holstein

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4
Kommentare

  1. Tyranny242
    14.6.2017 - 12:26 Uhr
    2

    Begeisterung pur ;-)

    Solche Berichte wie deinen find ich geil, wo auch das ganze Drumherum mitbeschrieben wird … auch wenn es dann etwas länger wird … aber es ist ja auch ein Bericht vom Konzert und nicht nur ein kurzes Statement.
    Na dann hat sich deine extreme Warterei ja gelohnt. Am Montag war alles easy und relaxt … Aber da schreib ich dann noch nen Bericht dazu ;-)
    Wir sehen uns in Berlin!

    • Tom Acw
      14.6.2017 - 16:26 Uhr
      2.1

      Dankeschön! :)
      Sehe ich genauso wie du. Es ist ein Bericht und das Drumherum ist nun einmal Teil dieses Konzertes und gehört erzählt.
      Ich werde deinen Bericht dann auf jeden Fall lesen ;)
      Bis in Berlin, alles Gute! See you

  2. Select The Mode
    13.6.2017 - 19:49 Uhr
    1

    Hi :) Schöner Bericht, du hattest geschrieben, dass du in Berlin bist…ich auch :) Ich war aber auch in Hannover am 11.06. da…war geil! Standen auch nahe Catwalk, aber da standen schon die VIP Leute direkt dran, so dass ich nicht ran kam. Naja…wo bist du in Berlin, FOS 1 oder FOS 2 oder Stehplatz? Ich bin FOS 2…

    Liebe Grüße

    • Tom Ace
      14.6.2017 - 9:35 Uhr
      1.1

      Hi! :)
      Schön, dass dir der Bericht gefallen hat!
      Ja, ich hatte einfach super Schwein so schnell an den Catwalk gekommen zu sein. VIP hin oder her. Mit genug Glück kommt man auch ran.
      In Berlin haben ich und meine Freundin FoS 1 ergattert.
      Liebe Grüße!

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