Depeche Mode-Konzert am 24.10.2020 in Köln, RheinEnergieStadion

Going Backwards und Everything Counts – Der Soundtrack unterschiedlicher Generationen in Köln

Nun war es endlich soweit, der 05. Juni 2017. Die Aufregung hat einen schon Tage, ja wenn nicht Wochen vorher gepackt und nun ging es endlich los. Um 15 Uhr haben wir uns in Richtung Stadion begeben und sind um 16 Uhr dort eingetroffen.

Der Weg vom Parkplatz letztendlich zu den Eingangstoren schien unendlich weit, denn es war anders als sonst. Viele bewaffnete Polizisten und jede Menge Security-Leute ebnen den Weg über die Jahnwiesen in die lange Schlange vor dem Ost-Bereich. Ein Bild, dass 2017 nicht mehr fremd ist und doch ist es ungewohnt, in einer solchen Umgebung zu einem Konzert von Depeche Mode zu gehen. Ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass ich vorher ein etwas mulmiges Gefühl hatte nach den ganzen schrecklichen Nachrichten aus London und Manchester. Und trotzdem wäre es für mich nie eine Option, ein Konzert meiner Jungs deswegen zu verpassen. Aber genug zu diesem Thema.

Wir standen in der Schlange ca. 45 Minuten sodass wir gegen 17:20 schließlich im Stadion waren. Im FOS-Bereich angekommen wurde mir sofort wieder bewusst, was ein schönes Stadion die Kölner doch haben und dass es hier eigentlich gar kein schlechtes Konzert geben kann :). Also nun hieß es warten… warten… warten, bis schließlich mehr als eine Stunde vor Konzertbeginn „The Horrors“ auf die Bühne kamen und eine akzeptable Show ablieferten (es gab schon schlimmere Vorbands).

Und dann war es endlich soweit!!! Gegen 20:45 betraten unsere Jungs unter tosendem Applaus die Bühne. Dave kam als letzter und ging cool gekleidet mit Sonnenbrille und rotem Jackett auf den Steg zwischen den beiden LED-Leinwänden. Die ersten Gitarrengriffe von Martin brachten die Menge nun völlig zum Ausrasten. Going Backwards, der erste Titel des heutigen Abends und es ist einer ihrer Besten. Dieser Song trifft sowohl textlich die momentane politische Situation und kombiniert im Sound Depeche Mode aus ihren Anfängen und der Moderne. Ein Song, der für die jetzige Fangeneration der 20-30 Jährigen (mich eingeschlossen) genau so eine Bedeutung haben kann wie damals zum Beispiel Everything Counts für Fans der ersten Stunde. Für mich also absolut der stärkste DM-Track des Neuen Jahrtausends und so frenetisch wird dieser auch von den anderen Fans gefeiert. „We feel nothing Inside“ passt vielleicht auf viele Gesellschaftsschichten in unserer heutigen Welt jedoch nicht auf uns Fans an diesem Abend. Dort passt wohl eher die Songzeile „There is so much love in me“ wie es im zweiten Song des Abends heißt. So Much Love, der nächste gute Track aus Spirit. Weiter geht es mit Barrel of a Gun, A Pain that Im Used to und Corrupt. DM bauen hier im Set geschickt einen Spannungsbogen auf, der sich stimmungstechnisch komplett in den beiden 90er Hits In your Room und World in my Eyes entlädt. Ein wahrlich magischen Moment bietet der Song Cover Me (ebenfalls von Spirit), der das Stadion andächtig zuhören lässt und man Dave als Astronaut auf der Reise in das Weltall förmlich begleiten kann. Gänsehautfeeling pur! Nach diesem Track verdiente sich Dave seine erste Pause und Martin gab A Question of Lust und Home zum Besten, zwei absolut etablierte Songs in seinem Repertoire, die jedoch immer wieder überzeugen können. Vor allem Home glänzt voll instrumentalisiert und die Menge kann nach dem Song gar nicht erst aufhören den Song mit „oooooohoooooh ooooooohooooohooh“ ausklingen zu lassen. Ein immer wieder schöner Moment auch Martin seine Anerkennung und Aufmerksamkeit zu überbringen, die er verdient. Das Set geht weiter mit Poison Heart (kommt live viel viel besser als auf der Platte) und Where´s the Revolution“. Gerade Where´s the Revolution hat das Zeug zu einer weiteren festen Stadionhymne von DM zu werden, so wie Dave und die Menge gegenseitig nach der ausstehenden Revolution fragen. Es folgt Wrong, dass perfekt als Fortsetzung zu Revolution passt und ebenfalls von der Menge super angenommen wird. Und was folgt nun? Richtig, ein Song der 1983 aufgenommen wurde, also vor 34 Jahren aber überhaupt nicht mehr nach dieser Zeit klingt. Everything Counts klingt in Köln nicht mehr nach 80er, sondern nach dem Jahr 2017. Und das ist in meinen Augen das phänomenale an dieser Band, dass sie es immer wieder schaffen diese Ur-alt Hits als Hymnen der Neuzeit darzubieten. Ein Song für jung und alt. Dave lässt die Menge am Ende den Refrain gefühlte 10 Minuten singen und die Fans kriegen einfach nicht genug. Es folgen Enjoy the Silence und Never let me down Again und ja, was soll man dazu noch sagen, WAHNSINN. Was eine Stimmung. Das Publikum nimmt Dave gesanglich fast alle Parts ab und am Ende schwenken 80.000 Arme durch das RheinEnergieStadion. Selbst für diese 2 Minuten hätte sich das Eintrittsgeld schon gelohnt. Die Jungs verschwinden kurz und Martin gibt Somebody als ersten Song der Zugabe zum Besten. Immer wieder schön, zumal das ganze Stadion mit Handylichtern erstrahlte. Es folgt Walking in My Shoes zudem es eigentlich auch außer Party, Party und nochmal Party nichts weiter zu sagen gibt. Lediglich die Videoprojektion irritierte mich etwas, da ich sie doch etwas unpassend fand. Ein weiteres Highlight, Heroes von David Bowie. Die Fans halten Schilder für die Jungs in der Hand mit „Heroes ever and ever“ . Man merkt förmlich, wie Dave in diesem Song um sein Leben singt, um seinem großen Idol eine würdige Hommage zu bieten. Am Ende gibt es noch einen Kuss gen Himmel. Dave, David Bowie wäre stolz auf dich!! Das Konzert endet mit den zwei Gassenhauern I Feel you und Personal Jesus und die Menge feiert den Abschluss eines absolut grandiosen Abends.
Am Ende verabschiedet Dave sich mit dem obligatorischen „We see you next time“ und er kann sich sicher sein, wenn DM weiter solche Shows abliefern, dass wir sie nicht nur das nächste Mal sehen, sondern auch noch in 10 oder 20 Jahren. In diesem Sinne viel Spaß an alle in Dresden am Mittwoch :)

Von Andi
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