Depeche Mode-Konzert am 24.10.2020 in Leipzig, Festwiese

Holpriger Start eines dann großartigen Konzerts

Hier ein ergänzender Kurzbericht von Fans von der Ostsee (Barth): Die Anreise nach Leipzig erfolgte unproblematisch. Ein Freund war mit seiner (größeren) Tochter dabei. Zuerst haben wir ein wenig Leipzig besichtigt, dieses war herausgeputzt bei strahlend schönem Wetter, und sind dann zur Festwiese.

Wegen des Kindes hatten wir uns eher nach hinten orientiert, damit das Gedränge nicht zu eng wurde. Das erste Mal für mich so weit hinten. Bei dieser Entscheidung halfen uns die riesigen Videotürme und die gewaltigen, gestaffelten Lautsprecherbatterien. Auch war es die einzige Möglichkeit für das Kind, im Vorfeld des Konzertes noch etwas Schatten zu erhaschen. Das Wetter war richtig „hitzig“, strahlend blauer Himmel ohne eine Wolke.

Der Auftritt der Vorband F.O.X war sehr gut, ausgewogener Sound, kurzweilig, gutes Feedback vom Publikum. Die im Vorfeld entstandenen Erwartungen haben sie übertroffen. Live sind sie klasse. Die großen Videowände funktionierten während des gesamten Gigs perfekt.

Die zweiter Vorband hingegen „The Horror“ war jedoch nicht unser Geschmack. Die Beschreibung „anstrengend“ trifft es. Laut, aber unausgewogener und dabei matt wirkender Sound. Der Sänger wirkte zudem etwas lethargisch. Feedback der Gäste war nicht wahrnehmbar. Übrigens: Die großen Videowände funktionierten auch während dieses Gigs absolut problemlos.

Dann kam der Start des Konzertes unserer Lieblingsband. Für uns hinten war es leider etwas „holprig“. Sowohl beim Intro als auch bei „Going Backwards“ blieben die riesigen Videowände sowohl neben der Bühne als auch bei den gigantischen Videotürmen komplett aus. So etwas, was auf kleineren Konzerten (z.B. Waldbühne) völlig nebensächlich gewesen wäre, hatte hier auf die Masse der Konzertbesucher erlebbar leider eine ganz andere Wirkung. Der Effekt war, dass man eher das Gefühl hatte, mal eben Musik vom Band zu hören oder aber von außerhalb des Zaunes zuzuhören. Konzertfeeling kam dadurch absolut nicht auf. Lediglich aus den FOS-Bereichen und unwesentlich dahinter waren Jubelrufe zu vernehmen. Von ganz hinten nach vorne bis hin ca. zum Mischpult wurde der Konzertanfang von den Fans ansonsten eher völlig ruhig abwartend zur Kenntnis genommen. Gut jeder zweite Gast in Hörweite forderte den Betrieb der Videoleinwände ein bzw. monierte das Fehlen der Videos. Schade, dass die Videotechnik es so vermasselt hat oder jemand bewusst entschieden hat, die Jungs nicht schon von Anfang an der Masse der Konzertbesucher zu zeigen. Klanglich war der Start super, unsere Jungs hätten daher weitaus mehr Emotionen und Feedback gleich zu Beginn verdient. Sonst sind die Stadien sofort explodiert, sobald der erste die Bühne betrat. Denke, mit Video von Anfang an wäre auch die Festwiese schon bei Beginn des Auftritts von Null auf Hundert gegangen. Lehre für mich daraus: nächstes Mal wieder ganz vorne, da stört so etwas nicht.

Ab „So Much Love“ liefen dann die Wände und das Livefeeling stellte sich dann Quasi sofort ein. Der Sound war gigantisch gut. So laut und dabei differenziert, klar, perfekt gemischt, sehr gute Hörbühne. Die Videowände flackerten zwar immer mal, gingen aus, gleich wieder an, hielten aber im Großen und Ganzen gut durch. Gute Aufnahmen. Tanzen, mitsingen, Spaß haben. Alles dabei. Das Konzert selbst empfanden wir als extrem kurzweilig. Zum Ende völlig erstaunt, dass es etwas mehr als zwei Stunden waren, fühlte sich nicht so an. Die Songauswahl war perfekt. Mit fortschreitendem Konzert schien Dave immer präsenter zu werden. Den Spaß am Konzert hat man ihm zunehmend mehr angemerkt. Die Sounds unterstützen ihn hierbei perfekt, die Musik schien „rauer“, kraftvoller als je zuvor. Das Konzert wurde mit fortschreitendem Abend immer besser. Furioses Ende. Und eine minutenlange Verabschiedung der Band, den Jungs war anzusehen, dass sie diesen Abend mit uns zusammen richtig viel Spaß hatten. Und „Danke!“ für Gänsehaut bei „Somebody“.

Randnotizen:
Interessant waren Aufnahmen von der Bühne in den FOS-Bereich hinein: Ein Wald von Armen, bewaffnet mit mitfilmenden Handys. Manche Dahinterstehende könnten sich unter Umständen an den hellen Handydisplays mehr „erfreut“ haben, als an einer guten Sicht auf die Bühne.

Was leider negativ auffiel, waren die ständigen „Bierholer“. Dabei sind manche Gäste mehrfach aus der Masse hin zum Getränkestand gedrängelt, um sich dann mit vollen Bechern zurück zu „ihrem“ Platz zu drängeln. Gut 15 Minuten später drängelten sich dieselben Typen wieder heraus auf ein neues Bier. Sie wurden zunehmend rücksichtsloser und scheuten auch nicht davor zurück, ein 13-jähriges Kind durch rücksichtslose Drängelei aus dem Weg zu schubsen. Und gingen feige weiter, als sie auf ihr skrupelloses Verhalten hingewiesen wurden. Leider keine „Lichtmomente“, diese trunkenen Schubser, dafür aber zum Glück zu wenige, als dass sie hätten das geniale Konzert nachhaltig stören können. Schon die nächste Songzeile hat diese Störer vergessen lassen.

Der Rückweg von der Festwiese zum Hauptbahnhof war speziell im positiven Sinne. Massen in den vielen Straßenbahnen. Sardinenfeeling. Beeindruckend war der Zustieg einer Masse Fans (der wir angehörten) in eine quasi schon volle Straßenbahn. Erstaunlich, wie viele doch noch herein passten. Völlig genial, keine bösen Worte, alle waren nett und rücksichtsvoll. Dabei alles freundlich und hilfsbereit.

Danke an alle für dieses tolle Konzert!

Von Öhle
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1
Kommentar

  1. Crescentia
    29.5.2017 - 9:53 Uhr
    1

    Handys

    „Interessant waren Aufnahmen von der Bühne in den FOS-Bereich hinein: Ein Wald von Armen, bewaffnet mit mitfilmenden Handys. Manche Dahinterstehende könnten sich unter Umständen an den hellen Handydisplays mehr „erfreut“ haben, als an einer guten Sicht auf die Bühne.“

    Ich stand im hinteren FOS1-Bereich links und hab eher das Gegenteil wahrgenommen: Aus meiner Sicht waren es weniger Handys als bei der letzten Tour in DD. Und die Bühne war sehr hoch, das passte schon.

    Das Konzert war genial. Ich hatte aber das Gefühl, dass es lange dauerte, bis der Funke übersprang. Es war anfangs wohl noch zu hell…
    Dennoch kommt für mich einfach nichts an die Waldbühne ran. Aber dort wird es wohl nie wieder depeche-Konzerte geben.

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