Martin Gore - The Third Chimpanzee E.P.
Martin Gore
The Third Chimpanzee E.P.

Home / Tour 2013 / 07.06.2013 - Bern / Dave ist ein Alien!

Dave ist ein Alien!

39’000 Fans sollen angeblich da gewesen sein in Bern (behauptet zumindest die Aargauer Zeitung). Und es sah auch rappelvoll aus. Doch vor dem ersten gespielten Ton der heiligen Dreifaltigkeit Gahan/Gore/Fletch droht ein düsterer Schatten die langsam aufkeimende Vorfreude abzuwürgen. Schliesslich werden die Jungs heute Abend ganze sieben Lieder von ihrem unrühmlichen, aktuellen Album spielen (all jene, die nun laut aufschreien und schimpfen, „Delta Machine“ sei ein Meisterwerk, belügen sich selbst. Tatsache).

Und so nimmt die erste Schweizer Show ihren Lauf (im Juli kommen sie noch mal). Toll ist die Spielfreude. Und Dave’s unbändige Energie. Ausserdem ist es schön, dass sich DM endlich vor der Tour wieder mal hingesetzt haben, um ein paar andere Versionen ihrer Songs zu programmieren. Dabei klauen sie frischfröhlich bei ihren Remixern, isolieren die knackigsten Elemente und bauen das Ganze neu zusammen. Im Fall von «Halo», der Maxiversion von «Just can’t get enough» und «I Feel you» ist das Ergebnis schlicht und einfach grossartig. Auch die neuen Varianten von «Walking in my shoes» und «Home» (beide mit anderem Anfang) sind grandios.

Visuell hält Stammdesigner Corbijn erneut die Zügel in der Hand. Doch dem talentierten Mann aus den Niederlanden scheinen – bisweilen – die Ideen auszugehen. Zwar lassen manche der neuen Filme und Kamera-Gimicks Devotional-Genialität aufblitzen (optisch und musikalisch die beste DM-Tour aller Zeiten): Das Hütchen-Spiel ist witzig und die Feuerschwinger sind spektakulär. Doch Sachen wie die Hundeparade sind einfach nur doof.

Die Person, die am Ende wie üblich die Mélange aus Sound und Optik ins Lot bringt, ist Herr Gahan: the world’s sexiest showman. Wie er – wohlgemerkt mit 51 – wirbelt, tanzt und singt: das ist eigentlich unmöglich. Dave muss ein Alien sein ;-) Seine Hommagen an Elvis, der Kreisel, das Po-Wakeln – alles ist Sexyness pur. Und dazu stahlt unser Personal Jesus mit der Abendsonne um die Wette. Ihn so gutgelaunt zu sehen, tut gut.

Somit zum Fazit: Dank vieler originell arrangierter Oldies wars eine runde Sache. Hätten die Drei jetzt noch die 7 neuen Käselieder weggelassen, wäre es wohl das Konzert des Jahres gewesen. Man sieht sich im Juli in Locarno wieder…