Martin Gore - The Third Chimpanzee E.P.
Martin Gore
The Third Chimpanzee E.P.

Home / Tour 2013 / 03.07.2013 - Düsseldorf / DM top, Sound u Publikum suboptimal

DM top, Sound u Publikum suboptimal

Ich hatte den Tour-Auftakt in Nizza miterleben dürfen und vergleiche den Mi in Düsseldorf unwillkürlich mit Nizza.
Nach Nizza war ich 2 Wochen geflasht und emotionalisiert. Nach dem Konzert von Mittwoch blieb das aus und ich war unsicher, woran es lag.
Nun denke ich, dass am Mittwoch einige Dinge nicht passten:
Die mickrige Anlage kann die KölnArena beschallen, aber kein Fußballstadion. Der Sound war schlecht und viel zu leise. Ich stand im FOS1-Bereich etwa 3 m vor dem Ende des Stegs. Dort sollte man die geballte Ladung abbekommen. Das war leider nicht so. In Nizza bebte bereits beim ersten Lied der Brustkorb und der Hallenboden, bevor Dave ein Wort gesungen hatte. Die geilen Sounds der ersten beiden Songs durchbohrten förmlich den Körper. In Düsseldorf hörte ich noch das Gequatsche der Leute hinter mir.
Die technischen Probleme bei den ersten vier Songs mit Tonausfällen, das immer häufiger ausfallende LED-Panel rechts oben hinter der Bühne sind dabei einigermaßen zu verkraften, sollten aber bei durchschnittlich 82 € pro Ticket nicht vorkommen.
Das Publikum war sehr heterogen, d.h. echte Hardcore-Fans durchmischt mit Mainstream-Fans ohne den entsprechenden Fanatismus. Auch hier der Vergleich zu Nizza: vielleicht haben sich in Nizza nur Hardcore-Fans eingefunden, die IHRE Band feiern wollten. Je länger wir in Nizza waren, desto größer wurde unsere Gruppe. Gemeinsam gingen wir zur Halle, kannten uns z.T. nur wenige Stunden und feierten die Band of the universe ab. Franzosen, Russen, Briten, Deutsche u.a. wild gemischt. Es funktionierte super. Eine Gänsehaut jagte die nächste …
Am Mi in Düsseldorf hoffte ich auf sehr viele Hardcore-Fans im FOS1-Bereich, die es auch in kleinen Inseln gab. Ansonsten gab es sehr viel Mainstream-Fans, die teilweise Gesichter zogen, als wären sie zu einem weiteren beruflichen Pflichttermin verdonnert worden. Echter Enthusiasmus war eher weniger zu sehen. Ich hatte bei vielen Pärchen den Eindruck, dass einer von beiden „echter“ Fan ist und der andere mitgenommen worden ist. Einige / viele(?) kannten nicht die Songs und schon gar nicht die Texte. Dann springt der Funke sicherlich auch nicht über … Als Dave das erste Mal dem Publikum das Mikro hinhielt, war es offensichtlich überfordert. Und Dave etwas hilflos und überrascht.
Noch schlimmer finde ich das unersättliche Bedürfnis viel zu vieler Konzertbesucher fast jeden Song zumindest ein bis zwei Minuten zu filmen. Und das auch noch mit Smartphone-Kameras. Andauernd schaut man in eine Vielzahl hell leuchtender Displays, die nur schlecht belichtete Filmsequenzen erzeugen, die eigentlich niemand braucht. Das Bedürfnis, diesen digitalen Mist irgendwo im Internet zu posten, ist so groß, dass einige das Konzert nur durch die Display ihrer Smartphones wahrnehmen. Unser Körper hat genug Sinne, um ein solches Konzert wahrzunehmen und man hat außerdem die große Chance auch Erlebnisse, Stimmungen und Erinnerungen für die Ewigkeit zu konservieren (allerdings im Gehirn mit garantiert größerer Erlebnistiefe). Auch dieses Phänomen, alles digital festhalten zu wollen, führt dazu, dass die entsprechenden Personen eher mit ihren elektronischen Geräten beschäftigt sind als das Konzert in sich aufzunehmen. Das „digitale Ich“ auf Facebook und Co. scheint bei vielen wichtiger zu sein als das wahrhaftig erlebende „analoge Ich“. Schade, denn inzwischen ist das zu einem echten Störfaktor geworden.
Depeche Mode hat zumindest für mich alles richtig gemacht. Das neue Album ist das beste seit Jahren und die „Jungs“ präsentieren ihre Show mit Spielfreude und Begeisterung. Als Fan der ersten Stunde vermisse ich immer den einen oder anderen Song, aber nach 33 Jahren können selbst Depeche Mode nicht alle Klassiker spielen und damit kann ich auch gut leben.
DM waren auf der Bühne genauso stark wie in Nizza, aber das Soundsystem und große Teile des Publikum waren eher etwas „schwach auf der Brust“. Schade, dass sich dieser fade Nachgeschmack so hält.