Depeche Mode-Konzert am 23.09.2020 in Stuttgart, Mercedes Benz Arena

Etwas unterkühlt, das Schwabeländle

IMG_3819Im Rahmen der Delta-Machine-Tour verschlug es mich nun zum 1. Mal im Leben nach Stuttgart. Nach dem Einchecken im Hotel, bei dem passenderweise “Enjoy The Silence” in der 2004er Version lief, nutzte ich die freie Zeit, um mich auf dem Zimmer noch etwas frisch zu machen und ein bisschen auszuruhen. Durch die lauschigen Sommer-Tour-Temperaturen habe ich mir nämlich eine ausgewachsene Erkältung geholt inklusive extatischer Niesanfälle.

Auch in Stuttgart hattd der Sommer noch nicht Einzug gehalten. Es hatte kuschlige 11°C und es nieselte. Aber es hätte auch schlimmer kommen können. Schließlich kämpfen weite Teile Deutschlands gerade gegen das Hochwasser.

Da ich mich erst 19 Uhr auf dem Weg zur Arena machte, verpasste ich beinahe Trentemøller. Die standen tatsächlich schon auf der Bühne, als ich ankam. Ok, auf dem Ticket war 19:30 Uhr als Beginn vermerkt. Aber das nimmt doch eigentlich keiner ernst, oder?

Nun gut, die Vorband verschwand und gegen 20:10 Uhr konnte ich beobachten, wie sich Depeche Mode der Bühne näherten. Herr Gahan wie gewohnt mit Schal (war ja auch frostig), Glanzjäckchen und Highheels. Dann setzte das Intro ein und bis auf die ersten paar Reihen tat sich nicht viel im Publikum. Generell war die Arena erstaunlich leer, schwer zu glauben, dass die Show ausverkauft gewesen sein soll.

“Welcome To My World” und “Angel” wurden zwar wohlwollend aufgenommen, aber echte Begeisterung wollte nicht aufkommen. Auch bei “Walking In My Shoes” blieb das Publikum verhalten. Erst bei “Black Celebration” kam Bewegung in die Massen. Waren die Leute erstmal warm geworden, lief das auch. Bis zum Martin-Part. Da setzten sich viele wieder hin oder gingen Bier holen. Mir tut das ja immer ein bisschen leid. Ich finde, das hat er nicht verdient. Dieser Mann hat schließlich einige der grandiosesten Hymnen der Musikgeschichte geschrieben!

Die Mitsingerei klappte in Stuttgart sehr viel besser. Die Band hatte offenbar aus München gelernt und war nun äußerst präzise in ihren Vorgaben, was das Singen und Klatschen betraf. Depeche Mode goes Waldorf-Schule! Es wurde vorher demonstriert, was man denn erwartete und das Publikum leistete begeistert Folge. Allerdings hatte keiner mit der Singfreude der Stuttgarter gerechnet. Hatten die nämlich einmal angefangen zu singen, hörten sie nicht mehr auf. Die Band musste die Meute zweimal abwürgen. Bei “Just Can’t Get Enough” waren die Leute so im Singrausch, dass Dave die Situation mit “Alrighty then” kommentierte und zum nächsten Song überging. Auf “Thank you” reagierte man nämlich nur, indem man lauter sang.

Dave hatte das Publikum später generell sehr gut im Griff. Was auch immer er vormachte, die Masse tat es ihm gleich und bejubelte ihn wie einen Helden. Es schien ihm auch sichtlich Spaß zu machen. Alles in allem war es ein gelungenes Konzert, auch wenn das Stuttgarter Publikum ein wenig gebraucht hat, um warm zu werden.

Von Jessica Gernandt
Wohnort: München

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Kommentare

  1. Steuerberater
    6.6.2013 - 7:19 Uhr
    12

    Tut mir leid, dass ich den Witz mit den High Heels nicht kapiert habe. Es war aber auch nicht zu erkennen, dass es sich bei dem Konzertbericht tatsächlich um einen satirischen Rückblick gehandelt hat. Ich habe genau in den Text hineingesehen, auch zwischen den Zeilen. Es war nichts zu sehen.

    Wenn es Boots waren, dann sollte man dies auch so schreiben. Wie war das? Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten? Ja, so in etwa…

    Bitte stellt doch nicht die Frager als Deppen dar, nur weil der Text offensichtlich die in ihm enthaltene Ironie nicht für alle erkenntlich zum Ausdruck bringt.

    Ich würde mich gerne auf Geschriebenes verlassen können. Worauf denn sonst?

  2. Carina
    6.6.2013 - 6:54 Uhr
    11

    … gerne doch, Jessica!
    Laß‘ Dich nicht abhalten, keep posting!
    Ich höre DM jetzt seit 1986. Seit 1990 gehe ich mit auf Tour. In der Zeit sind mir immer wieder Fans über den Weg gelaufen, die ganz allein im Besitz der „Wahrheit“ und ziemlich ignorant sind. Das fängt bei musikalischen Fragen an und hört bei High-heels auf ;- ) … auch die permanenten Konzert-Verhaltensregeln hier im Forum … aber gut. Wären die Jungs von DM auch so, würden sie eine Platte wie „Delta Machine“ gar nicht veröffentlichen (können), die ganz wesentlich davon lebt, daß sich Martin/Dave/Ben Hillier usw. auch mit anderen musikalischen Einflüssen beschäftigen als nur Elektro-Beat. Dafür braucht man aber ein „open mind“ und vielleicht die relaxte California-Atmosphäre, in Klein-siehste-mich-nich hat man davon vielleicht nicht so eine Vorstellung … wie auch immer … ich freue mich nun auf Berlin, that is walking on hallowed ground :- ) …
    Ciao, C.

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