An den nächsten drei Abenden beehren The Cure die Berliner Wuhlheide. Was das mit The Twilight Sad zu tun hat? Nun, die Schotten sind nicht nur an allen Abenden als Support dabei – und die Konzertgänger sollten sie sich nicht entgehen lassen – nein, Robert Smith ist längst auch so etwas wie inoffizielles Bandmitglied. Auch darüber haben wir mit ihnen gesprochen.
April 2026. Gretchen Club. Berlin. Am Abend werden The Twilight Sad hier ein Konzert ihrer kleinen Frühlingstour zu ihrem wunderbaren neuen Album „It’s the Long Goodbye“ (hier könnt ihr unsere Review nachlesen) spielen. Es wird wie immer bei dieser Band ein intensives Erlebnis. Vorher nehmen sich Sänger James Graham und Gitarrist Andy MacFarlane Zeit für ein Gespräch. Über mentale Gesundheit, den Umgang mit Krankheit und Tod – Hauptthema des Albums ist, wie James über Jahre hinweg mit der Demenz und schließlich dem Abschied von seiner Mutter verarbeitet –, aber auch über The Cure und Robert Smith. Keine Sorge, es wird viel gelacht. Das sind schließlich Schotten.
depechemode.de: Letztes Mal hast du mir erzählt, dass ihr am Tag zuvor in Prag wart und dort Margaritas getrunken habt. Die Frage ist jetzt also: Was habt ihr in München getrunken?
James Graham: Ich habe nichts getrunken. Ich habe die ganze Tour über nichts getrunken.
Wegen der Stimme?
James: [nickt] Ich würde mich gerne mal richtig betrinken und so, aber dieser Teil von mir ist nicht so stark wie der Drang, dafür zu sorgen, dass die Gigs gut laufen, meine Stimme okay ist und ich gesund bleibe. Glaub mir, ich hätte liebend gerne mal eine Partynacht gehabt. Andy, was hast du gestern Abend getrunken? [lacht]
Andy MacFarlane: Gestern Abend war es das Bier aus dieser Bierhalle. Es war wirklich gut.
James: Ich passe ein bisschen mehr auf mich auf. Ich habe einfach gelernt, dass Alkohol mich austrocknet und meine Stimme zum Versagen bringt. Und wenn die Leute Geld bezahlen, um mich singen zu sehen, und ich Spaß am Singen haben will, dann ist das ein Teil meiner jüngeren Tage, der leider verschwinden muss.
Ja, selbst wir Laien wissen, dass wir in anderen Bereichen nicht gut abschneiden, wenn wir Alkohol trinken.
James: Ja, der Körper ist kostbar, Schlaf und Erholung sind wichtig. Bei dieser Platte habe ich mich stimmlich an meine Grenzen gebracht und singe mehr, anstatt zu schreien. Ich möchte in der Lage sein, mich so gut wie möglich zu präsentieren.
Eine große Frage bei diesem Album ist die Balance zwischen dem Sound und den Texten. Der Vorteil, wenn man Englisch nicht als Muttersprache hat, ist ja manchmal, dass man die Texte erstmal beiseite lassen kann.
James: Ja, denn wenn man hinhört, sind die Texte auf diesem Album besonders brutal und an manchen Stellen schwer zu ertragen. Während Andys Musik wunderschön, mitreißend und gewaltig ist, und ich finde, der Kontrast funktioniert wirklich gut. Aber ja, wenn man das einmal beiseitelässt – die Musik, die Texte, die Gesangsmelodien sind auch melodischer als je zuvor.
Das stimmt, es sind wohl einige der eingängigsten Songs, die du [Andy, Anm. d. Red.] je geschrieben hast.
Andy: Vielen Dank!
Und auf der anderen Seite sind es wohl mit die düstersten Texte.
Andy: Ja, das ist schon ein ziemlicher Kontrast. Das war der Plan. Wir wussten natürlich, dass das Thema ziemlich hart werden würde, also sollte die Musik einfach das andere Extrem davon sein, ziemlich positiv und einfach ein Kontrast, damit das Ganze zusammen funktioniert.
War diesmal also zuerst die Musik da, oder waren es die Texte?
Andy: Die Musik.
James: Die Texte hatte ich im Kopf, aber Andys Musik bringt alles in Gang.
Andy: Ich habe zu Hause ein paar Sachen geschrieben, sie auf den Computer gepackt, dann per E-Mail an James geschickt, und dann ging es weiter.
James: Es sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht die fertigen Texte, es ist einfach irgendwie … was auch immer mir einfällt … Ich meine, das haben die Beatles früher auch so gemacht. [lacht]
Andy: Dann habe ich es irgendwie arrangiert und die Songs aufgebaut. Die endgültigen Demos waren ziemlich nah dran an dem, wie das finale Album klingt.
James: Wir waren gut vorbereitet, bevor wir ins Studio gegangen sind, denn letztendlich kostet das Studio so viel Geld. Früher sind Bands da reingegangen und haben gesagt: „Lasst uns einfach mal experimentieren!“ Nicht mehr heutzutage.
Ihr habt im Battery Studio aufgenommen?
Andy: Ja, im Battery, das ist das Studio von Alan Mulder und Flood. Wir haben mit einem Typen namens Andy Savours aufgenommen, der auch jahrelang mit My Bloody Valentine zusammengearbeitet hat. Es war einfach eine unglaubliche Erfahrung hinter den Kulissen dieses Studios. Natürlich wegen Flood und Mulder, wegen Depeche Mode und so weiter. Wir hatten Zugang zu einigen dieser Synthesizer – wir haben zum Beispiel einen der Roland-Modular-Synthesizer benutzt, der auf „Violator“ zu hören war. Der ist im ganzen Song „Waiting For The Phone Call“ zu hören. Alex [Mackay] von Mogwai hat mit uns gespielt, und der ist so ein Genie an den Synthesizern.
James: Ja, die Toningenieure im Studio haben diesen Synthesizer einfach nicht zum Laufen gebracht.
Andy: Da sagten wir: „Wir haben doch jemanden für so etwas – Alex!“ [beide lachen] Aber man hört ihn [den Synth] im ganzen Song, es ist genial.
James: Und es gab auch diesen seltsamen Zufall mit der Sache mit The Cure, weißt du noch?
Andy: Oh ja! Battery hieß früher Morgan Studios. Wir ließen Robert Smith und Mike Hedges die Demos anhören, spielten Akustikversionen und so, und erzählten, dass wir dorthin für die Aufnahmen gehen – und das war zufällig genau der Ort, an dem sie auch die ersten drei Cure-Alben aufgenommen hatten. Mit Mike Hedges. Wir hatten keine Ahnung davon, sie haben es uns erzählt.
James: Das Universum geht mysteriöse Wege.
Wie ist es, jemanden – vielleicht habe ich das schon beim letzten Mal gefragt – wie Robert Smith zu haben, nicht nur als Mentor und Freund, sondern vielleicht sogar als halbes Bandmitglied?
Andy: Ja, es ist sehr surreal. Wir kennen ihn jetzt schon seit, ich weiß nicht, 14 Jahren oder so. Er ist einfach ein richtig guter Freund, jemand, auf den man sich verlassen kann.
James: Es liegt ihm wirklich am Herzen. Ihm ist es nicht egal, was wir machen, und es liegt ihm sogar noch mehr am Herzen als uns. Er glaubt einfach daran, und das sieht man an seinem Engagement, so wie er es auch bei anderen Bands macht, zum Beispiel bei Just Mustard [die in Berlin die zweite Vorband von The Cure sind – und die 2023 in Dublin auch schon Depeche Mode supportet haben], er hat ihnen eine echte Plattform geboten. Aber bei uns ist daraus auch eine Freundschaft geworden, und selbst abseits der Musik ist er für uns da. So wie damals, als wir die Südamerika-Tour absagen mussten – er war der Erste, der mir geschrieben und gesagt hat: „Lass die Musik mal beiseite.“ Der einfach mit mir als Freund oder Mensch gesprochen und gesagt hat: „Geh und werde wieder gesund.“ Das von ihm zu bekommen – denn ich war so traurig darüber, dass ich es nicht machen konnte. Ich wusste, dass ich nicht konnte, war aber traurig darüber, dass ich nicht konnte, und traurig darüber, ihn vielleicht im Stich zu lassen, nach allem, was er getan hat. Und er hat dafür gesorgt, dass ich mich nicht mehr so gefühlt habe, er hat mir geschrieben und war in diesem Moment ein wahrer Freund.
Andy: Ja, wir gehören jetzt wohl zur The-Cure-Familie.
James: Oh ja, wir sind Teil davon. Eine riesige Familie.
Es stand also außer Frage, dass ihr in diesem Sommer wieder mit ihnen auf Tour gehen werdet?
James: Ja, diesen Sommer. Ich meine, egal was – Robert hat uns gefragt, ob wir mit ihnen spielen wollen, und natürlich werden wir da niemals Nein sagen. Generell ist es einfach toll, Zeit mit ihnen zu verbringen, sie sind eine unserer Lieblingsbands. Sie jeden Abend live zu sehen!
Andy: Oh ja!
James: Und Teil dieses Erlebnisses zu sein – aus der Sicht eines Fans ist es einfach so: Natürlich wollen wir dabei sein! Aber ich glaube, mehr denn je haben wir das Gefühl, dass wir unsere Anwesenheit rechtfertigen können – mit dem, was wir bisher produziert haben, und wo wir in unserer Karriere stehen.
Andy: Ja, es funktioniert auf jeden Fall als so eine Art kompletter Abend, es ist wie ein Event oder so. Erst unsere Band, dann The Cure – das fließt einfach richtig gut ineinander.
James: Zu wissen, dass er das selbst gesagt hat – es ist nicht nur unsere Erfindung, denn es klingt ja so, als hätten wir uns das ausgedacht –, sondern dass er uns zusieht und uns zuhört, dabei richtig Lust auf seine Show bekommt und es ihn anspornt. Da denkt man sich: Was für ein Kompliment das ist! Ein größeres Kompliment kann man gar nicht bekommen.
Habt ihr ihm einige der Songs geschickt, oder wie lief das ab?
Andy: Ich habe sie ihm alle gegeben und einfach gesagt: „Nimm dir, was du willst“. Wir wollten, dass er Gitarre spielt, anstatt zu singen. Es fühlte sich so besser an.
James: Im Kontext damit, worum es auf dem Album geht, glaube ich. Das war ja meine Erfahrung. Was den Gesang angeht. Und obwohl es natürlich fantastisch wäre, eines Tages bei einem Song mit ihm zusammen zu singen, und vielleicht … ich meine, es sind schon seltsamere Dinge passiert [lacht]. Aber in diesem Zusammenhang hatte ich das Gefühl, dass er selbst einfach nur Teil der Musik sein sollte. Und ich denke, er hat das verstanden. Das, was er gemacht hat, war perfekt dafür.
Andy: Er hat einfach sein Ding gemacht. Er spielt Gitarre, „Back to Fourteen“ ist großartig geworden – es ist derselbe Sound, den er auch bei „Lullaby“ verwendet hat. Oder bei „Disintegration“, dieser glockige Sound. Und dann natürlich, bei „Waiting for the Phone Call“, wo er am Ende mit viel von dem „Evo“-Zeug reinkommt, das ist cool.
James: Die Sachen, die er gemacht hat, sind sozusagen das Tüpfelchen auf dem i, oder?
Andy: Ja, ich meine, auf der Platte passiert so viel, aber er hat es irgendwie geschafft, kleine Details zu finden, die er noch hinzufügen konnte. Und man denkt sich: Oh, das ist eigentlich…
James: Vor allem bei „Back to Fourteen“, stimmt’s? Als wir das gehört haben, dachte ich nur: Heilige Scheiße, ich wusste gar nicht, dass wir das gemacht haben! Aber er hat’s gemacht.
Ich habe gelesen, der erste und der letzten Song – „Get Away from It All“ und „TV People Still Throwing Things at People“ … auf die Songtitel komme ich später noch zu sprechen – waren der Anfang des Schreibprozesses?
James: Und „Attempt a Crash Landing“, ja.
Andy: Sie entstanden alle in derselben Schreibphase. „Get Away from It All“ – wir wussten sofort, dass das der erste Song war. Er hatte diese Art von Intro.
James: Und er enthielt alles, was ich über dieses Gefühl sagen wollte. Ich habe das so empfunden, und Andys Musik hat mich einfach umgehauen. Es war wie … Es ist einer der wichtigsten Songs, an denen ich je mitgewirkt habe. Musikalisch und textlich. Ich bin wirklich stolz darauf. Ich bin stolz auf das Ganze, aber das dort, als Ausgangspunkt …
Der erste Song zieht einen direkt ins Album hinein, mit einem Text, bei dem man sofort einen Kloß im Hals hat.
James: Ja, ich wollte, dass es ein Kloß im Hals ist, gleichzeitig aber auch ein Schlag in die Magengrube. Das ist ein wichtiger Song.
Also war es ganz klar, dass diese beiden Songs den Rahmen bilden.
Beide: Ja.
James: Das hat sich einfach immer so angefühlt.
Andy: Robert war ziemlich stark am Arrangement der Songs und der Reihenfolge beteiligt. Bei „TV People Still Throwing Things at People“ … Er war beim Arrangement involviert, daran, wie sich das Ganze aufbaut und so weiter, auch wenn er bei dem Song nicht mitspielt. Aber ja, das sollte auch schon immer der letzte Song sein.
James: Ich finde, sogar der letzte Text darin passt. Es ist in Ordnung, so zu empfinden. Es fasst sozusagen die Reise zusammen, die Fragen, über die das Album nachdenkt.
Es ist ein ziemlich positives Ende, finde ich. Wie beim letzten Song immer mehr Sounds hinzukommen und der Text zwar düster, aber positiv ist.
James: Es ist hoffnungsvoll. Es ist, als würde es die Hand ausstrecken und sagen … Es stellt eine Frage. Es legt die Antwort nicht fest. Es stellt einfach nur eine Frage. Ich fand, das ergab Sinn.
Ist das Schreiben von Texten oder Musik so etwas wie die beste Therapie, die man bekommen kann?
James: Für mich auf jeden Fall. Ich bekomme so freie Therapiesitzungen [lacht]. Ich habe das bei jedem Album gesagt, und es stimmt auch, aber noch nie war es so sehr wie bei diesem Album. Etwas, das einfach aus mir herauskommen musste – etwas, worüber ich noch nie mit anderen gesprochen habe. Es hat mir geholfen, viele der Dinge zu verarbeiten, die ich gefühlt habe, und diese Gefühle auch zu verstehen und Wege zu finden, damit umzugehen. Und ich habe zwar keine Antworten, aber ich habe die Fragen, wenn du verstehst, was ich meine. Dadurch wird ein Gespräch angestoßen, vor dem sich viele Menschen fürchten. Ich hatte auch Angst davor, aber für mich ist es eine absolut kathartische Sache. Und ich weiß, dass das vielleicht überbewertet wird – es klingt vielleicht ein bisschen wie ein Klischee, aber für mich ist es das nicht. Das war mir wichtig. Ich musste diesen Scheiß einfach aus mir rausbekommen.
Und wie ist es, diese Songs jeden Abend zu singen? Ich glaube, ihr spielt fast das ganze Album live.
Wenn ein großer, 41-jähriger, unglücklicher Schotte da stehen und das verdammt noch mal hinbekommen kann …
James Graham
James: Ja, wir haben alles davon geprobt. Wir werden vielleicht noch ein bisschen an dem einen oder anderen Song arbeiten und beim Soundcheck ein paar Sachen ausprobieren. Für mich gibt es ein paar Songs, die ziemlich knifflig sind, aber das hängt einfach vom jeweiligen Abend ab. Ich nehme einfach jeden Tag so, wie er kommt, jeden Auftritt so, wie er kommt. Und ja, es ist schwer, aber es sollte auch schwer sein. Ich will nicht, dass es zu einer roboterhaften Sache wird, die einfach nur passiert. Ich bin hier, um den Leuten zu zeigen, was Emotionen sind. Heutzutage laufen die Leute vor der Wahrheit und den Emotionen und all dem davon. Wenn ein großer, 41-jähriger, unglücklicher Schotte da stehen und das verdammt noch mal hinbekommen kann, dann bitte sehr. Vielleicht macht es das für jemand anderen leichter, das auch zu tun.
Vor allem heutzutage, wo die Menschen immer älter werden und die Lebenserwartung steigt, hat man mehr mit solchen Dingen zu tun, wie du es mit deiner Mutter erlebt hast.
James: Ja, es ist genau wie du gesagt hast: Jeder wird so etwas durchmachen. Das ist einfach meine Version davon – Andy hat ähnliche Dinge auch durchgemacht. Jeder wird das, jeder stirbt. Tut mir leid, das sagen zu müssen [lacht]. Irgendwann sind wir alle verdammt noch mal weg. Und es ist schon etwas, tatsächlich darüber zu reden und es sich wirklich bewusst zu machen. Ich glaube, das wiederum lässt einen besser leben, wenn man sich sagt: Das hier ist nicht für immer. Also, solange ich noch hier bin, warum sollte ich verdammt noch mal nicht darauf achten, nicht über das Ende nachzudenken, sondern über das Jetzt?!
Andy: Ich denke, eines der positiven Dinge, die sich daraus ergeben, ist, dass es die Zeit relativiert. Es ist so: Die Zeit ist begrenzt. Also musst du loslegen und tun, was du tun musst. Das gilt auch fürs Schreiben eines Albums. Wenn so etwas passiert, konzentrierst du dich viel stärker darauf, es rüberzubringen, es auf die Platte zu bringen. Und dann wird einem klar, dass man das tun muss, weil einem sonst die Zeit ausgeht.
James: Was das Album und all das angeht, wird uns wohl bewusst, was wir uns alles erhofft hatten – zum Beispiel die Botschaften und die Art, wie die Leute es annehmen. Wir hatten gehofft, dass das passiert. Wenn es nicht so gekommen wäre, wäre das auch in Ordnung, aber für Andy und mich ist es immer noch etwas sehr Wichtiges, das wir gemeinsam tun. Aber die Art und Weise, wie es eine Verbindung geschaffen hat, und wie die Leute mit der Geschichte eine Verbindung aufnehmen und sich in den Songs wiederfinden – ich meine, das ist das Mächtigste, was man tun kann. Es geht nicht nur darum, einen kleinen kitschigen Popsong zu schreiben und ins Radio zu kommen, sondern darum, eine echte Verbindung zu den Menschen, zu anderen Menschen, herzustellen. Wir haben alle diese Geräte, die uns eigentlich helfen sollen, mehr miteinander in Verbindung zu treten, aber sie treiben uns verdammt noch mal immer weiter voneinander weg. Das Einzige, was uns also bleibt, um mit den Menschen in Verbindung zu treten, ist das, was wir tun – was Andy und ich tun. Die Tatsache, dass es so ist, ist einfach überwältigend und macht gleichzeitig demütig.
Andy: Und gerade bei diesem Album merkt man, dass es alle Altersgruppen anspricht. Alle möglichen Menschen aus allen Lebensbereichen finden Zugang dazu, und man denkt sich: Oh, wow.
James: Wir haben gar nicht darüber nachgedacht, wir waren einfach mittendrin. Andy und ich waren von den Reaktionen der Leute total überwältigt.
Ja, eines der schönsten – wenn man das so sagen kann – Erlebnisse, die ich im Zusammenhang mit dem Tod eines Menschen hatte, war im Urlaub in Schottland. In einem Pub in Linlithgow.
James: Er [deutet auf Andy] ist mal in einem Pub in Linlithgow gestrandet.
Es ist das Pub an der Hauptstraße.
Andy: Genau das! Ich bin auf dem Heimweg im Zug eingeschlafen, und es fuhren keine Züge mehr, also bin ich in dieses Pub gegangen …
James: … Und die Frauen haben ihn umarmt, und der Barmann hat ihn umarmt … [beide lachen]
Da kam also eine Gruppe Leute herein, alle in Schwarz gekleidet. Es war klar, dass sie von der Beerdigung eines guten Freundes oder Familienmitglieds kamen.
James: Das muss die Totenwache gewesen sein.
Ja, die Totenwache. Und das war so liebenswert.
James: Geschichten werden ausgetauscht …
Genau, und sie haben den ganzen Abend gesungen. Sie haben uns sogar eingeladen, deutsche Lieder zu singen, was wir nicht konnten, weil wir ein bisschen überwältigt waren. Aber es war sehr lustig und bewegend.
James: Ja, wir hatten vor Kurzem auch eine Totenwache, und genau das haben Andy und ich dort erlebt: einfach Geschichten auszutauschen. Man erfährt mehr über diese Person, als man bereits wusste.
Andy: Man stellt fest, dass es genau die Person war, die man kannte und liebte.
James: Es ist wichtig, das zu tun. Es ist wirklich wichtig, das zu tun.
Eine andere Frage: Die Sounds, die du vor Beginn dieser Platte im Kopf hattest, Andy – wie klangen die für dich? Es ist ja viel gitarrenlastiger als das letzte Album, finde ich.
Andy: Es ging eher darum, alles, was wir auf den vorherigen Alben gemacht hatten, zu kombinieren und in dieses Album einfließen zu lassen. Aber ja, die Gitarren in den Vordergrund zu stellen, war wichtig, weil es einfach …
James: … kraftvoll sein sollte.
Andy: Ja. Das mache ich gerne so.
James: Und du bist gut darin. Das passt von Anfang an, der erste Song zeigt das schon. Sobald ich das Demo gehört habe, dachte ich mir: Yes!
Und wie kam es dazu, dass ihr alle anderen Bandmitglieder austauschen musstet? Das Leben?
James: Ja. Die Leute haben ein Leben außerhalb dieser Band. Ich habe auch ein Leben außerhalb dieser Band. Es gab eine Pandemie, Familien …
Andy: Ja, die haben alle Kinder und so.
Versuch mal, heutzutage als Band zu touren und eine Familie zu ernähren. Fucking hell!
James Graham
James: Sie waren schon lange in der Band. Wenn wir das hier nicht produziert hätten, weiß ich nicht, ob ich das noch schaffen könnte, um ehrlich zu sein. Und außerdem, wenn man es sich so ansieht, springt man ja nicht wirklich zurück in eine stabile Situation. Mit jemandem, der viele Probleme mit seiner mentalen Gesundheit durchgemacht hat. Und finanziell … Versuch mal, heutzutage als Band zu touren und eine Familie zu ernähren. Fucking hell! Das Leben dreht sich nicht nur um Rock’n’Roll und all diesen Scheiß. Diese Leute haben ein echtes Leben und echte Dinge zu tun, und ich respektiere sie für die Entscheidungen, die sie getroffen haben.
Andy: Ja, es geht einfach um Prioritäten.
James: Es wäre sehr egoistisch von uns zu sagen: „Oh, du solltest dein Leben dieser verdammten Sache widmen.“ Andy und ich schreiben jedes Album zusammen. Er produziert jedes Album. Es ist unser Ding. Und es ist so … Johnny [Docherty] hat jetzt seine eigene Metal-Band. Grant [Hutchison] hat eine Million Dinge zu erledigen, dazu noch eine junge Familie. Und wir reden alle immer noch miteinander. Es ist einfach die nächste Stufe in der Entwicklung dessen, was das hier ist. Aber ich bin ihnen so dankbar für die Zeit, die Mühe und die Liebe, die sie da reingesteckt haben. Und das werde ich immer sein. Ja, es fühlt sich an wie eine neue Band.
Wie habt ihr dann die Live-Band zusammengestellt?
James: Wir haben eine Anzeige geschaltet. [lacht]
Andy: Cat [Myers] kennen wir schon seit Jahren. Sie war in einer Band, die bei FatCat Records unter Vertrag stand. Wir haben gesehen, wie sie für Martin von Mogwai eingesprungen ist, als es ihm nicht gut ging. Sie hat mit KT Tunstall und Texas gespielt. Sie ist eine der besten Schlagzeugerinnen, die wir je gesehen haben. Wir haben also echt Glück, dass wir sie haben. Und Simone [Butler] war bei Primal Scream. Wir haben sie schon bei so vielen Auftritten spielen sehen.
James: Es war einfach Schicksal, dass alles so zusammengekommen ist. Wir sind irgendwie aufeinander zugedriftet. Das sind jetzt die ersten drei Gigs, die wir gespielt haben. Und es ist im Moment so ein tolles Gefühl. Es ist einfach so: Ich war noch nie in einem Raum, in dem vor dem Gig geprobt wird [beide lachen; während des Interviews im Backstage-Bereich proben die beiden Mitmusikerinnen nebenan gut hörbar]. Die letzten vier oder fünf Tage wären eine echte Herausforderung gewesen, wenn das hier nicht geklappt hätte.
Spielt ihr eure älteren Songs anders wegen der neuen Musiker?
Andy: Es ist dasselbe, aber anders. Viel Energie.
James: Die Leute tanzen bei unseren Auftritten. WTF? [lacht] Ich dachte mir: Wow, was ist das für eine Art von Bewegung? [lacht lauter]
„Das ist nicht mehr mein Shoegaze.“ [Gelächter] … Die Songtitel. Ich glaube, du denkst sie dir aus, Andy?
James: Manche ergeben Sinn.
Andy: Bei manchen, wenn der Text passt, ist es natürlich richtig gut. Aber Sachen wie „Chest Wound to the Chest“ oder „TV People Still Throwing Things at People“ … [James wirft sich weg vor Lachen] … Ich habe mir alte Protokolle von Rettungskräften angesehen. Und die benutzen diese ganz seltsame Sprache, nur um alles kurz und prägnant zu halten. Damit man genau weiß, welche Situation einen erwartet. Und ich dachte mir: Das sieht als Songtitel echt cool aus. Besonders rein visuell. Vor allem „Chest Wound to the Chest“. Das ist ziemlich lustig.
Und beim letzten Album sogar der deutsche Titel „Auge/Maschine“ …
Andy: Oh ja, stimmt! Da war so eine kurze Dokumentation, in der es nur um Augen ging. Und um Maschinen.
Ihr konkurriert bei Songtiteln mit Mogwai?
James: Nein, die sind zu lustig. Wenn man ein Mogwai-Album in die Hände bekommt, schaut man sich – noch bevor man die Musik hört – erst mal die Titel an.
Zum Schluss frage ich immer gern, was gerade so im Tourbus läuft. Welche Musik hört ihr gerade auf Tour, oder welche habt ihr vielleicht während der Aufnahmen gehört?
James: Bei diesem Album habe ich mich eher von Musik ferngehalten. Ich habe mir Interviews angehört, mich mit extremen Situationen beschäftigt, in denen Menschen – so wie ich selbst – waren, und habe einfach versucht, das zu verstehen. Und tatsächlich habe ich mir dann eher ältere Musik wieder angehört, die ich früher gehört habe. Ich höre immer Mogwai, weil das in meinem Kopf Ideen für Songtexte auslöst, da es Instrumentalmusik ist. Und während wir das hier aufgenommen und an diesem Album geschrieben haben, waren wir sehr in das letzte Cure-Album vertieft.
Andy: Oh ja, auf jeden Fall!
James: Wir haben es schon gesehen und gehört, bevor es veröffentlicht wurde. Wir haben gesehen, wie sie geübt haben, diese Songs zum ersten Mal gespielt haben, sie beim Soundcheck geprobt haben. Und das hat uns ziemlich in den Bann gezogen. Es war für mich eine große Inspiration zu sehen: Wow, Robert gibt sich da voll und ganz hin. Dann muss ich das auch tun. Denn er hatte auch mit viel Trauer und solchen Dingen zu kämpfen. Viele der Songs waren zu diesem Zeitpunkt bereits geschrieben. Aber als wir dann ins Studio gingen, um sie zu gestalten und aufzunehmen – und sahen, was er da in die Welt hinausbrachte, wie ehrlich und unverfälscht es war – da dachte ich: Ja, genau das, einfach diese Art von Dingen … Ich greife wieder auf viele Alben aus den frühen 2000er Jahren zurück, die ich mag, wie zum Beispiel „Turn on the Bright Lights“.
Ja, irgendwo auf dem Album gibt es einen Interpol-Moment. „The Ceiling Underground.“
James: Ja. Und das [„Turn on …“] ist eines meiner Lieblingsalben.
Andy: Bei mir ist es genauso. Wenn ich aufnehme oder Songs schreibe, muss ich einfach alles beiseite legen und nichts anderes hören. Aber danach ändere ich mich komplett, tauche in alles ein und fange an, mir alles anzuhören. Also einfach so viel wie möglich aufzusaugen. Aber ja, ich meine, wir waren so oft mit The Cure zusammen. Das hat uns natürlich ständig inspiriert.
Da war noch eine Band, nach der ich fragen wollte – bei „Inhospitable/Hospital“ steckt ein „Love Like Blood“-Moment drin, oder?
Andy: Die erste Version dieses Songs entstand, ich weiß nicht, 2012, 2013 oder so. Das ist schon eine Weile her, aber wir haben das Demo wiedergefunden und gedacht, das könnte auf diesem Album funktionieren. Es hat schon eine Art … Ich meine, ich liebe Killing Joke. Also ja, das hat es tatsächlich.
James: Das ist ein Kompliment, das nimmst du dir zu Herzen, ja? [beide lachen]
Vielen Dank für das Gespräch!
The Twilight Sad – It’s the Long Goodbye kaufen:
The Twilight Sad supporten The Cure vom 10.-12.07.2026 in der Berliner Parkbühne Wuhlheide.
Hallo, ich bin überglücklich! Meine Ehe ist gerettet, und mein Mann ist zurück, nachdem er mich und unsere beiden Kinder für eine andere Frau verlassen hatte. Nach acht Jahren Ehe hatten mein Mann und ich ständig Streit, bis er mich schließlich verließ und nach Kalifornien zog, um mit einer anderen zusammen zu sein. Ich dachte, mein Leben sei vorbei, und meine Kinder glaubten, ihren Vater nie wiederzusehen. Ich versuchte, für die Kinder stark zu sein, aber ich konnte den Schmerz in meinem Herzen nicht ertragen. Mein Herz war voller Traurigkeit und Schmerz, weil ich meinen Mann von ganzem Herzen liebte. Tag und Nacht dachte ich an ihn und wünschte mir, er käme zurück. Ich war völlig verzweifelt und brauchte Hilfe. Deshalb suchte ich online und fand eine Webseite, die Dr. Sunny empfahl, mir zu helfen, meinen Ex schnell zurückzugewinnen. Ich dachte, ich sollte es versuchen. Ich kontaktierte ihn, er erklärte mir, was ich tun sollte, und ich tat es. Dann sprach er einen Liebeszauber auf mich. Achtundzwanzig Stunden später rief mich mein Mann an und sagte mir, wie sehr er mich und die Kinder vermisst hatte. Wie unglaublich! Genau so kam er an diesem Tag zurück, voller Liebe und Freude, und entschuldigte sich für seinen Fehler und den Schmerz, den er mir und den Kindern zugefügt hatte. Von diesem Tag an wurde unsere Ehe dank Dr. Sunny noch stärker. Er ist so mächtig, dass ich beschlossen habe, meine Geschichte online zu teilen: Dr. Sunny ist ein wahrhaft mächtiger Zauberer, und ich werde immer dafür beten, dass er ein langes Leben hat, um seinen Kindern in schwierigen Zeiten beizustehen. Wenn Sie hier sind und Ihren Ex-Partner zurückgewinnen möchten oder Ihr Mann Sie für eine andere Frau verlassen hat, verzweifeln Sie nicht länger, kontaktieren Sie diesen mächtigen Zauberer jetzt. Hier sind seine Kontaktdaten: Schreiben Sie ihm eine E-Mail an drsunnydsolution1@gmail.com, rufen Sie ihn an oder fügen Sie ihn auf WhatsApp hinzu: +2348082943805
nun wird „die andere“ wohl auch Dr. Sunny anfunken :-)
Sven, erbarme Dich unser….
MEGA….sind gerade zu Hause rein, aber toller Abend.
Beide Supports haben abgeliefert….bei Just Mustard sind wir gerade rein, war auch sehr warm heute, aber die Location is halt super! Kleine Schwester der Waldbühne in Ostberlin kann man sagen….
Und The Twilight Sad? Ganz toll….bin total darauf angesprungen, da ich einige Titel aus dem Beitrag hier kannte. Er hat sich dann auch zwischendurch bei Cure/Robert sehr bedankt und hat es auch alle wissen lassen…..toller Moment!
Aber auch Robert und Co…..Simon war gar nicht selbst am Bass, sondern der Sohnemann – auch mega, das Talent schein in der Familie zu liegen!!
Und Robert war wirklich total zuckersüß – zu Beginn, mittendrin und am Ende – immer für uns da draußen und immer bescheiden, immer mit viel Dank an die Fans. Es gäbe sicher auch viele Mitsing-Interaktions-Momente bei vielen der Songs – wir haben aber festgestellt, dass die Zeit einfach für die Integration des Publikums nicht reicht, da die Knallersongs sonst einfach nicht alle gespielt werden könnten – wird zu knapp, da es zu viele sind!!! War einfach ein gaaaanz tolles Konzert!!!!
Hi @Marcus
ganz dollen Dank für deinen Post.
Habe etwas vom Konzi über
diverse sNetworks verfolgt.
Tolle Playlist mit vielen Klassikern
ein unvergesslicher Abend für die
Fans und Zuschauer
Und dem Bassist Simon Gallup
all the best und baldige Genesung.
BuLG
PS
heut Abend „One“ TV Programm „Control“ von AC , die Geschichte von
Ian Curtis und Joy Division.
Sehenswert
Einen hab ich noch : )
Hier Pamela. ein französisch britisches Indie Pop Duo very stylish mit
the Cure und Joy Division Vibes
und ner Brise Dream Pop
https://youtu.be/xHkEL8cMdQY?si=PblgLYHLPrIzQ1g4
„Romance is a mystical standing
in the rain … and saying Stay“
Beautiful songwriting mMn
BuLG nach Pankow
Ich kann mich den Worten von @Marcus Green nur anschließen. Super Konzert – obwohl ich nicht der eingefleischte „The Cure“-Kenner und Liebhaber bin.
Für mich etwas schwierig zu bewerten, da ich die beiden Tage zuvor bei „Mitgröl“-Bands war und mehr als ausgiebig gefeiert habe. Die Musik von The Cure ist komplett anders und es hat eine Zeit gedauert, mich zu sortieren – die Musik nicht mehr wild und laut, sondern melancholisch-verträumt.
Aber eines ist gewiss, Robert Smith liebt seine Musik und er liebt es, diese Songs live zu spielen. Das hat jeder der da war sehr deutlich gemerkt.
Der Supportact „The Twilight Sad“ waren klasse. Sollte Robert Smith in Rente gehen, dann wären das würdige Nachfolger.
Cure sind da echt eine unglaubliche Wunderbox – die haben an allen drei Abenden eine unterschiedliche Setlist gespielt, Simon war krank und der Sohn ist eingesprungen und es wurde nicht ein Song vom neuen Album gespielt (oder hab ich was übersehen?) – das waren alles nur Klassiker! WAHNSINN und in keinem Set waren alle Burner zusammen drin…..ich bin total fasziniert von deren Live-Auftritten und deren Zusammenstellungen – kein Konzert ist gleich!
und @Dorian – Pamela. gefällt mir richtig gut! Tolle Combo! Hat ganz tolle Vibes…..das hören wir zusammen auf Deiner Terrasse im Schaukelstuhl bei einem kleinen Feuerchen im Garten!!! Mega!
einer MEINER Lieblingssongs nach The Forrest und The Kiss ist immer noch Desintegration: https://www.youtube.com/watch?v=__EVr7CF3Hw&list=PLGFFTE0Sw8tStwmuVsAoeOEdmWBLceK9b&index=10
und das ganze Konzert vom Freitag habt ihr hier in voller Länge von meinem Lieblingsmitschnitt-Konzert-Presse-Menschen in Berlin: https://www.youtube.com/watch?v=IFPlAq4aN7M
schau da mal rein, der hat ne Menge mehr tolle Konzerte hier in Berlin und auch beide Support-Acts von Freitag extra auf dem Kanal – zum diesem Beitrag passt da das Set von The Twilight Sad: https://www.youtube.com/watch?v=vFpuyT2gKrc
;o)
Da bin ich mal gespannt, bin am Sonntag beim Konzert.
Dann ganz viel Freude und einen amazing Evening beim „Walk“ durch den „Forrest“ ganz „close to“
Robert & Band beim Cure Festival.
Aufpassen auf den Spider-Man
und eine gute Rückfahrt mit dem
Caterpillar… äh Rückflug mit
Besen ( don’t Drink and Fly ! ).
Tolles Interview, danke hierfür
Schottland hat auch jede Menge toller Musiker hervorgebracht und manchmal frage ich mich. wieso so viele Bands des UK so coole Musik machen.
Grüße von der Lovecat… Pardon
nem zerlumpten Tiger und
schön wäre ein Feedback zum Konzert von Robert und zur Support Band.