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Album des Monats

The KVB – Unity

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Ein letztes Album des Monats schulden wir euch noch für 2021, oder? Dafür haben wir uns aber auch eine besonders schöne Platte aufgehoben. The KVB liefern auf ihrem siebten Streich ein rundum gelungenes Update zum Thema Dark Wave meets Post-Punk.

Sieben Alben, das ist ordentlich. Denn das Debüt „Always Then“ feiert in ein paar Wochen gerade mal 10. Geburtstag. Aber zwischen Kat Day und Nicholas Wood stimmt eben die musikalische Chemie. Da braucht es wenig Schnickschnack drumherum, und so klang auch ihre Musik von Anfang an. Dunkle, mitunter verwaschene Wave-Sounds, verhallte Vocals und gerne die eine oder andere Lärmattacke durch Gitarren oder wild gewordene Elektronik.

So klangen die ersten drei Alben, dann folgte eine Sammlung von Instrumentals und Soundexperimenten. Mit „Of Desire“ (2016) öffneten die beiden ihren Sound etwas. Es wurde ein bisschen melodiöser, die Synthesizer vielseitiger, das Songwriting zwingender. Mit „Only Now Forever“ (2018) durfte man dann endgültig auch den Begriff (Synthie-)Pop auf einige der Tracks anwenden.

Und nun schreibt „Unity“ diese Bandentwicklung fort. Vorsicht: Suchtgefahr! Nachdem das Intro „Sunrise Over Concrete“ die Synthesizer auf die brutalistische Betonterrasse schiebt und den Sonnenaufgang provoziert, landen die beiden mit „Unité“ einen ihrer besten Songs überhaupt.

Eine von vielen guten Entscheidungen bei diesem Album war es, den Gesang etwas weiter nach vorn zu holen – und ihn häufiger auf beide zu verteilen. Eben hörten wir ja Kat – und auf dem folgenden, träumerischen „Unbound“ (das dann auch mal die Gitarren stärker mitspielen lässt) gibt es gar so etwas wie ein Duett.

Anschließend sagen The KVB uns die „Future“ voraus. Es wird schlimm werden – aber immerhin mit großartiger Musik wie dieser. Auf dem für die Band mit fünfeinhalb Minuten ungewöhnlich langen „Blind“ groovt es zunächst minimalistisch dahin, schiebt dann aber mit den Beats und Synthies immer stärker vorwärts.

Mit „Ideal Living“ nickt man Kennern der Geschichte von Joy Division (mit denen The KVB ja gerne mal verglichen werden) zu, klingt dabei aber mehr nach deren nicht weniger legendärer Nachfolgern. Und wenn man jemals die „World On Fire“ setzen sollte, dann doch bitte zu so, ja, fröhlichen Sounds wie diesen.

The KVB - World On Fire

So abwechslungsreich ging es bei The KVB noch nie zu, trotzdem passt hier alles zusammen, auch dank der starken Produktion (Lob an Andy Savours). Und auch auf den finalen drei Stücken fällt das Niveau keinen Millimeter ab, egal, ob der „Structural Index“ oder die Dark-Wave-Neonlichtstärke („Lumens“) vermessen wird. Mit dem zum Hinter-dem-DJ-Tresen-Fummeln einladenden, sprich grandiosen „Omni“ endet eines der Albumhighlights 2021.

Depechemode.de-Wertung:
★★★★★ (4.5/5)

„The KVB – Unity“ bestellen:

PS: The KVB live (wenn alles gut geht):

10.02.2022 Köln – Artheater
11.02.2022 Hamburg – Nochtspeicher
15.02.2022 Berlin – Lido
18.02.2022 Wien (A) – Chelsea Club
21.02.2022 München – Kranhalle

www.thekvb.co.uk

www.facebook.com/thekvbmusic

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.