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Review: White Lies – Night Light

White Lies sind eine Band, der man lobend attestieren muss, dass sie immer wieder versucht, neue Wege zu gehen. Ihrem Sound neue Facetten zu verleihen. Stillstand ist der Tod. Für Album Nummer sieben haben die drei sich zum Ziel gesetzt, die Songs erst gemeinsam live spielen zu lernen, bevor es für die Aufnahmen ins Studio geht. Das und ein Kern der Inspirationen, der tief in den 70ern liegt – ob das Resultat wohl allen Fans gefallen wird?

Vermutlich nicht, und das ist ja auch nicht schlimm. Die Fraktion, die das Synthiepoppige der Songs von Harry McVeigh, Charles Cave und Jack Lawrence-Brown bevorzugt, wird vielleicht nicht jeden Song aus “Night Light“ mögen – oder zumindest etwas länger brauchen, bis es klick macht. Denn das, was der erste Vorbote nur andeutete, wird auf Albumlänge noch erheblich verstärkt: Diese Band rockt live oft stärker als auf Platte, und genau das hat sie nun erfolgreich auf Tonträger gebannt. Das rasante “Nothing on Me“, das nun auch das Album eröffnet, ist nach nicht einmal drei Minuten vorbei, womöglich wäre das Gitarren-Gezauber danach erst so richtig losgegangen. Sänger Harry hat uns im Gespräch verraten, dass es da so einige und auch deutlich längere Versionen des Songs gab. Das ganze Interview könnt ihr in der nächsten Woche bei uns lesen.

Hier geht es weiter mit dem zweiten Song des Albums. Der ist doppelt so lang, und “All the Best“ zeigt nun unverblümt, was mit 70er-Jahre-Inspirationen gemeint war. Huch, Prog-Rock. Huch, fieses Gitarrensolo. Man darf gerne mal bei YouTube nach Aufnahmen der Fernsehshow “Midnight Special“ suchen, welche die Londoner intensiv als Anregung genutzt haben. Aber bitte die langen Haare abziehen, so weit geht es dann doch nicht. Zur Beruhigung schieben wir jetzt aber erst einmal “Keep Up“ dazwischen, hier gibt es endlich auch wieder wunderbare Synthies. Und der Refrain mit seinem wiederholten “Keep up, keep up, keep up, keep up, don’t block my rythm again“ findet schnell einen dauerhaften Platz im Ohr.

Bei “Juice“ lassen sie die Gitarren dann wieder stärker kreisen, dieser druckvolle Song könnte einer der Kandidaten sein, bei denen die drei auf der anstehenden Tour live ins wilde Jammen verfallen. Gut, dass danach “Everything Is Ok“ die Gemüter abkühlt. Eine wunderschöne Pianoballade mit sanft blubbernder Elektronik, vom in Topform befindlichen McVeigh ganz stark gesungen. Der anschließend vom eben noch schmachtenden 80er-Springsteen zum schillernden 80er-Bowie wechselt, und in “Going Nowhere“ spannende Zeilen wie “Life is a date you had just for the sake of going out“ intoniert. Schöne Retro-Synthesizer, gewagtes Retro-Saxofon.

Der Titelsong ist wieder mehr auf der ruhigeren Seite, pluckert angenehm in einem Bossa-Nova-Rhythmus dahin, und nach einem Klavierbreak schwebt er auf herrlichen Sounds in die Nacht hinaus. In der allerdings noch einmal die Axtschwinger und Holzbläser lauern. “I Just Wanna Win One Time“ rufen sie. Na gut. Doch eins ist klar: “In the Middle“ steht auf diesem Album immer ein gut geschriebener Song, und von denen hat er es hier einige, egal in welchem Klanggewand. Und den stärksten Track haben sie sich fürs Finale aufgehoben. Sechs Minuten purer Schönheit.

Depechemode.de-Wertung:
★★★★★ (4/5)

White Lies – Night Light kaufen:

PS: Das soll also ein Album für die Konzertanwendung sein? Darf gerne hier überprüft werden:

07.02.26 – Dynamo Saal – Zürich
09.02.26 – Muffahalle – München
10.02.26 – Ottakringer Brauerei – Wien
17.02.26 – Huxleys – Berlin
20.02.26 – Grosse Freheit – Hamburg
24.02.26 – Live Music Hall – Köln

https://whitelies.com

https://www.facebook.com/WhiteLies

https://www.instagram.com/whiteliesofficial

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

1 Kommentar

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  1. Eine muss Erste sein

    Hmm, der Nachteil elektronischer Musik: es hört sich irgendwie immer an, als hätte man/frau es schon einmal gehört. Gleicher Rhythmus, gleiche Synthie-Tasten-Abfolge. (Ich bin kein Musiker und kann das leider nicht technisch korrekt beschreiben). Was fehlt, ist das Neue, das Unerwartete, das was „flashed“. Das Wort „Retro“ trifft es wohl sehr genau, für mich allerdings zu sehr Retro.

    Meine Beurteilung bezieht sich auf die oben vorgestellten Songs. Lediglich „In the middle“ ist anders zu nennen und findet auch mein Ohr. Das offizielle Video dazu finde ich eher sehr verstörend.

    Letztlich eine Scheibe für „Nostalgiker“ der elektronischen Musik – jedenfalls mein Fazit zu den (wenigen) gehörten Songs.

    Antworten

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