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Review: The KVB – Tremors

Ihr mochtet die frühen, schroffen Lärmorgien von The KVB? Oder die mittlere Post-Punk-Phase mit sehr dunklem Wave-Einschlag? Oder doch die jüngere, fast schon elektropoppigen Sachen? Wisst ihr was? Egal, welche Version von The KVB ihr bevorzugt, „Tremors“ wird euch gefallen.

Kat Day und Nicholas Wood sind schon einen weiten Weg gegangen. Der Anfang war schroff, gekrönt von dem grünen Brocken „Minus One“ schepperten sie sich zu minimalistischen „Bauhaus-meets-Joy-Division-nur-mit-weniger-Melodien“-Sounds durch neblige Sperrigkeiten. Mit „Of Desire“ und „Only Now Forever“ wurde dann der Maschinenpark erweitert, und es zogen auch eingängigere Momente in die Klangimmobilie ein. Schließlich folgte das fantastische „Unity“, und plötzlich rutschte der Gesang nach vorn, und es klang teilweise richtig eingängig. Na huch.

Ob sich die beiden da selbst erschreckt haben? Vielleicht erfahrt ihr es ja in unserem Interview, welches wir mit Kat und Nicholas kürzlich führen durften, und das ihr in Kürze bei uns lesen könnt. Jedenfalls haben sie für „Tremors“ nicht nur einen brutalistischen Architekten(alb)traum aufs Cover erbrochen, sondern auch den Sound wieder ein wenig in Richtung Kantigkeit zurückjustiert. Der Dark Wave ist wieder colder, der Post-Punk etwas mehr Punk. Aber so karg wie auf den frühen Sachen wird es nun auch nicht mehr, keine Sorge, die gewisse Poppigkeit werden sie nicht mehr los. Man höre nur das herrliche „Overload“:

Aber die beiden aus London und Southampton haben wieder mehr Hall, Echo, Verwunschenheit und Düsternis dabei. Der Gesang (leider gibt es hier dieses Mal auch wieder weniger Kat-Content) rückt wieder ein Stück hinter die Sounds. Inhaltlich geht es eher dystopisch als utopisch zu. Doch nie ohne wenigstens eine Spur Optimismus. Da mag der Opener einen „Negative Drive“ haben, die drumgetriebene Power drückt doch nach vorn und nicht rückwärts. Und die krautigen Retrosounds in „Words“ oder das nach Manchester winkende Titelstück sind ebensowenig niederschmetternd wie „In the Silence“ Stille predigt. Dafür folgt man den hypnotischen Gitarren aus „Labyrinth“ liebend gern in selbiges.

Zum Ende hin wird es soundtechnisch noch etwas klirrender. „Dead of Night“ hat einen ganz eigenen Groove, und „A Thirst“ mischt Hip-Hop-Beats mit knarzenden Brummfürzen, die an die legendäre britische Sci-Fi-Serienperle „Utopia“ erinnern. Da ist das „Deep End“ nicht weit. Ob die Welt noch zu retten ist? Schwierige Frage, aber mit The KVB hören wir zum Untergang wenigstens großartige Musik.

Depechemode.de-Wertung:
★★★★★ (4/5)

The KVB – Tremors kaufen:

PS: The KVB sind in diesen Tagen auf Tour – nix wie hin da:

14.05. Köln – Bumann & Sohn

15.05. Berlin – Frannz

17.05. Zürich – Bogen F

18.05. Stuttgart – About Pop Festival

19.05. Leipzig – UT Connewitz

www.thekvb.co.uk

www.facebook.com/thekvbmusic

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

4 Kommentare

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  1. Awesome

    Die Vorfreude auf das neue Album von the KVB war groß und ich wurde nicht enttäuscht. Seit einigen Tagen läuft die CD „Tremors“ ( fast ) in Dauerschleife. Rundum gelungen, jeder der darauf befindlichen Songs
    hörenswert. Und wie bei jedem Album gibts Songs die man mag und welche, die man besonders mag. Das hier vorgestellte Labyrinth ist mit dem treibenden hypnotischen Gitarrenriff ein Banger, das Video hierzu einfach nur Klasse, ebenso das SynthiePop mäßige Overload und für mich nicht weniger „Words“, das mit seiner Kraftwerk mäßigen SynthieHookline-Loop schon DreamPop Charakter einnimmt.

    https://www.youtube.com/watch?v=9NDdj5Efz4M&list=RDMM9NDdj5Efz4M&start_radio=1

    In the Silence beginnt wie ein
    waviger EDM Song und wird zunehmend von einem Gitarrenspiel
    mit einem Touch psychedelic Blues unterlegt und begleitet, etwas DM Feeling mit eingeschlossen ( pM)
    und „Deep End“ hat mit dem sphärischen SynthSound und sixty-
    „Drama“ Gitarrenriff viel cineastisches in sich.

    Auf dem Album Tremors dreht sich immer etwas von Jesus and the Mary Chain, New Order ( mehr NO als Joy Division), Cure und Depeche Mode mit, auch etwas der frühen Goldfrapp
    und doch ganz anders, irgendwie.
    Das neue Album von Kat und Nikolas ist nicht ganz so „leicht und zugänglich“ wie ihre LP zuvor, etwas mehr der „frühen Phase“ , den Vorhang wieder mehr zugezogen, aber mit genug Licht, dem grauen kalten Beton immer noch etwas Wärme zu geben.
    Nach der gelungenen Nonetheless
    LP der PSB , für mich ein weiteres musikalisches Highlight April/ Mai, hoffe, dass das Tremors Album und die Band the KVB auch eine breiteres Interesse erfährt.

    Grüße

    Sie klingen nicht ganz so „poppig“, bzw leicht wie auf ihrer

    Antworten
  2. KVB - kannte die vorher nicht

    Habe heute die bekannten Streaming-Dienste bemüht und beim Laufen in die „Tremors“ reingehört. Bin noch etwas unentschieden, Longplayer ist aber auf jeden Fall auf meiner Merkliste gelandet, um mich intensiver mit KVB auseinanderzusetzen.

    Antworten
    • The KVB

      Hi,
      solltest du, hör mal, für mich klingt da im Sound etwas „düsteres“ von Kurt Cobain durch , der war übrigens auch
      (wie ich) großer Fan der wohl einflussreichsten Art-Punk und Psychedelic Rock Band
      The Velvet Underground
      ( und Nico) für die Alternativ – Szene
      ( David Bowie war wohl ihr größter Fan wie ich mal las)

      https://youtu.be/Fm33vztBSZs?si=eZYnQyRSp5G9F_JK

      LG

  3. The KVB

    Thnx @Thomas Bästlein für das Review des neuen KVB Albums
    „Tremors“. Wurde vor geraumer Zeit hier auf dieser Page auf die Band aufmerksam, deren Sound und die visuelle Darstellung mir sehr gut gefällt. Tolle Songs und Sound , mit Anlehnung an Postpunk-Coldwave ,
    mit coolen Groves und Dancebeats fast wie NewOrder , etwas Goldfrapp, Shoe gozin und einen Dipp RoxyMusic.
    Aber ohne selbst daher zu kommen wie eine nächste “Finster-Finster” Band, irgendwie ohne Retro Zwang, auch wie sich Kat und Nicholas selbst präsentieren in den Clips.
    Für mich ein „Echt-Zeit Sound“ des neuen „Undergrounds“.
    Album ist bestellt, freu mich drauf und vielleicht ergibt sich mal demnächst ein Live Event der Band.

    Grüße

    Antworten

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