Pet Shop Boys überraschen mit politischen Songs

Review: Pet Shop Boys „Agenda“ (EP)

Die „Super“-Tour endet nach über zweieinhalb Jahren im Frühjahr in Asien, ein neues Album ist vage für den Herbst angekündigt. Die Pet Shop Boys sind aber immer für eine Überraschung gut und veröffentlichen wie aus dem Nichts eine EP namens „Agenda“. Der Titel ist hier tatsächlich Programm. Neil Tennant und Chris Lowe positionieren sich darauf gesellschaftspolitisch und geben ein deutliches Statement zur derzeitigen Weltlage ab. Die vier Songs haben die Jungs an aufeinander folgenden Tagen ins Netz gestellt – begleitet von jeweils einem Lyric-Video.

Der erste Track „Give Stupidity A Chance“ ist eine beißende Kritik an der Trump-Administration. Ungewöhnlich plakativ, da Neil Tennant normalerweise das subtile Texten bevorzugt. Musikalisch ist es auch nicht der große Wurf. Klingt das vorliegende Ergebnis eher wie eine Demo-Version aus den Sessions der Single „Winner“ (2011).

Song Nummer zwei lohnt sich schon aufgrund des simpel-genialen Lyric-Videos:

Pet Shop Boys – On social media (lyric video)

Catchy Choruses können sie auch noch 34 Jahre nach der Debüt-Single „West End Girls“. Mit diesem Meilenstein kann sich „On Social Media“ natürlich nicht messen.

Auf dem dritten Track, „What Are We Going To Do About The Rich?“, ruft Tennant unverhohlen dazu auf, die Superreichen, die Oligarchen, endlich konsequent zu besteuern. Die Reichen werden immer reicher während das soziale Sicherungsnetz kollabiert, klagt Tennant an. Ein Plattenmillionär solidarisiert sich mit der Arbeiter- und Mittelklasse. Musikalisch sicher der schwächste Titel auf „Agenda“.

Highlight der EP ist der Schlusspunkt: „The Forgotten Child“. Eine traurig-bittere Ballade über ein verschwundenes Flüchtlingskind, dass wohl die Mittelmeer-Überfahrt nicht überlebt hat. Hier sind wieder die genialen Pet Shop Boys zu hören. Eine eingängige, melancholische Melodie, schwelgerische Orchestrierung, im Subtext schwingt so viel mehr mit als die traurige Suche nach dem vermissten Kind.

Sind die ersten drei Songs musikalisch eher nicht auf Pet Shop Boys-Normalniveau (hier zählt eher der Text und das Statement der Band), so entschädigt „The Forgotten Child“ vollends für den Rest.

Die EP „Agenda“ ist ab sofort digital erhältlich und erscheint am 12. April als 12″ Vinyl und als CD (Letztere ist allerdings nur in Verbindung mit dem neuen Pet Shop Boys-Jahrbuch „Annually“ erhältlich).

„Agenda“ als 12″ Vinyl bei Amazon vorbestellen:

„Pet Shop Boys – Agenda (EP)“

Letzte Aktualisierung: 18.2.2019 (c)

 Henning Kleine
Henning (Jahrgang 1976) arbeitet als TV-Journalist in Hamburg. Er ist Synthie-Pop Liebhaber und großer Fan der Pet Shop Boys.

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Kommentare

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  1. Carsten Kilian
    5.3.2019 - 14:27 Uhr
    1

    Danke Pet Shop Boys

    Immer wieder wird die Frage gestellt ob sich Künstler politisch engagieren sollen. Die Frage sollte sich eigentlich gar nicht stellen aber die Antwort kann nur lauten „Was denn sonst?“
    Neil Tennant hat dies schon immer getan. Seriously ist dafür ein gutes Beispiel. Wenn jemand wie er, der daß subtile eigentlich gekonnt beherrscht sich genötigt fühlt, derart deutlich zu werden, dann sollte uns allen klar sein, daß es Zeit wird vom Sofa aufzustehen und sich wieder für sich und andere einzusetzen.

    You can´t Change the world but you can Change the Facts……

    Gruß

    Carsten

    • thomas
      11.3.2019 - 15:18 Uhr
      1.1

      thomas

      psb waren schon immer politisch

      aber spätestens mit DJ CULTURE wo sie im video gegen den irakkrieg protestierten. Das video wurde dementsprechend von MTV verbannt