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Review: Nation Of Language – Dance Called Memory

Tanzt mit uns den Tanz, der da Erinnerung heißt! Viel schöner und vor allem passender hätten Nation Of Language ihr viertes Album nicht benennen können. Wohl keine Band hat in jüngster Vergangenheit tanzbare elektronische Musik von der Klasse aufgenommen, die so wohlige Erinnerungen an die Großzeiten des New Wave erweckt hat, wie die New Yorker. Und das, ohne dabei rein retro zu klingen. Dem Fazit sei vorgegriffen: Das bleibt auch auf dem neuen Album in gleicher Güte so.

Warum sollten Ian Richard Devaney, Aidan Noell und Alex MacKay auch das Rezept über den Haufen werfen, das ihnen stetig, aber in gesundem Maße, wachsende Beliebtheit beschert hat? Auch Produzent Nick Millhiser ist wie bei den beiden Vorgängern wieder dabei. Damit sollte das Rezept stehen: Sehnsüchtig-melancholischer Gesang, schwelgende Synthesizer, OMD und New Order als Top-Referenzen, andere Legenden wie The Human League und ein bisschen Kraftwerk oder Japan im Sinn, Anknüpfungspunkte an jüngere Bands wie Holy Ghost!, The Juan MacLean oder LCD Soundsystem im Hinterkopf – und aus alldem dank eines fantastischen Händchens für gute Melodien und Sounds Magie entfachen. Oder?

Aber Moment, war da nicht ein Labelwechsel? Ja, Nation Of Language sind von den ehrwürdigen Leuten bei PIAS zu einer anderen Labellegende weitergezogen – zu Sub Pop. Klingen sie jetzt etwa nach einer Seattle-Band, zieht der Grunge in den Sound ein? Nö, natürlich nicht. Doch leichte Veränderungen – oder Variationen – im Klang sind durchaus zu erkennen. Die Gitarre spielt tatsächlich eine größere Rolle. Zum Beispiel in der zweiten Vorabsingle „I’m Not Ready for the Change“, die gekonnt leicht schrammelig dahineiert, und in der zusätzlich die Drum Breaks gesampelt wurden, um ein bisschen Shoegaze in den Sound zu mischen.

Auch an anderer Stelle bekommt die Gitarre markante Momente, gelegentlich auch mal mehr im Vordergrund wie im pluckernden „Can You Reach Me?“ oder der wirklich eine Spur nach Seattle klingenden Schlussballade „Nights of Weight“. Meistens bleibt sie aber unterstützendes Element – mustergültig vorgeführt in „Now That You’re Gone“ – oder kommt eher in Form des typischen New-Order-Basses daher. Denn im Kern bleibt das hier natürlich von Synthesizern dominierte Popmusik. Gleich die erste Single „Inept Apollo“ stellte das unwiderstehlich klar.

Und doch, die Band klingt oft nachdenklicher, noch ein bisschen melancholischer. Die Welt ist ja auch nicht besser geworden seit September 2023, als „Strange Disciple“ erschien. Wer nicht gleich beim Opener „Can’t Face Another One“ und dem zu himmlischen Harmonica-Tönen leidenden Protagonisten zwischen Träne im Knopfloch und Gänsehaut an allen relevanten Körperteilen schwankt, dem … ach, muss ja jeder selber wissen. Der Freund von kleinen Details erfreut sich wiederum an Feinheiten, wie den ulkigen spuckenden Beats bei „In Another Life“, für die die Percussion durch einen DFAM-Moog gescheucht wurde. Fans von Future Islands erkennen deren ganz spezielle Art von Synthiepop in „Silhouette“ wieder (und Nicht-Fans lenken sich bitte damit ab, dass Devaney besser singen kann). Hits können sie selbstverständlich sowieso, fast schon traditionell können Nation Of Language es sich leisten, zwei der größten Nummern ganz weit hinten aufs Album zu packen. Erst den OMD-Schwelgepop von „Under the Water“. Und dann beschert uns das durch und durch umwerfende „In Your Head“ noch fast fünf Minuten absolute Perfektion. Album des Monats, logisch.

Depechemode.de-Wertung:
★★★★★ (5/5)

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PS: Nation Of Language live:

18.11. Köln – Gloria

19.11. Hamburg – Uebel & Gefährlich

21.11. Berlin – Columbiahalle

22.11. München – Technikum

www.nationoflanguage.com

www.facebook.com/nationoflanguage

www.instagram.com/nationoflanguage

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

2 Kommentare

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  1. Wie genial

    Ich kann nur zu 100% zustimmen.
    Ein frischer Sound , klar und irgendwie neu. Geht sofort ins Ohr . Gänsehaut pur War bei den letzten beiden Tourneen schon live dabei. Live riiiichtig gut .
    Köln und München sind gebucht.

  2. Nation of language

    Sympathische junge Menschen, die den einmaligen und über Jahrzehnte hinweg prägende Sound der frühen 80ies Postpunk/Indie und des etwas kommerzielleren NewWave und SynthiePop Sound für sich entdeckt haben und denen es mMn gelingt,
    ohne zwanghaft Retro im Sound und Look daher zu kommen, dem etwas Neues und frisches zu geben.
    Gefallen mir sehr gut, die neuen Songs, zu recht hohe Punktzahl und
    eine treffende Beschreibung des neuen Album. Danke hierfür
    und
    Beste Grüße

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