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Review-Nachträge aus 2025: Northern Lite, Austra und Kalipo

Bevor wir in der kommenden Woche die ersten Platten des noch jungen Jahres besprechen werden, widmen wir uns noch ein paar elektronischen Veröffentlichungen, die in den letzten Wochen und Monaten des Vorjahres erschienen und eine unbedingte Empfehlung wert sind: den aktuellen Scheiben von Northern Lite, Austra und Kalipo.


Northern Lite – Vorwärts Leben

Cover: Una Music

Wir fliegen zu einer „Station im All“ mit unseren langjährigen Freunden von Northern Lite. Andreas Kubat und seine Mitstreiter bleiben fleißig. Es gibt kaum ein Jahr ohne Veröffentlichung. Nachdem „JA“ 2021 neue Ideen in den Sound pumpte und neben frischem Klang auch durch den – temporären – Wechsel zu deutschsprachigen Songs überzeugte, folgt nun nach Jubiläums-Compilation, Unplugged-, Live- und Coverplatten sowie dem Album „A History of Love“ mit „Vorwärts Leben“ eine ausgeglichene Mischung deutsch- und englischsprachiger Songs mit positivem Albumtitel – und weitgehend ebenso positivem Sound.

Was durchaus ernsthafte Themen jedoch nicht ausspart. „Schwarzer Hund“, spätestens seit Churchill als Metapher für Depressionen bekannt, ist nur ein Beispiel, „Ein Schritt vor und zwei zurück“ ein weiteres, dessen Titel man derzeit für so vieles auf dieser Welt verwenden könnte. Doch wie gesagt, die Grundstimmung bleibt optimistisch, alles andere bringt ja nichts. Dazu gibt es weitgehend klassischen Northern-Lite-Sound, aus dem einzelne Stücke herausragen. Allen voran das brillante „Contrails“ mit dem überraschenden Einsatz von Countertenor Nils Wanderer. Und ein starkes Schlussdrittel mit dem Doppel aus „Girl“ und „Gun“ (kleine Anspielung?) sowie einer weiteren feinen Coverversion, hier von Metallicas „Nothing Else Matters“.

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Austra – Chin up, Buttercup

Cover: Domino

Apropos Kopf hoch. Kinn hoch, Ranunkel! Ja okay, man kann Dinge auch gewollt lustig übersetzen. Fünf Jahre nach „Hirudin“ verarbeitet Katie Stelmanis all die Dramen, die in der Zwischenzeit passiert sind. Als da wären: eine gewisse Pandemie im Großen, eine abgefuckte Welt im noch Größeren und eine schmerzhafte Trennung im Privaten. Gelegentlich wünschte man sich angesichts all dessen „Amnesia“.

Weil diese jedoch selten im passenden Zusammenhang auftritt, hilft wohl nur … Tanzen! Denn Stelmanis verarbeitet das Elend nicht etwa in schwerblütigen Trauerklängen – das bekäme sie mit ihrer kraftvollen Stimme garantiert auch hin –, sondern in leichtfüßigem Electropop. Der mag vielleicht nicht ganz die Tiefe und Sounddichte ihrer frühen Meisterstücke „Feel it Break“ und „Olympia“ erreichen, geht aber gut ins Ohr und hat bei aller Geradlinigkeit immer noch genügend Haken und Eigenwilligkeiten. Und mit „Siren Song“, „Fallen Cloud“, „Blindsided“ oder dem epischen und von pastoralem Auftakt zur Tanzparty mutierenden „The Hopefulness of Dawn“ so viele starke Songs wie lange nicht.

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Kalipo – Alles

Cover: Iptamenos Discos

Wir werden ja nicht müde, das letztjährige Album von Dina Summer (mehr dazu: hier) abzufeiern. Ein Drittel dieses Projektes macht Jakob Häglsperger aus, besser bekannt unter seinem Alias Kalipo. Häglsperger zeichnet aber nicht nur für gute Teile des herrlich synthiepoppig-wavigen Sounds von Dina verantwortlich, sondern auch für den von Frittenbude und für knackige Remixe (zuletzt für The Hidden Cameras, neben Größen wie Vince Clarke und Pet Shop Boys). Aber er ist eben auch solo unterwegs – und mit „Alles“ hat er sein bisher stärkstes Album hingelegt.

Schon der Auftakt mit dem Titeltrack und seinem brummenden Bass, gefolgt vom eingängigen „All Things Come to an End“ passt mit seiner coolen Kühle und Eingängigkeit zur „Girls Gang“, aber der Sound kann hier auch ab und zu ganz anders. „Crimson Rain“ dockt an die Eurythmics an, während „Sparkling Tears“ technoid durch den Club bollert und über die „Geister“ melancholisch-sehnsüchtige Synthies schweben. Mit „Deine Worte“ klopft auch noch der gute, alte Onkel EBM an die Kellertür. Und das Rundum-Sorglos-Paket gibt es (wie auch bei den beiden vorherigen Empfehlungen) natürlich in hübschem Vinyl – oder hier für Digitalisten in der Deluxe Version mit dickem Remixpaket.

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Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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