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Review: Ladytron – Paradises

In diesem Jahr feiern Ladytron den 25. Geburtstag ihres Debüts. Aber noch viel besser ist: Die Liverpooler beschenken uns mit einem neuen, ihrem achten Album. Paradiesisch!

Dabei ist der Vorgänger, das wunderbare „Time’s Arrow“, noch gar nicht so lange her. Kurz nach dessen Veröffentlichung beschloss Reuben Wu, sich nunmehr voll seiner Karriere als Fotograf und Künstler auf der anderen Atlantikseite zu widmen. Ladytron sind nun also nur noch ein Trio, doch die für die Musik wesentliche(re)n Mitglieder sind mit Helen Marnie, Mira Aroyo und Daniel Hunt erhalten geblieben. Und die stürzten sich gleich wieder ins Studio.

So klingt „Paradises“ auch ganz klassisch nach Ladytron, um es kurz zu machen. Allerdings ist die Kürze eher nicht das Thema dieser Platte. Im Gegenteil, die 16 (!) größtenteils innerhalb von fünf Monaten ab Ende 2023 entstandenen und später im Studio mit Unterstützung des alten Partners Jim Abbiss fertiggestellten Songs erstrecken sich über satte 71 Minuten und 39 Sekunden. Und das stellt sich irgendwann als ein gewisses Problem heraus, denn die Stücke fließen irgendwie ineinander hinein und auseinander heraus, bis die Unterscheidung an manchen Stellen schwerfällt. Zum Glück ist dies das einzige Manko hier.

„Balearic Noir“ hat die Band ihren aktuellen Sound selbst getauft, und da ist schon etwas dran. Einerseits wegen einer gewissen durchgängigen Tanzbarkeit. Und durch diesen Chillmodus, der sich nach einer Weile einstellt, wenn man sich darauf einlässt. Es gibt nicht viele Tracks, die herausragen wie früher … (bitte hier die persönlichen Ladytron-Favoriten eintragen). Was aber nicht heißen soll, dass es keine starken Songs gäbe. Denn die Qualität ist durchgehend hoch, man kann schon verstehen, dass die Band sich nicht von eventuell überzähligen Songs trennen konnte. Versuchen wir aber doch einmal, ein paar Höhepunkte zu picken:

  1. „Kingdom Underseas“ – Die Strophe allein ist schon so melodiös, dass sie als Refrain durchginge. Bevor ebenjener das noch einmal steigert. Wunderschön auch der Duettgesang von Marnie und Hunt.
  2. „I See Red“ – Erinnert stark an die frühen Songs der Band, dieses Human-League-artige, und die einfache Melodie setzt sich schnell im Kopf fest.
  3. „Sing“ – Die Melodie ist eine Spur anders. Vielleicht, weil das einer von dieses Mal nur zwei Songs aus der Feder von Marnie ist, den Rest hat Hunt in einem kreativen Hoch geschrieben, in zwei Fällen zusammen mit Aroyo. Außerdem singt Marnie hier einfach besonders herzwärmend.
  4. „A Death in London“ – Mehrere Stücke des Albums haben Elemente von House, das hier ist eindeutig das coolste, trotz des hitzigen Inhalts. Und London bekommt eine weitere Hymne.
  5. „Caught in the Blink of an Eye“ – Noch eine dieser direkt eingängigen und eher auf die älteren Bandphasen erinnernden Perlen.

Je häufiger man die Platte abspielt … oder wenn sie vielleicht im Wiedergabedienst des Vertrauens schon auf Repeat läuft, während man in der zweiten Hälfte kurz eingenickt war (seht ihr, young people, uns Alten passiert das nicht, wir müssen zwischendurch aufstehen und das Vinyl umdrehen) … desto mehr verliert man sich dann doch wieder in den einander umschlingenden Sounds und Stimmen. Und nun kommt endlich mal wieder für ein paar richtige Konzerte auf den Kontinent!

Ladytron – Paradises kaufen:

https://www.ladytron.com/

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

3 Kommentare

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  1. Paradies …

    … ist irgendwie passend zu den neuen Songs von Ladytron.,
    „Nior-Elektro Pop“,
    schattig, Dark, viel Einfluss von Chill – House und Lounge Sound wie ich finde. Etwas anders als das Vorgänger Album, mehr Modernität auf eigene Art.
    Passend für die ( noch) frühen Stunden der Abenddämmerung.
    „A Death in London“ find ich auch , Klasse , die Kombination von Electroclash, etwas Dream Pop, House, dem Saxophon als Begleitung und die Stimme von Helen Marnie ….
    einfach verdammt cool.
    So kann das Frühjahr beginnen … eine musikalische Reise in ein Paradies (mit Schattenseiten).

    Antworten

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