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Review: Hundreds – Sirens

„Hüte dich vor dem Gesang der Sirenen, sprach sie, kein Sterblicher hat noch bisher ihrem zaubrischen Lied widerstanden!“ (aus „Von den Irrfahrten des Odysseus“, Franz Fühmann nach Homer). Aber keine Sorge, wegen des fünften Hundreds-Albums sollte man sich weder Wachs in die Ohren stopfen, noch sich wie der tapfere Titelheld am Mast festbinden lassen. Im Gegenteil: Auch diese Platte ist wieder ein ohrenöffnender Genuss – und unser Album des Monats.

Wer den Werdegang der Hundreds aufmerksam verfolgt hat, wird wiederkehrende Muster erkennen. Was schon bei den Plattencovern beginnt. Mit dem Debüt vor knapp 16 Jahren tauchten Eva Milner, die nunmehr übrigens Wienczny heißt, und ihr Bruder Philipp ins Wasser und ihre ganz eigenen Soundwelten ein. Mit „Aftermath“ ging es durch den mysteriösen Wald, mit „Wilderness“ wurde es erdig, und auf „The Current„, mit dem Schlagzeuger Florian (auch Wienczny) endgültig zum festen Bandmitglied wurde, kämpfte man sich durch allerlei konkrete und abstrakte Strömungen. Und nun taucht Eva aus dem Wasser auf und erzählt nicht nur von „Sirens“, sondern von allerlei Märchen- und Fabelwesen, aber auch von ganz irdischen Gedanken.

Nachdem „The Current“ mitten hinein in die beginnende Pandemie veröffentlicht wurde, entstanden die Stücke für „Sirens“ nun über den Verlauf der letzten fünf Jahre, mithin in einer global sehr düsteren Zeit. Ohne dass nun die reale Welt darauf komplett ausgeblendet würde – an einzelnen Stellen wird hier durchaus Bezug genommen, beispielsweise im Titelsong, der mit klassischen Elementen die etwas akustischer gehaltene zweite Albumhälfte eröffnet –, ist so ein bisschen Eskapismus in Traumwelten auch mal ganz beruhigend. Führende Kardiologen würden diese Platte empfehlen, und das ist als Kompliment gemeint. Denn „Sirens“ ist eine recht introspektive Platte. Gerade im zweiten Teil lässt sich gut vorstellen, wie Hundreds das Ganze auch in philharmonischer Form auf entsprechende Bühnen bringen könnten (und mit solchen Ideen spielt die Band durchaus, es wäre ja nicht das erste Mal). Beim von klugem Schlagzeug getragenen und ansonsten durch Reduktion Atmosphäre erzeugenden „Eliot“ zum Beispiel. Oder dem vielstimmigen Abschied „I See You“ und dem zärtlichen „The Tendril“ mit seinen Streichern und Chören.

Bevor wir aber gleich ganz beim Finale angelangt sind, springen wir zurück an den Anfang der Platte und mit dem Intro zurück in die Kindheit. Als die Gebrüder Grimm noch die Größten waren. Obwohl später vielleicht Andersens Märchen mit ihrer Düsternis stärker in den Bann zogen. So wie die Synthies, die natürlich nach wie vor einen wesentlichen Kern des Bandsounds ausmachen. Wie sie – scheinbar minimalistisch – in das hypnotische „Walk on Walls“ hineinziehen. Und wie immer ist auch etwas für die Tanzfraktion dabei: Das Triple aus dem poppigen „Five Rivers“ mit feinsten 80er-Reminiszenzen und einer kleinen Eigenreferenz (aus „Let’s write the streets“ vom Debüt wird hier „Let’s paint the streets“), dem raffinierten „Fallacies“, das in seinen reichlich drei Minuten mehr Ideen hat als andere in ihrer ganzen Karriere, und dem wieder ganz anders klingenden „Blueberry Dream“, in dem Evas wie immer überragende Stimme kongenial durch Philipps Backgroundgesang ergänzt wird, lässt keine Wünsche offen.

Obwohl, wir sind ja im Märchenland. Da wird man sich doch noch was wünschen dürfen. Jemanden zu haben, zu dem man immer sagen kann: „Carry Me Home“. Und dazu brillante Musik wie ebenjenen Abschlusstrack zu hören. Oder besser natürlich ein ganzes Hundreds-Album wie dieses hier.

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PS: Hundreds sind eine in ihrer Vielschichtigkeit immer wieder aufs Neue faszinierende Liveband. Das sollte man sich hier anschauen:

14.04.2026 München – Strom

15.04.2026 Jena – Kassablanca

16.04.2026 Leipzig – UT Conewitz

17.04.2026 Heidelberg – Karlstorbahnhof

18.04.2026 Stuttgart – Im Wizemann

20.04.2026 Wiesbaden – Kesselhaus

21.04.2026 Köln – Gebäude 9

22.04.2026 Nürnberg – Z-Bau

24.04.2026 Hamburg – Mojo

25.04.2026 Berlin – Columbia Theater

26.04.2026 Hannover – Musikzentrum

https://www.hundredsmusic.com

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

1 Kommentar

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  1. Nein, so nicht

    ich will es mögen, die älteren Songs Our Past, Aftermath, und Stones gefallen mir sogar sehr gut. ABER
    ich weiss nicht was es ist,aber ich glaube sie kann einfach nicht singen…
    oder beim abmischen läuft was schief.

    Antworten

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