Home > Magazin > Reviews > Review: DeVision Redux – Echoes We Keep
- Anzeige -

Review: DeVision Redux – Echoes We Keep

Eine Schnapsidee oder ein Geniestreich? Wenn ein Bandleader entscheidet, die Diskografie zu sichten und ausgewählte Stücke davon mit einem befreundeten Musiker durch den Mixwolf zu drehen, um ihnen neue Aspekte zu entlocken. Das kann so oder so ausgehen. Im Fall der Herren Keth und Myer darf man erfreut feststellen: Eine prima Idee war das!

Zunächst hatte sich De/Visions Steffen Keth mit dem vielbeschäftigten Daniel Myer (Haujobb, Architect, Liebknecht u. a.) zusammengetan, um ein paar Songs der Band zu sichten und sie mit reduziertem und zugleich modernisiertem Setup mal etwas anders und möglichst tanzbar auf die Livebühnen zu bringen. Das funktionierte so gut, dass die anwesenden Fans wiederholt nach einer haltbaren Tonkonserve riefen. Die beiden Musiker hatten ein Einsehen und nahmen sich die Zeit, den Tracks im Studio – inklusive Gesangsneuaufnahmen – mit viel Detailfreude das frische Kleid anzupassen.

„Echoes We Keep“ baut sich allmählich auf und folgt weitgehend der Setlist der Konzerte, die DeVision Redux seit etwa einem Jahr immer wieder spielen. Wobei natürlich nicht alle Songs berücksichtigt werden konnten, zwölf Tracks in einer guten Stunde Spielzeit sind ja schon sehr ordentlich (okay, der Rezensent hätte lieber das schon vom Ausgangssong her nicht so überragende „Time to Be Alive“ weggelassen und durch „Strange Affection“ ersetzt, aber am Ende entscheiden so etwas die Künstler, und die haben meistens gute Gründe). Das nun eröffnende „Rage“ ragte bereits auf „Popgefahr“ durch seine Wucht heraus und erhält jetzt eine Spur mehr Tempo und elektronischen Schmutz. Mit der Auswahl von „I’m not Dreaming of You“ und „Flavour of the Week“ bekommen auch vergleichsweise eher mittelbeliebte Alben wie „6 Feet Underground“ und „Noob“ je einen Song neu lackiert. Aber auch hier: geschickte Songauswahl. Das minimalistische und modernere Klangbild steht beiden gut.

Doch danach geht das Echolot erst richtig auf Tiefenmessung. „Free from Cares“, im Original bereits über 30 Jahre alt, wird mit den crispen Sounds aus den Myerschen Geräten zur absoluten Neuentdeckung. Highlight! Dann das live unverzichtbare „I Regret“, von dem es über die Jahre schon die eine oder andere Version gab. Die Redux-Fassung nimmt viele markante Spuren heraus und macht ein fast chilliges Stück daraus, das zum Ende schwelgerisch hinweg schwebt.

Die zweite Hälfte eröffnet „Drifter“, eine heimliche Perle von der an Perlen nicht armen „Monosex“. Das hier komplett auf links gedreht mit dem Zusatz „Breathe“ daherkommt und eine atmosphärische Atempause liefert, bevor die Hits gezündet werden. Wer heute die 1994er Versionen von „Dinner Without Grace“ und „Your Hands on My Skin“ hört und De/Vision häufiger live gesehen hat, weiß, dass diese Songs schon die eine oder andere Variation erlebt haben, in ihrer Eingängigkeit aber unkaputtbar sind. Und das bleibt auch in den Neufassungen so, denen es trotzdem gelingt, die Stücke noch einmal anders zu beleuchten.

Mit „Deliver Me“ gibt es dann ein richtiges Meisterstück. Im Original von 1998 feinster Synthiepop, im Redux nun ein sich vom gefühlvollen Schleicher zum wummernden Bassgewitter aufschwingender Knaller. Zwischen den ganzen Klassikern der zweiten Hälfte findet sich noch der jüngste Beitrag der Platte, „Synchronize“ von „13“, dem besten De/Vision-Album dieses Jahrtausends, hier in einer cool-clubbigen Variante. Und ganz zum Schluss, na klar: „Try to Forget“, unvergesslich, hier in einer herrlichen 7:20-Minuten-Version. Experiment bestens gelungen, gerne mehr davon.

PS: DeVision Redux sind aktuell als Support von Forced To Mode auf deren „Black Celebration“-Tour unterwegs, spielen ansonsten aber auch noch auf ein paar Festivals und Solokonzerten:

  • 04.04.2026 München – Tonhalle*
  • 09.04.2026 Magdeburg – Amo*
  • 10.04.2026 Frankfurt/O. – Messehalle*
  • 11.04.2026 Leipzig – Haus Auensee*
  • 12.04.2026 Dresden – Alter Schlachthof*
  • 16.04.2026 Berlin – Columbiahalle*
  • 17.04.2026 Oberhausen – Turbinenhalle*
  • 18.04.2026 Köln – Carlswerk*
  • 08.05.2026 Berlin – Astra (Out Of Line Weekender)
  • 03.07.2026 Halle – Angerstorfer Teiche (Eastside Festival)
  • 24.07.2026 Köln – Club Volta (Echoes of Rebellion Festival)
  • 09.11.2026 Donau (Schwarze Wellen Kreuzfahrt)
  • 03.04.2027 Leipzig – Werk II
  • 10.04.2027 Oberhausen – Kulttempel
  • 17.04.2027 Berlin – Columbia Theater

(* Support für Forced To Mode)

https://www.devision.rocks/home

https://danielmyer.bandcamp.com/album/echoes-we-keep

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

4 Kommentare

Wir freuen uns über Deinen Kommentar. Bitte beachte unsere Nutzungsregeln.
  1. bin neugierig...

    Danke für Eure Live-Einschätzung – auch ich war damals ein Fan der ersten Alben und wir haben die hoch und runter gehört. Wenn ich die Scheiben jetzt laufen lasse, bin ich sofort wieder im Auto meines Kumpels im Sommer in den 90ern mit heruntergelassenen Scheiben und wir singen mit….

    Werden am Donnerstag sehen, wie die neuen Sachen live sind – ich bin durchaus gespannt!

    Antworten
  2. DeVision - lange her

    DeVision (Redux) hier als „Support“ für F2M zu bezeichnen ist schon verwegen.
    Klingt halt besser als „Vorband“. Man überlege – DeVision ist heutzutage eine Vorband für eine Tribute-Band.
    Und ehrlich, wer sich (wie wir) zB das Konzert in Frankfurt (Oder) angesehen hat, der hat schnell erkannt, das die Zeiten von DeVision lange vorbei sind.
    Lustloser kann man die, zugegebenermaßen gut klingenden Neuinterpretationen alter Hits, nicht runterrasseln. Was bitte war das? Zwei drei kleine Interaktionen mit dem Publikum die eher arrogant rüberkamen („…wir sind keine Coverband…“), nun ja. Kann man machen, ist trotzdem Mist.
    Der Merch-Stand war eine Lachnummer. Eine Handvoll Shirts, dazu ein paar CDs. Ende. Der Stand von F2M war 4x größer. Auch ein Indikation wo DeVision heute stehen.
    Schade drum. Aber wenn man keine Lust mehr hat, dann bleibt man der Bühne fern.

    Antworten
  3. Schade, dass es keine Vinyl Version gibt.
    Es wäre übrigens auch mal Zeit für ein neues De/Vision Album.

    Antworten
  4. Ganz starke Interpretationen

    Nachdem ich am Donnerstag bei forced to Mode war und es nicht glauben konnte, dass devision (wenn auch nur in Teilen) als Vorgruppe auftritt, läuft seit dem Release am Freitag fast nichts anders mehr als diese sensationelle Veröffentlichung – ganz stark !

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Die Speicherung Deiner Daten erfolgt gemäß den geltenden Datenschutzbestimmungen. In unseren Datenschutzhinweisen erfährst Du, welche Daten von Dir beim Verfassen eines Kommentars gespeichert und verarbeitet werden. Deine Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.

- Anzeige -
Consent Management Platform von Real Cookie Banner