Review: Behind The Wall – Depeche Mode – Fankultur in der DDR

Wenn man nach den Sachbuch-Platzierungen bei bekannten Onlinehändlern (Exkurs: Kauft eure Bücher trotzdem, wenn möglich, lieber im lokalen Buchhandel!) geht und nach der Ausverkauftheit der Erstauflagen sowie der Lesungen, dann läuft das neue Buch von „den Leuten, die euch Monument gebracht haben“ wie geschnitten Brot. Doch Sascha Lange und Dennis Burmeister bekommen trotzdem zusätzlich noch eine freundliche Besprechung von uns.

Denn das hat diese in Inhalt und Gestaltung äußerst liebevolle und zudem sowohl für Mauerinsider (sprich DDR-Bürger), als auch für Maueroutsider (alle anderen) hochinteressante Werk auch verdient. Auch weil immer wieder geschickt über den Tellerrand geblickt wird, wie zu Beginn des Buches, wo erst einmal eine zeitgeschichtliche Einordnung in die Spätsiebziger/Frühachtziger vorgenommen wird, an Dinge wie den Traumzauberbaum und den Sonderzug nach Pankow erinnert wird.

Eine Geschichte, die zeigt, dass Jugendliche in Ost und West sich in den 1980er-Jahren schon viel ähnlicher waren, als sie selbst damals wussten.

Man liest darüber, welche Möglichkeiten des Kontaktes mit westlicher Popkultur im Osten bestanden (Westfernsehen, Westradio etc.), wie sich New Wave und Neue Deutsche Welle entwickelten und daraus auch im Osten neue Musik entstand. Immer wieder werden die medialen Möglichkeiten und Ereignisse der beiden deutschen Staaten gegenüber gestellt. Bunte Blättchen, Bravo, musikalische Auswahl, RIAS und Formel Eins hier, Melodie & Rhythmus, Amiga-Platten, DT64 (immerhin!) und Bong (nein, nicht das Mute-Label!) dort.

Schließlich wird der Bogen zu Depeche Mode und deren stetig wachsender Popularität (in Ost und West) geschlagen, die Einzigartigkeit der Band in ihrem Spagat zwischen massentauglichem Pop und Untergrundfaszination herausgearbeitet. Und natürlich widmen sich Lange/Burmeister dann ausführlich dem Hauptthema – der sich ab Mitte der 80er zunehmend entwickelnden, sehr speziellen Fankultur in der DDR.

Wie man versuchte, sich wie die Idole zu kleiden und zu frisieren, was für Aufwand mitunter betrieben wurde, um überhaupt an die Musik zu kommen, mit welcher Detailvernarrtheit und Fantasie vorgegangen wurde bzw. vorgegangen werden musste. Selbstverständlich ist auch das berühmte DDR-Konzert von Depeche Mode in der Berliner Werner-Seelenbinder-Halle ein Thema.

Da schon kaum jemand auf ein Konzert kam und in den Discos die obligatorische Depeche Mode-Songrunde viel zu schnell zu Ende war, brauchte es Partys, auf denen abendfüllend Depeche Mode gespielt wurde. Und zwar laut.

Ein großer Teil des Buches beschäftigt sich mit den zahlreichen Fanclubs in der DDR, wie diese sich auch untereinander vernetzten und jeden Informationsschnipsel über die Band und deren Musik sammelten. Wie die ersten Fanpartys entstanden, was die Staatssicherheit davon hielt (wenig, jedoch gab von es von jener Seite überraschend wenig Vorfälle, vielleicht auch, weil diese Fanszene ihren Höhepunkt erreichte, als die DDR-Organe schon ganz andere Sorgen hatten).

Und alles wird gewohnt ausgiebig mit Fotos und einzigartigen Zeitdokumenten unterfüttert, so dass wir dieses Schmuckstück von einem Sachbuch natürlich nur jedem empfehlen können.

P.S. Die Lesetour läuft bereits auf vollen Touren, geht hin, es lohnt sich (weitere Termine sind in Vorbereitung):
18. April Berlin, AUSVERKAUFT, Lesung & Dokfilm, Pfefferberg Theater
25. April Berlin, AUSVERKAUFT, Lesung & Dokfilm, Pfefferberg Theater
08. Mai Chemnitz, Lesung & Dokfilm, Villa Esche
19. Mai Leipzig, Lesung & Dokfilm im Rahmen des Wave-Gotik-Treffens
23. Mai Annaberg-Buchholz, Alte Brauerei
21. September Potsdam, Waschhaus
03. November Chemnitz, Lesung & Dokfilm, Brauclub
10. November Wolfsburg, Lesung & Dokfilm

P.P.S. Sascha und Dennis waren gerade in den Elektro Beats, Olaf Zimmermanns legendärer Sendung auf Radio Eins, zu Gast. Das Interview mit ihnen kann in den nächsten Tagen noch hier nachgehört und heruntergeladen werden.

Letzte Aktualisierung: 18.4.2018 (c)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

18
Kommentare

  1. 19.4.2018 - 18:35 Uhr
    5

    habe gerade FFO erleben dürfen..

    klasse Doku – sehr sehenswert, Glückwunsch all denen die das noch vor sich haben … und wie gut sich die DM-Fans von früher gehalten haben :-))

  2. Micha
    19.4.2018 - 13:32 Uhr
    4

    Erinnerung Friedrichshain 86

    Hatte damals bis einschließlich BC alle LPs als Erstkopie einwandfrei auf Kassette überpielt, eine gute Grundlage also erstmal. Nun war es etwas schwieriger an die B-Seiten der Singles und Maxis zu kommen, mein Kumpel Sperling hatte ziemlich viel, allerdings in schlechter Qualität. Diese nochmal zu überspielen wäre sinnlos gewesen, da hätte ich auch gleich selbst singen können. Also fragte ich ihn, Hej Sperling, wer könnte denn die Songs noch haben? Er meinte: Geh doch zu Homuth in die Gabelsberger? und frag den! Ich also hin, geklingelt, Mutter macht auf: Zu wem willst du denn? Und ich: Zu Homuth. Peinlicherweise hatte ich keinen Vornamen genannt bekommen und auch nicht erfragt. Er war allerdings nicht da, paar Tage später hat es dann aber geklappt und Work Hard, In your Memory etc. fanden den Weg zu mir. Die Freude darüber war damals so groß, sie wurde nie wieder auch nur ansatzweise durch irgendeine CD o.ä. getoppt.

    • CTA83
      19.4.2018 - 17:36 Uhr
      4.1

      Jeder...

      aber auch jeder Song war einem ein unbezahlbares Juwel.
      Waren das herrliche Zeiten – ich vermisse sie!!!
      Ps. Das Überspielen war einfach spitzenmäßig und aufregend

      • Thommy Popshow
        19.4.2018 - 18:01 Uhr

        Jeder... aber auch jeder Song war einem ein unbezahlbares Juwel.

        … ist das heute nicht auch so??

      • CTA83
        20.4.2018 - 9:11 Uhr

        @Thommy Popshow

        Für mich nicht mehr – da Qualitätsmangel !!!

      • Artur
        20.4.2018 - 11:37 Uhr

        Leider nicht!

        DM’s Sound damals war schon etwas völlig anderes und besonderes. Da lief es einem beim ersten Hören eiskalt den Rücken runter und man bekam Gänsehaut. Das ist seit Ultra nicht mehr so, mit ganz wenigen Ausnahmen.

    • Kira
      20.4.2018 - 18:10 Uhr
      4.2

      Mir läuft es auch eiskalt den Rücken runter...

      … beim hören von alten Liedern, aber sicher nicht aus Wohlgefallen. Was seit ihr für angebliche Fans, wenn euch die Songs nicht mehr gefallen? Jedes Kommentar dieser Art (CTA83) an dieser Stelle ist echt überflüssig. Gezieltes Schlechttrollen nennt sich das. Immer ein schlechtes Kommentar dabei. Egal was einer schreibt.

      • CTA83
        20.4.2018 - 19:27 Uhr

        Ja,Ja...

        immer diese ganz Schlauen hier. Einfach grauenhaft!!! Können mit konstruktiver Kritik nix anfangen. Fühlen sich immer persönlich angegriffen. Erwachsen werden!!!

      • CTA83
        20.4.2018 - 19:37 Uhr

        Mein letzer...

        Kommentar gilt natürlich

        @Kira

      • Artur
        20.4.2018 - 21:06 Uhr

        Schlechtrollen

        wollte hier natürlich niemand.

        Thommy Popshow hat eine Frage in den Raum geworfen und einige User haben darauf geantwortet und Ihre ganz persönliche Meinung kundgetan.

        Dies war natürlich absolut daneben und ich entschuldige mich in aller Form dafür. Selbstverständlich sind die alten Songs und Alben absolut grotig und alles seit Exciter Meilensteine der Musikgeschichte.

    • 20.4.2018 - 21:42 Uhr
      4.3

      Ne also wirklich… damals in den achtzigern da haben doch Depeche Mode noch so ekligen Synth-Electropop nur mit Synthesizern und Samplern gemacht, da stehen die neu hinzugekommen DM-Fans so ab der Exciter oder später Phase nun gar nicht darauf. Und überhaupt erst mit Songs wie Heaven, Peace oder Going Backwards wurden sie zur der Kultband die sie heute sind.

      • Nightflyer
        6.5.2018 - 8:34 Uhr

        Nightflyer

        Psst…
        Nicht so laut! Sonst kommen gleich wieder solche Schmalspurkommentare wie „Ihr ewig Gestrigen“, oder „Ihr seit doch gar keine richtigen DM-Fans mehr“ usw.
        ;))

  3. 18.4.2018 - 21:11 Uhr
    3

    Die letzten Tickets für den 25. April - Lesung in Berlin!

    Depeche Mode Fans aufgepasst – ein einmaliges Special erwartet euch am Mittwoch, 25. April 2018 – wir haben die allerletzten Tickets für die ausverkaufte Lesung von Sascha Lange & Dennis Burmeister in Berlin/ ihres Meisterwerkes BEHIND THE WALL – DM Fankultur in der DDR.

    Wir verbinden die Lesung & Autogrammstunde im Pfefferberg Theater mit unserer DEPECHE MODE BERLIN TOUR und starten am 25. April um 16:30 Uhr vor den Hansa Studios.

    Nach ein kurzer Einführung besichtigen wir die berühmtesten deutschen Tonstudios und widmen uns dabei speziell der Berliner Zeit von DM.

    Im Anschluss an die Studio Tour machen wir einen Transfer mit unserem Video Tourbus und schönen Anekdoten & Berliner Lieblingsorten der Boys in den Prenzlauer Berg – dort könnt ihr ab 20:00 Uhr die Lesung von Sascha & Dennis verfolgen!

    Bitte meldet euch für dieses Special vorab auf unserer Website an, die Verfügbarkeit ist limitiert:

    https://musictours-berlin.de/de/depeche-mode

    • Besserwisser
      19.4.2018 - 0:40 Uhr
      3.1

      „Wenn man nach den Sachbuch-Platzierungen bei bekannten Onlinehändlern…“

      Habe die Sachbuch-Platzierungen bei „den bekannten Onlinehändlern“ gecheckt. Wo genau soll denn dieses Buch, ähm sorry „dieses Meisterwerk“ da auftauchen?

      • Jana
        19.4.2018 - 11:41 Uhr

        Z.B. auf der amazon-Bestsellerliste

        … steht das musikgeschichtliche Buch „BEHIND THE WALL“ weit oben.

        Während einer (in unserer Stadt ausverkauften) Lesung habe ich mir dieses Buch gekauft (bekam es dort natürlich von Sascha Lange persönlich gewidmet). Wer mit Depeche Mode behind the wall groß geworden ist, wird viel Freude an dem Buch haben.

        Die Lesung und das gezeigte Video des damaligen Zwickauer Depeche Mode-Fanclubs sind echt hören- und sehenswert.

  4. alex-c
    18.4.2018 - 12:55 Uhr
    1

    ich kann mich noch genu erinnern, dass ich meinen damaligen bekannten/ michael jackson fan (12 Jahre) mit meinen besuchen von westberlin nach ostberlin die bravo rüber schmuggelte ;) und seine schwester sich auch darauf stürzte wegen DM

    • MLG
      18.4.2018 - 18:57 Uhr
      1.1

      @alex-c: Tja, DDR und Basildon-Musik plus -Guys passt irgendwie zusammen. Ist ‚dasselbe‘ ..gewesen.. . :-)
      Wie auch schon in dem einstündigen TV Beitrag als eine (von mehreren) Theorie(n) erwähnt.