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Review: Alphaville – Eternally Yours

Es ist ja nicht immer die beste Idee, die größten Hits (und viele weitere Songs) noch einmal im klassischen Gewand aufzunehmen. Warum sich das im Falle von Alphaville aber doch gelohnt hat, könnt ihr im Folgenden lesen.

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Was uns zu einer guten Currywurst bringt. Bei der entscheidet sich die Qualität nämlich oft aufgrund der Soße. Wenn man die Wurst in einer klebrigen Suppe ertränkt, ist nicht mehr viel zu retten. Ähnlich verhält es sich mit orchestralen Versionen von Popsongs. Wirft man ein uninspiriertes Klassikarrangement drüber, bekommt man fürchterlichen Kitsch. Hörbeispiele gibt es reichlich.

Und nun zu Alphaville. Die sind zum Glück nicht in die Currysoßenfalle getappt (zumindest größtenteils). Sondern haben sich – in Person von Marian Gold, zusammen mit den Arrangeuren Max Knoth und Christian Lohr – ausgiebig und aufwändig mit den Songs auseinandergesetzt und sie zum Teil ordentlich umgekrempelt.

Was zuerst auffällt: Der Sound ist mächtig gewaltig. Klar, das Filmorchester Babelsberg gehört nicht umsonst zu den gefragtesten Orchestern weltweit. Aber auch die Produktionsqualität kann da jederzeit mithalten. Wie sagte ein Mitglied im Depeche-Mode-Forum: Das war sicher keine billige Produktion.

Was auch sofort ins Ohr springt: Marian Gold singt einfach sensationell auf diesen Versionen, oft sogar besser als in den Originalen. Da ist eine Stimme wirklich gut gereift. Man höre sich einfach diese bezaubernde und mit ihrer Power in den Ohrensessel pressende Version von „Sounds Like A Melody“ an (oder auch die geradezu luftige Fassung von „Big In Japan“, siehe Videobeweis etwas weiter unten):

Alphaville - Sounds Like A Melody (Symphonic Version 2022) [Official Music Video] | Eternally Yours

Okay, das waren die Hits. Aber gerade die – und vielleicht würde der Marian uns da sogar zustimmen – sind ja oft am schwersten umzusetzen. So oft gespielt, bei so vielen Menschen mit Erinnerungen verbunden. Beispiel: „Forever Young“. Golds Gesang ist auch hier fantastisch, aber bei diesem Song ist die Kitschgrenze doch ein Stück überschritten worden.

Spannend wird es, wenn man die Stücke plötzlich ganz anders hört. Die beiden „Summer“-Songs zum Beispiel. „Summer In Berlin“ kommt fast zurückhaltend angeschlichen und öffnet plötzlich alle Herzen, „Summer Rain“ wechselt vom Jazzclub in die südamerikanische Strandbar. „Lassie Come Home“, schon immer heimliches Highlight der Diskografie, kommt so gefühlvoll daher, dass jeder jemals verschwundene Collie sich garantiert sofort auf den Heimweg macht.

Schön auch, dass unbekanntere Stücke wie „Dream Machine“, „Apollo“ oder „Welcome To The Sun“ berücksichtigt wurden. Obendrauf gibt es noch eine angemessen cinematische Umsetzung des Bondklassikers „Diamonds Are Forever“ und mit dem Titelsong, textlich zusammengesetzt aus Shakespeare-Zitaten, sogar ein komplett neues Stück.

Ja, auf die geliebten Elektronikspielereien vieler Originalsongs muss man hier verzichten. Aber man kann dieses Album (sehr empfehlenswert übrigens in der Triple-Vinyl-Variante mit 26 Tracks) auch einfach als willkommene Ergänzung und Variation genießen. Mit genau so viel gut abgeschmeckter Soße, wie man pro Portion möchte.

Alphaville - Big In Japan (Symphonic Version 2022) [official video]

„Alphaville – Eternally Yours“ kaufen:

PS: Im nächsten Jahr geht das sinfonische Erlebnis auf Tour:

13.04.23 Essen Philharmonie
14.04.23 Düsseldorf Tonhalle
15.04.23 Kassel Kongress Palais
05.05.23 Frankfurt Alte Oper
19.05.23 Bremen Die Glocke
20.05.23 Hannover Theater am Aegi
27.05.23 Freiburg Konzerthaus
28.05.23 Stuttgart Liederhalle
07.06.23 Leipzig Gewandhaus
11.06.23 Hamburg Laeiszhalle
12.06.23 Berlin Philharmonie
13.06.23 Dresden Kulturpalast 
16.06.23 München Isarphilharmonie
17.06.23 Nürnberg Meistersingerhalle
20.06.23 Dortmund Konzerthaus

www.alphaville.info

www.facebook.com/alphavilleofficial

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

10 Kommentare

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  1. Och nöö...

    Warum meinen viele einstige Musikgrößen ihre Werke nach gewisser Zeit unbedingt klassisch inszenieren zu müssen? Sicher erfährt der ein oder andere Titel dadurch eine Aufwertung, aber wie man auch hier wieder sieht, ist das eher die Ausnahme. Als Liebhaber der ersten beiden Alphaville-Alben muß ich sagen, daß diese so perfekt und zeitlos gut produziert sind, daß man an den Songs nicht mehr herumdoktoren sollte. Manche Dinge lassen sich einfach nicht verbessern! Insgeheim war hier wohl die Sehnsucht nach dem Glanz und dem Erfolg vergangener Tage die treibende Kraft…

    Antworten
  2. !

    Ein Geang , super Marian. Alles passt. Von Fahrstuhlmusik auf dem Niveau…das muss ein toller Fahrstuhl sein. Ich würde wahrscheinlich mit diesem den ganzen Tag hoch und runter fahren…..

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  3. Hallo Spencer Music!

    … als ich das Video erstmals sah, dachte ich, Bud Spencer wäre von den Toten auferstanden ^^^. Aber ‚let‘s focus on music‘: Ich bin bei Thomas, dass die Kitschgrenze mehrfach überschritten wurde. Das Orchester arbeitet zwar sauber, tut aber auch nur das, was die Partitur vorgibt. Aber genau da – bei der Instrumentierung – hat man sich vielleicht da und dort etwas zu sehr verkünstelt und Dinge verkompliziert, die einfach ‚leaner‘ besser rüberkommen. Die Klassiker sind halt auch schon etwas ausgelutscht – ‚A Victory of Love‘ ist (zumindest für mich) noch eine der frischeren und gelungeneren Tracks . Gesanglich schrammt der gute Marian an einigen Stellen für mich bereits am Hosentaschen-Pavarotti vorbei. Weniger (krampfhaft) Mühe geben wäre ehrlicher und klarer. In der Summe wohl eher was für echte Alphaville-Fans.

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    • es wäre einfach nur nett gewesen bei der Musik zu bleiben und nicht Marian mit wirklich dummen Sprüchen zu beleidigen…

  4. Glööckler

    Ich höre sehr viel Klassik und gute Film Musik. Das Arrangement ist hervorragend und sensationell umgesetzt. Der Kitsch kommt dann leider mit dem Schlagzeug, um es umbedingt noch als Pop durchzuwinken. Das hat schon teils was von André Rilieu der 80iger, leider. Da hätte man bei der Produktion unbedingt mehr Mut zeigen müssen und auf das Schlagzeug komplett verzichten sollen! Die Stimme von Marian ist klasse, wi in der Rezension geschrieben; gereifter…aber abseits von der Musik…bin ich die einzige, die der Meinung ist dass Marian immer mehr aussieht wieder Glööckler in Plus-Size?

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    • Haha ja ich musste auch etwas an Glööckler denken :D Das Video von Big in Japan ist auch insgesamt sehr „strange“ – oder eher „weird“ ?

      Jedenfalls finde ich es interessant, wie verletzlich Alphaville doch ist – die ersten zwei Alben sind ja wirklich absolute Klassiker unter den 80ies Urgesteinen, und mit „Afternoons in Utopia“ gab es nochmal ein Comeback. Über die Jahren schon einige erfolgreiche Wiedererweckungen – ich denke vor allem an „Simmer in Berlin“ mit Schiller.
      (Gerade Schiller haben ja mit anderen Produktionen schon das klanglich sehr schwierige Spagat Elektronik-Orchester hinbekommen.)

      Aber tatsächlich finde ich das hier eher verstörend, sowohl soundtechnisch als auch musikalisch – vielleicht ist es gerade mit der Ambition, das ganze obendrein noch live ausführbar zu machen im Off gelandet?

    • sorry.. meinte „comeback mit The Breathtaking Blue“ – Afternoons in Utopia war ja das 2.Album, das sowieso cool ist!

    • Klassik-Jenni

      auch für dich gilt du Klassik Spezialistin:
      wenn man ein Statement abgibt für was gutes und wunderschönes, dann bleibt man dabei.
      Was du vorne aufgebaut hast, hast du hinten wieder eingerissen mit deiner persönlichen Beleidigung Marian’s, indem du ihn im Zuge mit einem anderen benannt hast…

  5. Fahrstuhl-Musik

    Als grosser Fan der 1. Std. wusste ich schon bei der Ankündigung, dass das Album nur enttäuschend sein wird.
    Aber ich finde es noch schlechter. Der Sound klingt sehr dünn, die Drums passen soundtechnisch nicht zum Rest.
    Man kann das mal mit einem Song machen, dann ist es ganz nett. Aber das langweilige Album passt besser als Fahrstuhl-Musik in einer Senioren-Residenz.

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    • Fahrstuhltäter

      wie kannst du es wagen, ein so schönes, erfolgreiches Werk auf eine Fahrstuhl Qualität herab zu setzen.
      Warum gibt man ein Statement ab, wenn man nur Blödheiten und absolut nichts zu sagen hat…

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