Radioaktivists – Radioakt One

Nein, das ist keine Superband für Brillenmodels. Nein das ist keine Superband für Mobydoubles. Aber vielleicht ist es ja eine Superband für die Electro-Szene. Die Namen Daniel Myer (Haujobb, Architekt), Krischan Wesenberg (Rotersand, Future Lied To Us), Frank Spinath (Seabound, Edge Of Dawn) und Sascha Lange (ja genau, unser Lieblings-Depeche-Mode-Fanbuchautor) sprechen dafür.

Die Radioaktivists gibt es gar nicht erst seit gestern. Die Checker werden es wissen: Bereits 2012 erschien ein Track („Pieces Of Me“) auf dem „Dependence 2012“-Sampler. Aber weil die Herren eben alle nicht über Beschäftigungsmangel klagen können (die oben erwähnten Tätigkeitsfelder sind ja noch nicht mal vollständig), hat es mit dem ersten gemeinsamen Album doch bis Ende 2018 gedauert.

Wie klingt das denn nun so? Die ersten Takte mögen da in die Irre führen, denn der geschick gewählte Opener „Radioactive“ eröffnet erst einmal mit Bläserklängen. Doch in Sekunde 17 setzen die Electrosounds ein, und dann ist man da, wo man die Band auch nach den Einzelbestandteilen erwartet hätte: Im Synthiepop. Und die robotisch verfremdete Stimme (Langes), die hier übrigens sehr gut zum Stück passt, ist auch eine Ausnahme, danach wird eher unverzerrt gesungen.

Radioaktivists – Reach Out [taken from "Radioakt One", out on November 30th 2018]
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Womit wir aber schon beim kleinen Knackpunkt angekommen sind, ob man dieses Album mögen wird: Die beiden Stimmen. Frank Spinath kennt man da ja von seinen Bands, das ist solider Synthiepopgesang. Machste nicht viel verkehrt, auch wenn das nicht immer irre variabel sein mag. Entscheidend ist da die Güte des zugehörigen Songs – bei den eingängigen Hitanwärtern „Raiders“ und „Reach Out“ passt das sehr gut, auch beim atmosphärischen Closer „Leere“, bei mittelmäßigen Stücken wie „Lovers“ vergisst man den Song schon mal kurz nach dem Hören. Schwieriger liegt der Fall bei Sascha Lange, der zu vier Songs die Stimme (und den Text) beisteuert. Und der ist eben ein toller Autor und supersympathischer Typ, aber echt kein großer Sänger. Was schade ist, denn „Skin And Bones“ und „Sinner“, die durchaus in Teilen an eine gewisse Band erinnern, gehören zu den stärksten Stücken auf dem Album, hätten aber eine etwas kraftvollere Performance am Mikrofon gebrauchen können.

Was es aber dann letztlich wieder herausreißt: Die Produktion ist satt und erste Sahne, nichts Geringeres durfte man von einem Könner wie Daniel Myer erwarten, und auch Krischan Wesenbergs sonstige Bands sind ja durchaus für einen klaren, guten Sound bekannt. Immer wieder erfreuen hier auch kleine Details das Ohr. Dass man im Großen und Ganzen nur ab und zu über Szenegrenzen hinauslugt, war beabsichtigt und geht dann in Ordnung. Wie das Album insgesamt ja auch.

Die depechemode.de-Wertung:
7 / 10

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http://www.facebook.com/Radioaktivists

Letzte Aktualisierung: 7.1.2019 (c)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

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  1. George
    9.1.2019 - 21:27 Uhr
    1

    Verschieden

    So verschieden können die Geschmäcker sein:
    Gerade I want you (Sascha Lange) gehört wohl mit zum Besten, was in den letzten Jahren S-Pop das Licht der Welt erblickte.

    Für mich nach x-mal Hören: 9.5/10

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