Der Review-Weihnachtskalender - Türchen 17-24 ;-)

Querbeats – Rückblick 2018: Juni

Mexiko! Südkorea! War was? Ach so, Fußball-WM. Sicher auch ein Grund, warum im Juni einige Platten weniger herauskamen. Wir haben trotzdem zehn schöne Alben gefunden und setzen damit jetzt zügig unseren Jahresrückblick fort:

Frank Wiedemann und Kristian Beyer sind doch schon seit Anfang des Milleniums als Âme unterwegs. Jede Menge Singles, Clubhits, Remixe, Compilations, Livesachen – da soll „Dream House“ ihr Debütalbum sein? Tatsächlich! Jedenfalls hat sich die Mühe gelohnt, mit illustren und zum Teil legendären Gästen wie Gudrun Gut, Joachim Rödelius und Matthew Herbert geht die lohnenswerte Soundreise nicht nur durchs House, sondern auch Techno, Krautrock und Pop werden beigemischt. #

Aydo Abay und seine verschiedenen Bands und Projekte (von Blackmail, Ken und Crash:Conspiracy bis zu Abay eben) waren und sind stets Garanten für starke Alben. Nächster Beleg: „Love & Distortion“. Abay und seine Mitstreiter haben dieses Händchen für den Popmoment, ob sie nun einen geradlinigen Rocker heraushauen, mit „Plastic“ eine geniale Zappa-Hommage hinlegen oder (auf ihrer „Conversions“-EP) Abba und Massive Attack covern. Immergut. #

Jetzt wird aber für eine gute Dreiviertelstunde an den Nerven gesägt. Wer sich noch an die Mediengruppe Telekommander erinnern sollte, ahnt vielleicht, wie penetrant einem die Stimme von Sebastian Cleemann, Sänger bei den schwer googlebaren UNS, im falschen Moment auf den Zeiger gehen kann. Aber: Was die auf ihrem zweiten Album „Alles was wir machen ist Kunst“ abfackeln, ist, tja, Kunst. Mit bissigen Texten und fettem Electropunk. Fetzt. #

Konstantin Gropper entwickelt ja gerne Konzepte für die Alben von Get Well Soon. So auch auf „The Horror“, wo er eine ganze Platte um drei wiederkehrende Albträume strickt. Und einen klaren Kontrapunkt zum fast fröhlich-poppigen Vorgänger „Love“ setzt. Nach der Leichtigkeit folgt die Schwere, Gropper hat die Träume so opulent orchestriert und arrangiert wie nie zuvor, dazu gibt es einen vierteiligen Film, der weit über den Begriff „Musikvideo“ hinausgeht. Nun lasst ihn endlich einen richtig großen Film untermalen! #

Gui Boratto durfte mittlerweile auch schon Depeche Mode supporten (in seiner brasilianischen Heimat), und seinem fünften Album „Pentagram“ ist eine Vorliebe für poppige Elektronik gut anzuhören. Aber natürlich vernachlässigt Boratto auch seine technoide und houseliebende Ader nicht. Sequencer, Module und Live-Drumming gehen eine, von ein paar mittelmäßigen Tracks abgesehen, stimmige Kombination ein. #

 

Unser Album des Monats Juni lieferten guten alte Bekannte, nämlich De/Vision, mit „Citybeats“ ab. Die Rezension könnt ihr hier nachlesen. #

 

 

 

 

 

Die Neue von Trent Reznors Nine Inch Nails haben wir dann doch noch mit reingepackt, obwohl „Bad Witch“ strenggenommen nur an der Albumgrenze kratzt (6 Songs, 30 Minuten) und eher im Gesamtpaket mit den beiden Vorgänger-EPs „Not The Actual Events“ (laut und so industrial wie lange nicht mehr) und „Add Violence“ (wieder elektronischer und dichter an den Soundtracks, die Reznor mit Atticus Ross aufnimmt) zu betrachten ist. Auf dem Finale dieser Kurztrilogie kommt nun alles zusammen: Wütendes Gepolter, Soundexperimente, Bowie-Hommage und Atmosphärisches. #

Ob die Gorillaz es letztes Jahr mit der ellenlangen Gästeliste auf „Humanz“ etwas übertrieben haben? Keine Ahnung, jedenfalls hört man auf dem Addendum „The Now Now“ nun endlich wieder viel mehr von Damon Albarns wundervoller Stimme. Nicht nur das macht dieses zum besseren Album, es liegt auch am angenehmeren Fluss der Songs und dem lässig-entspannten Sound, den man getrost als Synthiepop bezeichnen kann. #

 

Florence + The Machine waren auf „High As Hope“ wohl so optimistisch wie nie zuvor unterwegs. Die Kollegin Eleni hat sich detailliert hier, da und dort mit den zugehörigen Videos beschäftigt. #

 

 

 

Und zum Abschluss: Let’s Eat Grandma. Nein, das soll keine Aufforderung sein, höchstens zum Hören von„I’m All Ears“. Das ist tatsächlich bereits das zweite Album von Rosa Walton und Jenny Hollingworth, dabei sind die erst 18 bzw. 19 Jahre alt. Live pendelt das (wie die Besucher der Konzerte der von ihnen supporteten Chvrches bestätigen können, denen sie hier mit „It’s Not Just Me“ quasi einen Hit widmen) zum Teil noch zwischen unbeholfen und schräg-unterhaltsam, aber auf Tonkonserve sind Ideenreichtum und Experimentierwut der beiden Norwiches äußerst erfrischend.


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Letzte Aktualisierung: 28.12.2018 (c)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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