Der Review-Weihnachtskalender - Türchen 4:

Querbeats – Rückblick 2018: Februar

Huch, wir sind ja schon wieder in Rückstand geraten. Na dann schleunigst weiter mit unserem Jahresrückblick, der Februar war rappelvoll mit spannenden Platten:

 

Den Februar eröffnen zwei sehr feine, bereits ausführlich von uns besprochene und empfohlene Alben. Erstens Kat Frankie und „Bad Behaviour“ (Rezension hier, Interview dort). #

 

 

 

 

Und zweitens Tobias Siebert mit „Breaking with Habits“, dem zweiten Album seines Soloprojektes And The Golden Choir (Rezension hier, ausführliches Interview folgt noch). #

 

 

 

 

Mit alten Bräuchen brechen, nun das ist nicht so Sache der Simple Minds. Außer damals in den 80ern, als sie plötzlich von der respektierten Untergrund- zur Mainstreamband wurden und dies seither auch blieben. Allerdings trotzdem immer irgendwie liebenswert, so auch auf „Walk Between Worlds“. Von ein paar halbgaren Songs und käsigen, mitunter fast trancigen Sounds abgesehen, haben sie das Hymnische immer noch drauf. Insgesamt ein okayes Album. #

Sexy ist sie, die Musik von Rhye, nicht nur (aber vielleicht auch?) wegen des stets konsequent körperbetonten Artworks. Das zweite Album des ehemaligen Duos, das Mike Milosh mittlerweile allein bestreitet, soll nun gänzlich ins „Blood“ gehen, dafür gibt es zu den sanft-elektronischen Sounds neben Verzierungen (gerne durch Streicher) ein paar mehr Beats, über die er seine gerne mal mit Sade verglichene Stimme legt. Sinnlich (später im Jahr folgt noch eine Remixversion des Albums, dazu an anderer Stelle mehr). #

Die neue IAMX ist dem Rezensenten dagegen irgendwie durchgerutscht, wie das passieren konnte, lässt sich nur durch skiurlaubsbedingte Amnesie erklären. Aber seltsame Geisteszustände passen ja wiederum zur Musik von Chris Corner. Der ja zuletzt echt fleißig war. Aus dem Nichts kam letztes Jahr mit „Unfall“ Corners experimentell-instrumentale Seite zum Zuge, nun folgt recht flott „Alive In New Light“. Wieder typisch dunkle IAMX-Kost und somit natürlich empfehlenswert, auch wenn es hinter früheren Großtaten wie „Kingdom Of Welcome Addiction“ oder „The Unified Field“ doch ein ganzes Stück zurückbleibt. #

Die Hookworms aus Leeds haben dagegen ihren Sound mit ihrem dritten Album grundlegend geändert. Früher war das eher gitarrenorientiert und laut, doch auf „Microshift“ regieren die Synthesizer. Krautrock, Post-Punk und gar Electropop, LCD Soundsystem, the Postal Service und ein bisschen Kraftwerk und Neu! Angenehme Überraschung! #

 

 

Zu den Alben, denen man ruhig zwei, drei Durchläufe mehr gönnen sollte, gehören die von Son Lux. Ryan Lott und seine Mitstreiter fordern den Hörer auch auf „Brighter Wounds“ gerne heraus. Da stolpern die Beats, spielt das eine oder andere Instrument scheinbar (!) quer, werden plötzliche Breaks gesetzt und Songs in ganz andere Richtungen gelenkt. Referenzen: Sufjan Stevens und James Blake. #

 

Unser Album des Monats Februar kam dann von den wieder erfrischten Franz Ferdinand und hieß „Always Ascending“ (Besprechung hier). #

 

 

 

 

Fast zehn Jahre ist es her, als MGMT mit ihrem Debüt und den Megahits „Kids“ und „Time To Pretend“ als Zukunft der Popmusik galten. Oder so. Wollten sie aber nicht. Und versteckten ihre folgenden Platten unter psychedelischen Nebeln, in denen ihnen bald keiner mehr folgen konnte. Was für eine Überraschung ihnen dafür nun mit „Little Dark Age“ gelungen ist! Die Hits der 80er durch ältere Psychedelik und heutige Wobbligkeit gespiegelt. Und ein paar unverschämte Ohrwürmer obendrauf. Verrückt! #

Das nächste Album von Beach House steht im Frühjahr an, munkelt man im Winter. Aber guter Dreampop geht ja auch in der kalten Jahreszeit. Außerdem ist da in Australien Sommer, und da kommen Star Kendrick und Toma Banjanin, die sich Geowulf nennen, her (auch wenn sie mittlerweile Londoner sind), und so klingt „Great Big Blue“ auch irgendwie. Strand, Sonnenuntergang, elektronisch verziergiebelte Träumereien. #

 

Wir erwähnten bereits den Post-Punk. Der steckt auch tief in der Musik von Ought, die jedoch auf ihrem dritten Album „Room Inside The World“ etwas mehr Helligkeit in ihren Sound lassen und an einer Stelle sogar richtigen Synthiepop zelebrieren. Ansonsten gehen die Verweise aber eher in Richtung Talking Heads (sicher auch wegen Sänger Tim Darcys Stimme) und XTC. Was ja keine Schlechten sind. #

Ist das jetzt mutig oder doof, wenn man ein entscheidendes Merkmal seiner Musik weglässt. Entscheiden Sie selbst am Fallbeispiel von Fritz Kalkbrenner und seinem fünften Album „Drown“. Der Fritz hat dieses nämlich rein instrumental eingespielt, also ohne seine Stimme, die ja auf den letzten Alben (und zu Gast bei Bruder Paul) durchaus prägend war. Er kehrt also, wenn man so will, zu seinen Wurzeln zurück. Das Positive: Die zuletzt doch eingeschleppte Berechenbarkeit ist dadurch halbwegs weg. Das Negative: Ist sie doch nicht ganz, denn so manches plätschert dann eben zu belanglos dahin, es fehlen die Highlights. #

Und dann war da noch Fever Ray und ihr zweites Soloalbum „Plunge“, digital bereits Ende 2017 veröffentlicht, physisch Ende Februar 2018. Keine geschickte Strategie, wenn Sie uns fragen. Und auch ansonsten etwas zwischen den Stühlen, einerseits fehlt irgendwo die Magie des ersten Albums, andererseits beherrscht Karin Dreijer immer noch diese ganz speziellen, teils außerweltlichen Sounds.

 

 

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Letzte Aktualisierung: 13.12.2018 (c)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentar

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  1. Mike
    10.12.2018 - 9:30 Uhr
    1

    Rezession IAMX

    In der Tat skandalös, daß dieses Album unterging. Es ist sicher nicht das stärkste Album, der Vorgänger “Metanoia“ war meiner Meinung nach eines der besten von Chris Corner und Co. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.

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