Mit The xx, Elbow, Dapayk & Padberg u.v.m.

Querbeats – Roundup erstes Halbjahr, Teil 1

Schon längst mehr als das halbe Jahr 2017 vorbei? Die Zeit rast aber auch wieder. Mit einem politischen Rückblick verschonen wir euch, das macht nur schlechte Laune. Stattdessen widmen wir uns ein paar Platten, die wir hier noch nicht besprochen haben (und erinnern auch kurz an unsere Empfehlungen). Teil 1 (Teil 2 folgt morgen) – Januar bis März, gleich 22 Alben sind am Start:

Der Januar fängt schon mächtig gewaltig an. An nur einem Freitag (14.01.) erscheinen vier Spitzenalben. Neben den auch hier gefeierten Klez.e („Desintegration“) wären da natürlich The xx mit ihrem lange erwarteten dritten Album „I See You“. Und man wird nicht enttäuscht, obwohl sich der Sound durchaus verändert hat. Wie erwartet hat die erfolgreiche Nebentätigkeit von Jamie xx (als DJ und v.a. mit seinem Soloalbum „In Colour“) Spuren hinterlassen. Mehr Farbe, Beats und Elektronik, ja fast so etwas wie Fröhlichkeit. Aber die Grundmelancholie und die einander wunderbar umkreisenden Stimmen von Romy Madley Croft und Oliver Sim sind geblieben und zauberhaft wie eh und je. Plus: Mit „On Hold“ gelingt ein satter Hit.

Gleiche Woche, gleiche Güte – „Rennen“, das zweite Album von Christopher Taylor alias SOHN. Der hatte sich mit seinem Debüt „Tremors“ aus einem Schlag zum Klassenbesten der James-Blake-Schule aufgeschwungen. Was er mit diesem atmosphärischen Nachfolger untermauert. Das klickklackert düster durch spannende Elektronikwelten, dass es eine Ohrenfreude ist. Hier kann man bei jedem Hören etwas entdecken. # Was garantiert auch für „Migration“ von Bonobo (Simon Green) gilt. Der Brite war lange und vor zahlenmäßig stetig anwachsendem Publikum getourt und sucht nun auf diesem zu guten Teilen unterwegs aufgenommenem Album Halt und Heimat. Dabei hat er in seine entspannt-warmen Tracks so viele interessante Details eingewoben, dass nach Album Nr. Sechs viele weitere Fans (so auch der Rezensent) hinzugekommen sein dürften.

Freitag drauf (20.01.), es bleibt ein Klassejanuar. Austra veröffentlichen ihr starkes drittes Album „Future Politics“ (Hier und hier könnt ihr auch noch unser Interview mit Katie Stelmanis nachlesen), und der französische Synthieexperte Vitalic bläst mit „Voyager“ einen knallbunten Synthiepop-Luftballon auf. Die Single „Waiting For The Stars“ ist jetzt schon einer der Ohrwürmer des Jahres, aber es gibt noch mehr Hörenswertes auf diesem gute Laune verbreitenden Scheibchen.

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Den Februar eröffnen in gewohnter Großartigkeit Elbow, die uns auf Album Nummer Sieben „Little Fictions“ erzählen. Dass erstmals ein Bandmitglied nicht mehr dabei ist (Drummer Richard Jupp), merkt man den Mannen um Guy Garvey kaum an, höchstens daran, dass die Elektronik und die Beats ihren Einfluss leicht verstärkt haben. Die Songs gehen neben dem Ohr nach wie vor direkt ins Herz. Zwischen anrührenden Balladen und euphorischen Hymnen gibt es jede Menge neuer Highlights für den prächtigen Songkatalog der Mancunians. # Fluffigen Electropop im Winter veröffentlichen? Warum denn nicht, dachten sich wohl Ten Fé aus London und knipsen auf ihrem Debüt „Hit The Light“ gleich mehrere Lichtschalter auf einmal an. Zwischen Softrock- und -pop und eingängigem Synthiepop (die elektronische Komponente wurde durch Produzent Ewan Pearson deutlich verstärkt) ist das manchmal etwas zu plüschig, oft aber eben auch sehr angenehm zu hören.

Bleiben wir bei leicht und eingängig. „Simple Forms“, das dritte Album von The Naked And Famous ist hierzulande (und wohl auch in Resteuropa) etwas untergegangen. War die Pause zu lang, ist die Zeit von Hymnen a la „Young Blood“ (aus der Liga gibt es hier mit „Higher“ Nachschub) vorbei? Wir hoffen nicht, dazu mögen wir die Neuseeländer zu sehr, auch wenn nächstes Mal etwas Abwechslung wirklich zu wünschen wäre. # Jetzt aber doch etwas mehr winterliche Melancholie – womit wir bei „Venn“, dem Zweitling von Clock Opera wären, den wir hier vollumfänglich empfehlen möchten. Erstaunlich, wie man die Band sofort wieder erkennt, trotz des sich doch klar vom deutlich helleren und auf den ersten Blick wuchtigeren Debüt absetzenden Sounds. Was am markanten Falsett von Guy Connelly liegt, aber auch an den stets interessanten Songstrukturen – und an den dann eben doch herrlich muskulösen Synthesizern.

Ist das 1 „Magic Life“, vong Bilderbuch her, oder was? Die österreichischen Frechdachse trauen sich was, das ist klar. Sexfunkrockpop der schwitzigen Sorte, kein Ausruhen auf den verdienten Lorbeeren von „Schick Schock“. Da gniedelt es neben ein paar neuen Hits zwar leider manchmal so mit ihnen durch, dass man mangels zu enger Hosen nicht jeder Ausfallschrittpose folgen mag, aber letzten Endes beweisen Bilderbuch sich als ziemlich einzigartig. # Ziemlich einzigartig ist aber auch die Musik, die das Einar Stray Orchestra so zelebriert, das ist seit „Politricks“ (2014) klar. Die Norweger, die man vielleicht am ehesten noch mit Get Well Soon vergleichen kann, vereinen auch auf „Dear Bigotry“ orchestrale Opulenz mit minimalistischem Pop, Dramatik mit Eingängigkeit, Chöre mit Beats. Fabelhaft.

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Im März stehen für unsereins natürlich Depeche Mode und „Spirit“ über allem. Auch unsere Monatsempfehlung Goldfrapp beeindruckt mit „Silver Eye“. Doch da ist noch so einiges mehr, der Monat platzt albumtechnisch aus allen Nähten. Zum Beispiel Dapayk & Padberg. Die haben hier ja ohnehin einige Steine im Brett, da sie ein feines Album nach dem anderen veröffentlichen. Diese Serie reißt auch mit „Harbour“ nicht ab. Nach dem in schottischer Abgelegenheit aufgenommenen und recht düsteren „Smoke“ geht es wieder etwas fröhlicher zu. Doch keine Sorge, Radiopop gibt es hier weiterhin nicht, obwohl der Gesangsanteil von Eva Padberg über die Jahre immer größer geworden ist. Aber ihr Mann Niklas Worgt bastelt zuverlässig minimalistische Beats und einfallsreiche Sounds dazu. Heimliche Lieblingsband. # Ein echter Geheimtipp ist Alice Jemima, 22-jährige Debütantin aus der schönen südenglischen Grafschaft Devon. Auf dem gleichnamigen Album zeigt sie, wie man mit einfachen Mitteln – zurückhaltender Electropop, Gitarre, sanfte Stimme – Atmosphäre erzeugen kann. Plus: Eine tolle Coverversion von „No Diggity“!

Was haben die Vier von den Temples denn (ein)genommen? Sich nach dem weltweit gefeierten Debüt „Sun Structures“ so eine Frechheit wie „Volcano“ herauszunehmen! Könnte man denken, dachten einige. Schließlich werden viele der psychedelischen Schwaden des Vorgängers gegen knallbunte elektronische Popschnürchen ausgetauscht. Aber: Das funktioniert nach ein bisschen Eingewöhnung ganz prima. # Ganz prima funktioniert auch das neue Album von Adult. – nicht zuletzt dank der illustren „Detroit House Guests“, die sich Nicola Kuperus und Adam Lee Miller eingeladen haben. Da schnalzt nicht nur der Mute-Fan (der aber vor allem, nicht zuletzt erscheint das Album auch genau dort) mit der Zunge, wenn so markante Stimmen wie Michael Gira (Swans), Shannon Funchess (Light Asylum) und ganz besonders Douglas McCarthy (Nitzer Ebb u.a.) den Sounds zwischen knackigem EBM und Experimentalelektronik eine Stimme geben.

Dass Soulwax überhaupt nochmal ein richtiges Album aufnehmen würden, darauf hätte wohl nicht jeder gewettet. Mit 2 Many DJs und diversen anderen Projekten schienen die Brüder Dewaele ausgelastet. Doch dann tourte man doch wieder mit der Band und beschloss, für „From Deewee“ das exakt gleiche Setup wie live zu verwenden. Und zack, war das Album in einem Rutsch im Kasten – und es ist eine enorm trocken-elektronische Maschinenplatte mit fetten Drums geworden. Mehr davon bitte! # Wenn französische Electropopper am Werk sind, kommt oft etwas fluffig Leichtes heraus. Stehen sie dann noch auf Manchester-Sounds und 80er, ergibt sich so etwas wie „Without Warning“ von Juveniles. Ein Album, auf dem Jean-Sylvain Le Gouic es schafft, dass man eine Platte, die auch gut nur im Hintergrund laufen kann, immer wieder gerne auflegt.

Fotos sind eine Band, die sich wirklich mit jedem Album neu erfindet. Erst zackiger Nuller-Jahre-Indie, dann ein halber Fehlgriff, dann urplötzlich mit „Porzellan“ eine wunderbar atmosphärische Platte zwischen Wave und Shoegaze. Dann fast sieben Jahre nix. Nun „Kids“ – und was ist das jetzt? Die Jury ist, ehrlich gesagt, immer noch bei der Entscheidungsfindung. So lange nennen wir es In-alle-Richtungen-Pop mit einer ordentlichen Prise Kraut und freuen uns über die Rückkehr. # Ich schrieb einige Absätze höher (Hallo?! Alle noch da?) von einem der frühen Hits des Jahres. Einen weiteren hat wohl definitiv Jamiroquai mit „Automaton“ abgeliefert. Eine Science-Fiction-Hymne der Weltraumklasse! Okay, das gleichnamige Album hat nicht noch so einen Knüller drauf. Aber doch viel schnieken Jay-Kay-Funk, sehr geschickt und gewohnt cool mit neueren (elektronischeren) Einflüssen vermischt.

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Letzte Aktualisierung: 9.8.2017 (c)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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