Die Band, die Mitte Dezember das wohl letzte spannende Album des Musikjahres 2025 abgeliefert hat, eröffnete gleich kurz nach Neujahr das vielversprechende Konzertjahr 2026. Wir waren live dabei.
Da es eine Weile her ist, dass wir über Woods Of Birnam berichtet haben – damals zu den Alben „Grace“ (2018) und „How to Hear a Painting“ (2020) – frischen wir die Basics noch einmal auf: Fans von Depeche Mode kennen drei aktuelle (vor einer Weile waren es noch vier) Bandmitglieder sicher noch aus der Zeit, in der sie unsere Lieblinge als Support begleitet haben. Damals noch als Polarkreis 18 mit Felix Räuber am Mikrofon. Bei den nun auch schon seit knapp 15 Jahren aktiven Woods, wie sich die Dresdener gern selbst abkürzen, singt aber Christian Friedel. Und das sehr gut, doch dazu gleich mehr. Zunächst sei noch erwähnt, dass man Friedel auch als Schauspieler kennen könnte und sollte, u. a. von seinen starken Auftritten in „Babylon Berlin“ und „Zone of Interest“.
Nun haben die Woods also im Dezember ihr neues Album „Solaris“ veröffentlicht. Und wie das so ihre Art ist, gab es gleich ein ganzes übergeordnetes Konzept dazu. Nämlich den gleichnamigen Literaturklassiker von Stanislaw Lem. Dessen auch heute noch lesenswerte Utopie hat die Band kongenial auf einem von vorne bis hinten fesselnden Album vertont. Atmosphärische, die auf einem fremden Planeten spielende Science-Fiction-Story unterstreichende, Instrumentalstücke wechseln sich mit eingängigen Songs wie „Polytheria“ oder „100 Schlüssel“ sowie tanzbaren und sehr elektronischen Tracks wie „Echoform“ ab.
Diese überzeugende Platte steht dann auch zu einem großen Teil – neun der Albumsongs finden sich in der Setlist – im Zentrum der aktuellen Tour, die wir am 3. Januar im noch recht jungen Berliner Club Mikropol (direkt neben dem berühmten Metropol) besuchen. Während draußen dichtes Schneetreiben umherflockt, herrscht drinnen bei den ruhigen Stücken fast andächtige Stimmung. Hier kann Friedel, der ansonsten auch bei den unterhaltsamen Zwischenansagen jede Menge Sympathie ausstrahlt, seine Stimme besonders gut entfalten, mitunter nur vom Piano begleitet. Aber weil die kleine Bühne unter sehr geschickter Raumaufteilung mit einer ordentlichen Batterie an Synthesizern sowie Gitarren und Schlagwerk bestückt ist, kommen die Kollegen Grochau, Makolies, Pasora und Dreier auch ausgiebig zur Entfaltung. Dann tanzt und feiert auch das bunt gemischte Publikum. Frühere Highlights wie das schmissige „The Machine“ oder das brillante „Call to Arms“ werden begeistert aufgenommen. Und in der Zugabe schmilzt jede:r zum berührenden „Babylon Berlin“-Song „Du bist alles“ dahin.
Im Jahr 2026 wird man von der Band noch einige interessante Dinge zu hören und sehen bekommen, wie Friedel während des Konzertes andeutet. Unter anderem wird am 4. Juli in Dresden rund um den idyllischen Konzertplatz weißer Hirsch wieder das bandeigene Minifestival „Come to the Woods“ stattfinden, bei dem neben Woods Of Birnam befreundete Acts auftreten werden. Tickets gibt es hier. Lohnt sich bestimmt.
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