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Hot Chip – One Life Stand

Nach drei Alben, von denen zwei zu den besten, aber auch schrägsten Veröffentlichungen elektronischer Popmusik des letzten Jahrzehnts gehörten, wollen unsere Lieblingsnerds es im frisch eröffneten nächsten Jahrzehnt nun richtig wissen und veröffentlichen eine Platte, die so richtig spalten könnte. Was fast ein wenig paradox ist, denn „One Life Stand“ ist mit Sicherheit die bisher geradlinigste, manche werden sogar sagen, zugänglichste Scheibe der fünf Briten.

Doch eins nach dem anderen. Vor vier Jahren stürmten Hot Chip mit dem verspielten „The Warning“ und v.a. dem Überhit „Over And Over“ – erheblich unterstützt durch fantastische Liveauftritte, die nach wie vor zum Besten gehören, wie man elektronische Musik auf die Bühne bringen kann – die britischen Charts und die Indieherzen Europas. Noch weit vor dem später einsetzenden allgemeinen Charttrend zum elektrifizierten Pop. Zwei Jahre später folgte „Made In The Dark“, noch vielschichtiger, abwechslungsreicher, mit raffinierten Hits für die Tanzfläche, die an allen möglichen Stellen seltsame Wendungen nahmen und auch mit ein paar gefühlvollen Balladen.

So und jetzt zum „One Life Stand“. Jetzt machen sie Ernst. Mit einem Album, das den Fan beim ersten Durchgang durchaus erschrecken kann. Denn die erwähnten Ecken und Kanten, die verrückten Spielereien, die scheinen hier fast komplett zu fehlen. Auf einer Stromlinie fährt das Ganze Richtung Radio und macht dabei auch vor fiesem Vocodereinsatz plus Dosenstreichern („I Feel Better“), gewöhnungsbedürftigen Schnulzen („Slush“) und arg nach 90er-Synthetik müffelnden Tranceflächen („We Have Love“) nicht halt.

Doch genug gemosert, es folgt das erlösende ABER. Also: Aber Hot Chip haben es eben einfach drauf, selbst den genannten und zunächst als Schwachstellen erkannten Songs diesen speziellen Charme einzuimpfen, den nur diese komischen Käuze mit Hornbrille, Stoppelbart und Pullunder hinbekommen. Man entdeckt wieder diese typischen Eigenheiten, die Wärme im Detail, die Liebe zum Soul – und die tollen Songs.

Da wären natürlich zunächst die Elektropop-Hits zu nennen: Der Opener „Thieves In The Night“ mit seinen schwirrenden 80er-Synthies, das von Geigen veredelte und doch tanzbare „Hand Me Down Your Love“, der völlig zu Recht zur Single erwählte Titeltrack mit seinem Ohrwurmcharakter und seinen satten Synthies und das coole Albumfinale „Take It In“, das alten Meistern der Technomusik wie Derrick May huldigt.

Dazwischen finden sich aber auch wieder ruhigere Perlen wie der zauberhafte Midtemposong „Alley Cats“, den fast auch ein Erlend Øye hätte schreiben können. Oder die gefühlvollen „Brothers“ (Hallo Eurythmics!) und „Keep Quiet“, die womöglich nicht sofort zünden, aber bald doch haften bleiben.

Ein „One Life Stand“, also so etwas wie eine Affäre auf Lebenszeit. Oder eine schöne Liebesgeschichte mit Happy End. Das trifft bisher auch auf die musikalische Geschichte von Hot Chip zu. Und ein paar kleine Täler braucht jede ernsthafte Love Story. So lange sie so kurz sind und durch überwiegende Höhepunkte aufgefangen werden, braucht man den Partner nicht zu wechseln.

(Addison)

P.S. Live hier: 10.03. Köln – Live Music Hall, 11.03. Hamburg – Uebel & Gefährlich, 12.03. Berlin – Astra Kulturhaus, 14.03. Frankfurt – Mousonturm

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http://www.hotchip.co.uk
http://www.myspace.com/hotchip

Thomas Bästlein

Thomas Bästlein schreibt (früher unter dem Spitznamen Addison) seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

3 Kommentare

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  1. gefällt mir super… jetzt muß ich mir die früheren Sachen auch noch mehr reinziehen.
    Erinnert mich ein wenig an Isolee mit vocals.

  2. Ich finde die neuen Songs gut aber wie beschrieben zu wenig Ecken und Kanten…so kommt nach vielem hören schnell langeweile auf…das war auf made in the dark noch ganz anders die songs kann ich immer noch hören anch so langer Zeit…naja ich freu m ich auf die Live show hoffentlich kommen Sie auch noch in den Süden…

Kommentare sind geschlossen.

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