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Kultsender macht Schluss

Goodbye MTV – danke für alles!

Wenn am Mittwoch das Jahr endet, verstummt auch eine der prägendsten Stimmen der Popkultur: MTV stellt zum 31. Dezember 2025 seinen Betrieb als Musiksender ein. Es ist der Abschied von einer Ära. Kein anderer Kanal hat die Musikkultur der 80er-Jahre so nachhaltig geprägt wie MTV. Zeit, Danke zu sagen.

1981 ging MTV in den USA erstmals auf Sendung. Das erste Musikvideo: „Video Killed the Radio Star“ von The Buggles. Rückblickend trat die selbstbewusst formulierte Vorhersage nicht ein. Der Sendestart von MTV war dennoch eine Zeitenwende: Musik wurde sichtbar.

Eine Zeitenwende für Pop-Musik und Videokultur

Sechs Jahre später startete mit „MTV Europe“ der europäische Ableger. Am 1. August 1987 hieß es: „I want my MTV“, gesungen von Sting – die ikonische Eröffnungszeile von „Money for Nothing“ von den Dire Straits. Das Konzept glich dem des US-Senders, war einfach und revolutionär zugleich: 24 Stunden Musikvideos, moderiert von Videojockeys, die selbst zu Popfiguren wurden. Ray Cokes, Steve Blame oder Simone Angel prägten das Bild des Senders ebenso wie später Kristiane Backer, Ingo Schmoll oder Markus Kavka im deutschsprachigen Raum.

Mit dem Siegeszug des Musikfernsehens änderte sich auch die Art, wie Musik gedacht und vermarktet wurde. Labels und Künstler investierten zunehmend in aufwendige Videoproduktionen, um Aufmerksamkeit und Rotation zu gewinnen. Clips wie „Take On Me“ von a-ha, das Zeichentrick und Realfilm kunstvoll verband, oder das opulente, eine Millionen Pfund teure Endzeit-Epos „Wild Boys“ von Duran Duran wurden zu Karrieretreibern. Auch längst etablierte Musiker erkannten das Potenzial: Peter Gabriels „Sledgehammer“ setzte mit seiner Stop-Motion-Ästhetik neue Maßstäbe.

Und wenn von Meilensteinen die Rede ist, darf ein Name nicht fehlen: Michael Jackson. Sein Video zu „Thriller“ aus dem Jahr 1983 war ein filmisches Ereignis: Ganze 14 Minuten daruerte die Horror-Geschichte um Michael und seine Freundin. Mit Produktionskosten von rund 500.000 US-Dollar galt es damals als teuerstes Musikvideo der Welt. Bis Duran Duran kamen…

Anton Corbijn verhalf Depeche Mode zu visueller Größe

Die Liste der Videoclips, die uns in Erinnerung geblieben sind, ließe sich mühelose fortsetzen. Doch richten wir den Blick auf Depeche Mode. Die frühen Videos der Band wirkten bis Mitte der 80er-Jahre oft uneinheitlich, gelegentlich – wie im Falle von The Meaning Of Love – sogar unbeabsichtigt komisch.

Das änderte sich 1986 schlagartig, als Anton Corbijn erstmals für die Band Regie führte. „A Question of Time„, die dritte Single aus dem Album „Black Celebration„, markierte den Beginn einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit.
Corbijn hatte den Drehauftrag ursprünglich nur angenommen, weil er noch nie ein Video in den USA gedreht hatte. Mt der Musik von Depeche Mode zunächst wenig anfangen konnte. Das änderte sich jedoch schnell.

Corbijn wurde eine Art Creative Director der Band und prägte ihr Erscheinungsbild nachhaltig. Maßgeblichen Anteil hatten dabei seine Musikvideos, die bei MTV rauf und runter liefen – und im Fall von „Personal Jesus“ sogar einmal dem Zensurschnitt des US-Muttersenders zum Opfer fielen.

Exemplarisch aus dieser Zeit haben wir uns den ikonischen Clip zu „Strangelove“ herausgesucht, den Corbijn mit der Band in Paris gedreht hat.

In den 90ern bekam MTV in Deutschland Konkurrenz: VIVA ging auf Sendung. Das war jedoch nicht der Grund, warum der Stern der Mutter aller Musikkanäle langsam zu sinken begann. Unternehmerische Fehlentscheidungen, nervige Klingelton-Werbung und Reality-Formate säumen den Weg des stetigen Bedeutungsverlusts. Als YouTube in den 2000er-Jahren Musikvideos jederzeit und überall verfügbar machte, war klar: Das lineare Musikfernsehen hatte ausgedient.

Am 31. Dezember 2025 endet die Geschichte von MTV endgültig. Nicht ohne Wehmut sagen wir: Danke. Danke für Nächte vor dem Fernseher, für Songs, die wir zuerst bei euch gesehen haben. Danke, dass ihr das kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation mitgeprägt. Etwas, das in Zeiten von Social Media, zahllosen Communities und Filterblasen immer seltener wird.

Popkulturelles Gedächtnis einer Generation

Am 31.12.2025 ist nun Schluss mit Musikfernsehen. Nicht frei von Wehmut sagen wir: Danke! Danke für die vielen großartigen Momente, die ihr uns in unserer Jugend beschert habt. Ihr habt das kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation mitgeprägt – etwas, das in Zeiten von Social Media, zahllosen Communities und Filterblasen immer seltener wird.

Mit welchem Musikvideo sich MTV wohl verabschieden wird? Kurz vor Mitternacht wissen wir mehr.
Das erste gezeigte Musikvideo von MTV war auch das letzte: MTV verabschiedete sich als Musiksender mit „Video Killed the Radio Star“ von The Buggles.

Schreibt uns gerne in die Kommentarspalte, welche Videos auf MTV euch am meisten in Erinnerung geblieben sind.

Sven Plaggemeier

Hi, ich bin Sven und betreibe als Gründer die Webseite depechemode.de. Hauptberuflich leite ich ein Team von Content-Spezialisten bei einem Telekommunikationsunternehmen. Vernetze Dich gerne mit mir bei Facebook, LinkedIn oder Xing.

10 Kommentare

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  1. Weiß

    gar nicht, was ihr habt.
    MTV läuft bei mir noch. zwar so n Ami RealityScheiss, aber ich wüsste auch gar nicht , wofür ich danke sagen sollte,
    guten Abend

    Antworten
    • ?
      Hier soll und muss sich keiner
      für oder bei MTV bedanken.
      Aber man „darf“ es, wenn man
      mag.

      BG

  2. Alive - Pearl Jam

    Der Anfang von Ende war natürlich, als MTV zum payTV Sender umgewandelt wurde. Das war zu der Zeit ein Unding für einen Musikkanal. Die Quote kam nämlich von den 12 bis 18 jährigen. Wer den Hals nicht voll kriegt…

    Antworten
  3. Dire Straits – Money for nothing, chicks for free – I want my Mtv

    meine persönliche Sternstunde für diesen Sender.
    Los ging es wohl mit: Video kills the radio star.

    Naja Mtv ist schon sehr lange nicht mehr das gewesen was es einmal war. Um mit Beavis und Butthead nur ein festen Bestandteil zu erwähnen. R.I.P.

    So schnell ändern sich die Zeiten. Das kann gefallen muss es aber nicht.

    Auf DM Songvideos wurde damals sehnsüchtig gewartet um im richtigen Moment aufzunehmen. Hier geistert noch irgendwo das „Strangelove“ Video auf VHS rum.

    Antworten
  4. Sprungbrett

    Nicht zu vergessen, dass diverse Moderatoren/und -innen ihren Bekanntheitsgrad erweitern konnten. Allen voran Markus Kavka.
    https://youtu.be/xWhyq2JqmXg?si=o32uCbbUOqA9uT82
    Ja, die Musikwelt hat sich geändert mit Internet und YouTube :-), auch keine Musiksendungen wie Formel eins mehr im Fernsehen mit Auftritten der Band – unvergessen. Ob es noch Wetten dass gibt weiß ich nicht. Heute gibt es halt diese Preshows dieser Telefon-Firma….

    A Question OF Time – legendär.

    Antworten
  5. 120 minutes

    120 Minutes waren zb legendär wie einiges anderes. Spätnachts, nach der Heimkehr vom Club erinnere mich noch an Videos von Future Sound of London usw. Das war die ersten Jahre (ich war Anfang/Mitte 20) schon alles sehr inspiriert, und strahlte einen frischen Lifestyle aus…

    Antworten
  6. MTV - viele Erinnerungen

    Als ich vor einigen Tagen erfahren habe, dass MTV Europe aufhört, habe ich sofort an das Video von A-HA gedacht. Ich wollte unbedingt die junge Frau sein und Morten aus der „Zeitungs-Comic“-Patsche helfen. Nun ja, hat nicht geklappt. Ich wollte auch „People are People“ Dave heiraten. Hat auch nicht geklappt. Die „Wild Boys“ hätte ich gerne gezähmt. Was soll ich sagen … war auch nix.

    Für mich ein weiteres Highlight:
    MTV unplugged „Nirvana“ – The man who sold the world – ein phänomenaler Kurt Cobain. Selbst David Bowie war begeistert von der Performance.

    Auch an dieser Stelle – obwohl bereits in einem anderen Thread gepostet – Guten Rutsch und Alles Gute für das Jahr 2026 !!!

    O O
    / \ / \

    Antworten
  7. Schade das somit glaub ich die Archiv Aufnahmen der Singels Tour in Köln verloren!
    Denke das dort mehr aufgezeichnet wurde als es zusehen gab

    Antworten
  8. I feel you

    Ich war gespannt auf das Video, als „I Feel You“ zum ersten Mal auf MTV lief. Doch kaum begann es, war ich völlig erschrocken. Das Bild, die Stimmung, Dave Gahans Auftreten – alles wirkte anders. Mit diesem Song schlugen Depeche Mode musikalisch wie auch optisch einen neuen Weg ein. Ich war schon ein wenig erschrocken und enttäuscht. Dieser Moment hat sich mir bis heute eingeprägt.

    Antworten
  9. MTV

    interessant auch zu wissen, dass es
    gerade Postpunk-NewWave- early Synth Pop Bands waren, die ihre
    , zur damaligen Zeit, etwas experimentelle und avantgardistische
    POP Musik mit visuellen Darstellungen erweiterten.
    Video kill the Radio Star ( the Buggles), Fade to gray ( Visage),
    das herrlich punkig Provokante
    Girls on Film von D2 ( durfte erst
    nach 11 Uhr ausgestrahlt werden).
    Es waren Anfang 80er meist im US Markt private TV Sender , die Videos
    ausstrahlten, MTV erkannte das Potential der Music Clips und bündelte es , junge frische Popmusik für ein junges Publikum, die für sich
    eine andere Art der Musik Medien entdeckte. Und die Big Stars der
    Rock und Popmusik folgten diesen
    Trend, Bowie, Rolling Stones, Bruce
    Springsteen, ACDC, Dire Straits
    ( wenn auch mit Augenzwinkern)..
    Michael Jackson, Prince ….
    die Liste lässt sich endlos fortsetzen.. auch die US Alternative Rockszene der 90er hat mMn ihren Durchbruch in den Mainstream ebenso MTV zu verdanken.
    Welche Videos man nicht vergisst?
    Unzählige, als GenX und 80ies Babe,
    vorrangig die der 80ies NewWave und Alternativ Szene,
    Das Postapokalyptische Wild Boys
    ( William S Bourrogh meets MadMax)
    das post Industrial Strip von Depeche Mode ( und natürlich MaS herrlich „abgedreht“ mit jede Mengen Ketten)
    die Goth Cowboys von Personal Jesus ( und natürlich auch die Ladies im Clip), das mystische Killing Moon von EchoatBunnymen, das 1984 Szenario von Eurythmics, Kiss von Prince, Peter Gabriel, Thriller von Michael Jackson… so viele,
    Auch in den 90er, wo die Zusammenarbeit von AC und DM ihren Höhepunkt erreichte ( Violator, SofaD, Ultra…) ….
    Thnx MTV ! Für diese großartige Zeit der 80, 90er and Beyond und ganz großen Dank an die Vorreiter der
    Music Video Clips und das schöne daran, es gab keinen Plan ! Alles entwickelte sich aus einer Eigendynamik … Musik als Träger von Ideen ; )

    Amazing Memory’s

    Allen einen guten Start ins neue
    Jahr und bleibt Beautiful und
    Gesund . Auf ein hoffentlich friedvolleres 2.026 .
    BG

    Antworten

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