Das Label Mortality Tables eröffnet ein besonders aktives Jahr mit der Veröffentlichung von zwei eng miteinander verbundenen, formal jedoch eigenständigen Projekten von Gareth Jones. Zum einen erscheint am 21. Januar 2026 sein zweites Soloalbum ElectroGenetic 2 – Nos Da, zum anderen 53_StOlaves : Response, das als Teil von The Impermanence Project veröffentlicht wird.
Auch wenn beide Werke unabhängig voneinander stehen, führen sie in ihrer Tiefe auf dieselbe Quelle zurück: die Erfahrung des Verlusts des Vaters, das Erinnern und die Vergänglichkeit – verstanden nicht als Ende, sondern als Transformation.
Nos Da ist ein zutiefst persönliches Album von Gareth Jones, geprägt von Erinnerung, familiärer Nähe und klanglicher Neugier. Im Zentrum steht die Beziehung zu seinem Vater sowie der nachhaltige Einfluss dessen Plattensammlung – Klänge, die früh zu emotionalen Räumen und imaginären Orten wurden.
Der Titel Nos Da geht auf ein Missverständnis aus der Kindheit zurück: Wenn sein Vater ihm abends „Nos Da“ – Walisisch für „Gute Nacht“ – sagte, verstand Jones „no star“. Jahrzehnte später wird diese Wendung zu einem musikalischen Abschiedsgruß und Ausdruck von Dankbarkeit.
Die Stücke von Nos Da entstanden nicht an einem einzigen Ort. Vier Kompositionen wurden in einem ländlichen Hotel in England mit Eurorack-Modulen (Maths, Mimeophon, Wogglebug, QPAS) entwickelt, wobei die Instrumente als kreative Mitspieler fungierten. Sechs weitere Stücke entstanden auf einer Hotelterrasse in Griechenland mit Blick auf die Ägäis, mit einem kompakten modularen Setup. Ein Jahr später kehrte Jones an diesen Ort zurück und schuf die letzten beiden Tracks ausschließlich auf dem iPad, ohne Kabel oder Patches.
erSprach – der Auftakt des Albums
Mit „erSprach“ hat das Label nun den ersten Vorabtrack veröffentlicht. Die ursprüngliche Improvisation entstand im Juli 2021 in Griechenland, mit bewusst minimalem Setup, direkt auf dem iPad aufgenommen.
Die endgültige Form des Stücks entwickelte sich durch einen konsequenten Reduktionsprozess: klangliches Freilegen, das Entfernen überflüssiger Schichten. Neben den modularen Texturen bleiben lediglich Streicherfragmente von Brahms und eine feine Klarinettenpassage im Mittelteil.
Da das Album mit einem langen Monolog von Jones’ Vater endet, erschien es besonders stimmig, „erSprach“ an den Anfang zu stellen – als leisen Auftakt des Gesamtwerks.
Parting – ein posthumer Dialog
Der Abschlusstrack „Parting“ trägt eine besondere emotionale Schwere. Nach dem Tod seines Vaters entdeckte Jones eine alte Schallplatte mit einer gesprochenen Nachricht an seine Mutter, aufgenommen Jahre vor seiner Geburt. Innerhalb des Albums wird diese Aufnahme zu einem stillen, posthumen Dialog zwischen Vater und Sohn.
Am deutlichsten zeigt sich dies im letzten Stück „Parting“. Nach dem Tod seines Vaters entdeckte Jones eine alte Schallplattenaufnahme – eine gesprochene Botschaft über Liebe, Distanz und Abschied. In das Album eingebettet, wird sie zu einem stillen, posthumen Dialog zwischen Vater und Sohn.
Entstanden ist Nos Da an wechselnden Orten: in englischen Landhotels, auf einer Terrasse mit Blick auf die Ägäis sowie später in unmittelbaren iPad-Kompositionen. Modulare Eurorack-Systeme fungierten dabei weniger als Instrumente denn als kreative Mitspieler, die Zufall und Unvorhersehbarkeit zuließen.
53_StOlaves : Response
Eine Antwort auf die Vergänglichkeit
53_StOlaves : Response ist Gareth Jones’ Antwort auf „St. Olave’s : Catharsis“, eine Field Recording-Arbeit, die am 25. Juni 2025 – ein Jahr nach dem Tod des Vaters des Labelgründers – erschien. Jones’ Stück wird als Teil von The Impermanence Project am 84. Geburtstag des Verstorbenen veröffentlicht.
Das Werk wirkt beinahe jenseitig: die Seele löst sich vom Körper, treibt ins All oder ins Jenseits – je nach Glaubensvorstellung. Meditativ und entschleunigend eröffnet es Raum für die Verarbeitung des Verlusts von Vätern – ein Prozess, der sich über Jahrzehnte erstrecken kann.
Jones beschreibt seine Motivation so:
„Ich bin im Urlaub in Griechenland. Und schreibe natürlich.
Ich fühlte mich dazu bewegt, eine Antwort auf ‚St. Olave’s‘ zu schaffen – im Geist der Vergänglichkeit, verstanden als Transformation.“
– Gareth Jones, Griechenland, Juni 2025
Begleitet wird das Stück zudem von einer von Jones selbst aufgenommenen Fotografie, die das Werk über das rein Klangliche hinaus erweitert und seinen zutiefst persönlichen, kontemplativen Charakter unterstreicht.
Gareth Jones ist bekannt für seine wegweisende Studioarbeit mit Depeche Mode – darunter die legendäre Berlin-Trilogie – sowie für seine langjährige Zusammenarbeit mit Erasure. Seit Jahrzehnten verbindet er analoge Klangästhetik mit digitaler Innovation. Nos Da führt diese Tradition in eine intime, nach innen gerichtete Dimension weiter.
ElectroGenetic 2 – Nos Da erscheint am 21. Januar 2026 über mortalitytables.bandcamp.com
Limitierte handgefertigte und nummerierte CD, limitierte CD sowie digitale Edition.
Klassische Vorbestellungen gibt es diesmal zwar nicht – vergesst also nicht, das Album bei Spotify vorzumerken (Pre-Save), damit es pünktlich zum Release in eurer Mediathek erscheint.
Trackliste:
1. erSprach
2. maths
3. qPas
4. suchIsLove
5. mPhon
6. kath
7. wBug
8. pyotr
9. erofili
10. ludwig
11. ikaria
12. parting

Auf jeden Fall vorgemerkt und bin gespannt darauf.
Gerade als Depeche Mode und Erasure Fan habe ich den Namen sehr oft gelesen und natürlich interessiert man sich irgendwann auch für die Menschen, denen wir den Sound „unseres Lebens“ zu verdanken haben.
Kommt wohl mit dem Alter……. :-)
Thanks Janos for listening and writing about my work. I appreciate the support.
You always welcome