Fletch: „Wir hätten das Konzert besser nicht geben sollen“

In der Frankfurter Rundschau ist in der vergangenen Woche ein Interessantes Interview mit Andy Fletcher erschienen. In dem Gespräch redet Fletch über die Bedeutung von Depeche Mode im Osten und äußert sich besonders zum legendären Auftritt der Band am 7. März 1988 im damaligen Ost-Berlin – viele Fans aus dem Osten ist der Tag noch in guter Erinnerung. Fletchers Erinnerungen an den Tag sind ambivalent: die Band haben unbedingt im Ostteil Berlins spielen wollen. Doch aus heutiger Sicht, „hätten wir das Konzert besser nicht geben sollen. Wir haben uns da wohl für die Partei einspannen lassen.“

Wir möchten von Euch wissen: Seht ihr das Konzert im Nachhinein genauso kritisch wie Fletch? Oder ward Ihr damals einfach nur froh, dass Depeche Mode in Ost-Berlin auftraten?

Letzte Aktualisierung: 21.9.2012 (c)

 Sven Plaggemeier
Sven ist Gründer und Betreiber von depechemode.de. In seinem Hauptberuf arbeitet er als Redaktionsleiter eines Stadtportals. Du kannst Sven bei Facebook, Xing und LinkedIn treffen.

61
Kommentare

Anzeige
  1. DJ-Tommy (88,0)
    10.11.2009 - 14:23 Uhr
    60

    Nachtrag : das Konzert gibt es natürlich von mir kostenfrei!!! Ihr solltet mir nur 2CD-Rollinge zukommen lassen und ne Briefmarke und den Rest mache ich.

    Also bis denn sagt Tom!!!!

  2. DJ-Tommy (88,0)
    10.11.2009 - 14:18 Uhr
    59

    Hallo liebe Fan-Gemeinde in OST und WEST!
    Sollte von Euch Interesse bestehen an einen Mitschnitt des legenderen DM-Konzert in Ost-Berlin, der kann sich bei mir melden.
    Nur eins noch, wer eine Top-Qualität ohne rauschen ect. erwartet, den muss ich enttäuschen.Gut für damalige Verhältnisse hätte man sich ein Loch ins Bein gefreut aber ich wollte es nur einmal erwähnen.

    So hier meine Mail-Adresse:242tommy@gmx.de

    Grüsse an alle DEPECHE MODE-FANS!!!!

  3. IngoK.
    8.11.2009 - 14:19 Uhr
    58

    Also ich habe damals in Berlin gearbeitet und kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie DM nach dem Konzert im Operncafe aufgetaucht sind. Sie waren dort auf ein paar Drinks und hatten nur ihre eigenen Bodyguards dabei. Aber die haben jeden Kontakt zu den Leuten die sie erkannten verhindert.Vielleicht erinnert sich Fletch daran nicht mehr.
    Toll das DM auch im Osten gespielt hat, sie waren schon damals Kult und die echten Fans haben es ihnen gedankt.Ich freue mich schon auf heute Abend in Stuttgart.

  4. Andrei
    5.11.2009 - 11:45 Uhr
    57

    Die Verantwortlichen damals haben DM natürlich bewusst in der DDR auftreten lassen.Es gab Jugendbeauftragte die genau dieses kulturelle Verlangen im Arbeiter und Bauernstaat als Zuckerbrot an die Generation-Pop verteilen wollten. Die DDR sollte als jugendfreudlich und weltoffen gelten und da konnte man nicht umhin die Band ins Land zu holen, die wohl die meisten Fans unter allen Popgruppen in der DDR hatte.
    Man hoffte natürlich DM könnte als politische Band dargestellt werden und verwies immerwieder auf den ein- oder anderen sozialkritischen Titel im depeche-Pool. Dabei hatten DM mit dem Titel „new dress“ wohl eher einen Einstieg auf die friedliche Revulution gegeben:

    „Du kannst die Welt nicht verändern
    Aber du kannst die Tatsachen ändern
    Und wenn du die Tatsachen änderst
    Änderst du Ansichten
    Wenn du Ansichten änderst
    Änderst du vielleicht eine Stimme
    Und wenn du eine Stimme änderst
    Kannst du die Welt verändern.“

    Sie haben ihren Fans einfach eine Geschenk gemacht als Dankeschön für die tausenden Fanbriefe die aus der DDR kamen. Es war richtig und wichtig genau dieses Konzert für die Massen zu geben um zu zeigen, „wir wissen das wir hier viele Fans haben, we see you next time…“
    Ich habe soviel Material über dieses Konzert gesammelt, mit vielen Beteiligten gesprochen, dass ich ernsthaft überlege ein Buch darüber zu schreiben.

  5. Maikel
    4.11.2009 - 22:24 Uhr
    56

    Danke für die netten Antworten, und

    … schön, dass ich nicht alleine bin, mit meinen positiv prägenden Erinnerungen …

    DM sind schon unglaublich,

    hab mir gerade wieder mal die “ black celebration “ in 5.1 Sound vom Remastert-Album reingezogen,

    der Wahnsinn … am besten im dunkeln, dann erreichen einen

    die „Rund um Klänge“ direkt im Gehirn, der Hammer ! ! !

    Hab mir die Platte schon mit 16 auf selbst gebauten „Monsterboxen“ gehört.

    Jetzt bin ich 42, und es ist immer noch das gleiche Gefühl DM zu hören, einfach unfassbar, ehrlich . . .

    Grüß an alle netten und friedlichen DM-Fans

  6. guido
    4.11.2009 - 15:46 Uhr
    55

    … wir warn damals auch da- mit dem unterschied,das wir zwar in der fdj waren (wie ja fast alle zu dieser zeit)und wir auf regulären wege über schule usw keine karten erhalten haben. es war eben so,das mein vater einmal jemanden einen gefallen getan hat,und ich somit an 2 karten gekommen bin…. man hat mir letztes jahr über ebay 100 euro für die alte verwaschene fdj geburtstagskonzertkarte geboten- dummerweise hatte ich diese alte karte bereits für 50 an einen sammler verkauft. irgendwo hab ich einmal gelesen,was depeche mode damals für den abend erhalten haben ,ich möchte meinen das es nur um 30 000 dm ging. warn damals noch mit alten weggefährten am grand hotel depeche mode kieken / wurde damals nur andy und alan wilder gesichtet. also, ich fands geil das sie es damals gemacht haben. es gibt übrigens ein live mittschnitt dieses legendären konzerts auf tape.

  7. liebi1210
    4.11.2009 - 9:22 Uhr
    54

    hallo leute,

    ich finde auch, dass mit diesem konzert damalige grenzen, grenzen in den köpfen, überschritten wurden. selbst wenn dieses konzert diversen personengruppen vorbehalten war und sich der eindruck ergibt die jungs wären von der „partei“ benutzt worden, so ist doch die möglichkeit eines solchen aktes grund genug anzunehmen, dass ein umdenken stattfand. mich interessiert eigentlich nur wie sie bezahlt wurden…andere „west“-bands gingen mit wenigen devisen, einem pelzmantel und 100 liter vodka nach hause…
    …sie sind einfach klasse und trotz ständiger veränderungen in ihrem stil zieht sich doch ein roter faden gleichbleibender akkustik durch die jahre…und wem´s nicht passt, der wird nicht gezwungen zum konzert zugehen.

  8. Susi
    4.11.2009 - 8:17 Uhr
    53

    @Maikel Kommentar 48

    Mensch wie du mir aus der Seele sprichst. Ich war zwar damals nicht auf dem Konzert, da ich noch zu jung war, aber Erinnerungen an das Aufnehmen mit dem Recorder werden auch bei mir wach. Wir hatten Bekannte in Köln, die uns besuchten. Sie wollten wissen, was sie mir mitbringen können. Ich hab mir nen Walkman und Kasetten von DM gewünscht. Der Walkman ist nicht mehr. Die Kasetten hab ich heute noch – eine Erinnerung an die geile Zeit von damals. Ich bin heute noch ein riesen Fan und war erst am Sonntag wieder in Bremen und im Juni in Leipzig. Das ist Freiheit.

    Die Jungs von DM haben mich seitdem immer begleitet und ich glaube das hat mich als Fan geprägt.

    Liebe Grüße an alle Ossis und Wessis im Land der Fangemeinde.

  9. Rick
    3.11.2009 - 23:06 Uhr
    52

    @Maikel
    Hast Du vielleicht den falschen Bus „bestaunt“?
    Man konnte Martin ganz klar erkennen, der seinen großen schwarzen Hut auf hatte und einen der Jungs, ich glaube es war Alan, der lief mit einer Videokamera filmend durch den Bus! Also an verdunkelte Scheiben durch die man kaum was sehen konnte kann ich mich nicht erinnern!

  10. Jana
    3.11.2009 - 22:12 Uhr
    51

    Obwohl ich leider nicht dabei sein konnte – was jetzt nicht sooo schlimm ist, weil ich da erst 8 war;-) – aber ich kann dem Fletch da absolut nicht zustimmen.

    Ganz im Gegenteil finde ich’s einfach super, dass DM sich allem politischen Geblubber und den gegenseitigen Anfeindungen aus Ost und West zum Trotz damals hinter den ‚Eisernen Vorhang‘ getraut haben – und damit den Fans dort eine Riesenfreude gemacht haben. Und zwar wirklich eine Riesenfreude – das können die lieben Nörgler, die nowadays zig Konzerte mitnehmen können und das nur zum Besser-meckern-können nutzen (hier das ‚falsche‘ Lied, da die etwas ‚müdere‘ performance etc. pp) gar nicht ermessen.

    Ich kenne Leute, die damals Fan waren – die haben sich ihre eigenen DM-Poster noch selbst gemalt und das richtig geil:-) – und ich gönne Ihnen dieses Erlebnis auch nachträglich von Herzen. Und das nicht zuletzt auch, weil ich schlau genug bin um zu wissen, dass ein blaues Hemd zu tragen längst nicht hieß, SED-Hardliner zu sein.

    Vielleicht hat Fletch vergessen, was DM damals mit dem Konzert eigentlich bewiesen haben: Die Fähigkeit, sich über die Grenzen der über Jahrzehnte hinweg friedensbedrohenden Systemkonfrontation hinwegzusetzen und die Leute drüben (auch nur Menschen und auch nur Fans, ne) wahr- und ernstzunehmen.