Wenn Vince Clarke an einem neuen Projekt beteiligt ist, erwartet man normalerweise, dass er die kreative Richtung vorgibt. Bei Doublespeak passiert das Gegenteil: Clarke tritt bewusst einen Schritt zurück und überlässt Neil Arthur und Benge mehr Raum.
Das selbstbetitelte Album Doublespeak erscheint am 29. Mai über London Records und versammelt elf Songs aus vier Jahrzehnten Pop- und Elektronikgeschichte – jedoch nicht als klassische Coverversionen, sondern als radikal neu gedachte Interpretationen.
Zurück zu den Wurzeln – und darüber hinaus
Die Verbindung zwischen Clarke und Blancmange reicht zurück bis in die Frühzeit von Depeche Mode. Bereits Anfang der 1980er Jahre bewegten sich die Musiker im selben kreativen Umfeld, geprägt vom Einfluss von Mute Records und Produzent Daniel Miller.
Dass sich diese Wege nun in Doublespeak erneut kreuzen, wirkt fast wie eine logische Fortsetzung dieser Ära – nur mit vier Jahrzehnten zusätzlicher Erfahrung.
Auch spätere Berührungspunkte gab es immer wieder: So remixte Clarke 2013 den Blancmange-Klassiker Living On the Ceiling, während Blancmange 2022 als Support für Erasure vorgesehen waren.
Hommage an Fad Gadget und die Mute-Ära
Ein emotionaler Kern des Albums ist die Neuinterpretation von Back To Nature, ursprünglich von Fad Gadget alias Frank Tovey.
Für Clarke ist dies mehr als nur ein Song: Beide Künstler begannen ihre Karrieren bei Mute Records, und Fad Gadget gilt als einer der prägenden Pioniere der elektronischen Underground-Szene. Clarke hat ihm über die Jahre hinweg immer wieder Tribut gezollt – unter anderem in seiner Radiosendung The Synthesizer Show, in der Back To Nature regelmäßig lief.
Freundschaften, Tourgeschichten und frühe Chaosjahre
Die Verbindung zwischen Blancmange und Depeche Mode war nicht nur musikalischer Natur. Neil Arthur erinnerte sich mehrfach an die enge Freundschaft – inklusive legendärer Momente auf Tour, etwa spontaner Schwimmwettkämpfe zwischen den Bands.
Eine besonders charmante Episode stammt aus dem Jahr 1981:
Damals spielten Depeche Mode als Vorband von Blancmange im Londoner Hope and Anchor. Obwohl vieles darauf hindeutete, dass Depeche Mode eigentlich Headliner hätten sein können, wurde die Reihenfolge kurzfristig geändert.
Die Begründung von Daniel Miller war ebenso pragmatisch wie legendär:
Die Band musste rechtzeitig den Zug zurück nach Basildon erreichen.
Mehr als ein Coveralbum
Mit Songs von ABBA, The Magnetic Fields, The Carpenters oder Young Marble Giants zeigt Doublespeak eindrucksvoll, wie vielseitig die Einflüsse der beteiligten Künstler sind.
Doch das Ziel war nie bloßes Nachspielen: Die Tracks wurden dekonstruiert, neu zusammengesetzt und durch die gemeinsame klangliche DNA von Clarke, Arthur und Benge gefiltert.
Oder, wie Neil Arthur es formuliert:Erst wenn man diese Songs selbst neu erschafft, erkennt man ihre wahre Größe.
Die Tracks von „Doublespeak“
- „Back To Nature“ (Fad Gadget)
- „Brand New Life“ (Young Marble Giants)
- „The Visitors“ (ABBA)
- „I Can’t Escape Myself“ (The Sound)
- „Goodbye To Love“ (The Carpenters)
- „Rock On“ (David Essex)
- „Smoke And Mirrors“ (The Magnetic Fields)
- „Day Breaks, Night Heals“ (Thomas Leer & Robert Rental)
- „Gentle On My Mind“ (John Hartford)
- „Richard!“ (Ed Dowie)
- „End Credits“ (Laptop)
Die Auswahl zeigt eindrucksvoll die stilistische Bandbreite des Projekts – von elektronischem Underground bis hin zu Pop-Klassikern.
… eine absichtlich irritierende Sprache, oftmals zur Verschleierung der eigentlichen Bedeutung. Sehr interessanter Projekt Name , hat schon fast etwas Orwells”isches“
… Doppelsprech … passend irgendwie
für das Anliegen von Vincent Clarke, Arthur Neil und Benge .. „nie bloßes Nachspielen“ , etwas Neues erschaffen und doch dem Original seine Referenzen erweisen. Bei dem
Fad Gadget Klassiker finde ich dies durchaus gelungen, da man über den ursprünglichen Minimalismus des Original etwas hinausgeht und diese verstörende, “distorted atmosphere”
bewahrt.
Gespannt darf mMn auch auf die anderen Coverversionen sein,
nicht weniger Interessant welche Songs von welchen Künstlern da neu interpretiert werden
The Carpenters , ABBA , David Essex ,
aber auch the Sound ( früh 80er Postpunk) oder Magnetic Fields
( 90er US Synthie und Indie Pop Band).
Bin gespannt… und thnx für die kleinen Anekdoten iS Depeche
Mode und Blancmange in den frühen 80er. Echt ? Ein Wettschwimmen?
Na da wäre ich sehr gerne dabei gewesen, als
„alter Wasserlurch“ : )
Good News
Beste Grüße