Der Review-Weihnachtskalender – Türchen 6: All diese Gewalt – Welt in Klammern

Der Nikolaus hat gesagt, wir müssen unbedingt noch auf eines der besten deutschsprachigen Alben (wenn nicht das beste) des Jahres zu sprechen kommen. Und damit kann definitiv nur dieses wundervolle Düsterwerk gemeint sein. Heißen The xx auf Deutsch etwa All diese Gewalt?

Max Rieger spielt ja sonst bei den ebenfalls sehr empfehlenswerten Die Nerven. Da kann es schon mal gewaltig (post-)rockig verzerrt lärmen. Doch weil musikalisch Hochbegabte oft noch weitere Ventile benötigen, nahm er vor zwei Jahren ein erstes Soloalbum unter dem Namen All diese Gewalt auf.

Doch das war nur der Aufgalopp für dieses Album hier. Im Verlauf der letzten drei Jahre schichtete Rieger Idee auf Idee, Sound auf Sound, Tonspur auf Tonspur. Da ist ganz viel Elektronik drin, jede Menge Field Recordings von Feld, Wald, Wiesen und Menschen, dazu Gitarre, Schlagzeug, Klavier und weiteres Instrumentarium. All das hat er aufs Dichteste miteinander und ineinander verwoben und verdrahtet.

All diese Gewalt – Maria in Blau (Official Video)

Und trotzdem wirkt hier nichts überladen. Stattdessen klagt Rieger sich mit seinen dunkel-poetischen Texten mitunter durch zunächst fast karg wirkend schroffe Klanglandschaften, deren gewaltiger Reichtum sich erst nach und nach entfaltet. Die Postpunkgitarren spielen stoisch, die Elektronik setzt Tupfer aufs Eis. Ganz langsam krallt sich das Album am und im Hörer fest.

Lässt dann aber nicht mehr los. Vom Mordsauftrakttrio an: Erst „Wie es geht“, in dem Rieger zu Gitarren a la The xx (aber, na klar, es darf auch der Name Joy Division fallen) melancholisch von Silhouetten zu Konturen wandert, bevor am Ende der Krach von der Decke fällt. Dann „Maria in Blau“, diese wunderbar elektronisch pulsierende Fastballade. Gefolgt von „Jeder Traum eine Falle“, das nach dem Anfangsgeklingel in einen richtig eingängigen Song mündet.

Danach wird es etwas fransiger, freitreibender, gar songtitelloser. Bis eine „Kuppel“ sich über dem Hörer auftürmt. Die „Stimmen“ mäandern über drei Minuten drohend, nee, dronend durch den Nebel, bevor überhaupt eine Stimme erklingt. Ob „Morgen alles anders“ wird, wissen wir nicht, aber mit der „Welt in Klammern“ sind wir halbwegs gerüstet.

Die depechemode.de-Wertung:
8 / 10

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Letzte Aktualisierung: 6.12.2016 (c)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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