Caribou – Suddenly

Heute erscheint endlich – und gerade rechtzeitig, um noch den Titel unseres Albums des Monats Februar abzustauben – die neue Platte von Caribou. Gelingt nach „Swim“ und „Our Love“ der dritte große Wurf?

Wir erinnern uns: Im Jahr 2010 ging Dan Snaith mit seinem dritten Album unter dem Alias Caribou (es gab vorher zwei als Manitoba) so richtig durch die Decke, was v. a. an den Überhits „Odessa“, „Sun“ und „Bowls“ und der Hinwendung zur tanzbaren Elektronik lag. Der Nachfolger war dann elektronischer und vielleicht nicht hinsichtlich der Hits, aber dafür auf Albumlänge noch stärker. Parallel pflegte Snaith seine technoide Seite nun auch noch unter dem Namen Daphni.

Darum hat es wohl auch wieder eine ganze Weile (über fünf Jahre) gedauert, bis nun, hihi, plötzlich doch ein neues Caribou-Album vor uns liegt. Und auch dieses erfüllt wieder einerseits die Erwartungen an diesen typischen Caribou-Sound, überrascht aber andererseits auch an so einigen Stellen. Genauer gesagt, eigentlich in jedem der elf Stücke plus Interlude. Doch dazu gleich mehr.

Zunächst einmal ist „Suddenly“ ein sehr persönliches Album geworden. Snaith beschäftigt sich hauptsächlich mit Zwischenmenschlichem, mit Familie, auch mit Trauer, insgesamt ist der Grundton aber auch dieses Mal recht positiv. Dazu rückt Snaith seine zerbrechliche Stimme – die, wie er selbst sagt, sicherlich nicht zu den größten Sangesorganen der Welt gehört – stärker und unbehandelter in den Vordergrund.

Aber keine Sorge, Effekte gibt es trotzdem reichlich – und insbesondere Samples, so ziemlich auf jedem Track. Womit wir beim Albumtitel angekommen sind. Der passt nämlich ganz wunderbar, denn nahezu alle Songs nehmen an irgendeiner Stelle eine unerwartete Wendung. Wie auf „You And I“, das nach der sanft das Album eröffnenden Synthesizerballade „Sister“ zunächst nach einer jener eingängigen Caribou-Zaubereien klingt, dann jedoch plötzlich von verzerrten Stimmsamples durchfahren wird und hintenheraus immer weiter ins Weltall hinauseiert.

Die windschiefe Pianoballade „Sunny’s Time“ wird in der Mitte von einem Rap gekapert, „New Jade“ startet gleich als Samplesurium, wird dann im Refrain erst zum warmen Caribou-Track, um in der Schlussphase ganz woandershin zu entschweben. Apropos warm. So klingen Caribou-Platten immer, nächster Beweis: „Home“, das ein Soulsample (von 1971, Gloria Barnes) in die elektronische Moderne führt.

CARIBOU - Never Come Back

„Lime“ tanzt schräg, aber clubtauglich, durch, steigt aber einige Zeit vor dem Songende aus sich selbst aus, bevor „Never Come Back“ tatsächlich mal fast über seine volle Länge den 90er-Jahre-Dancefloor stürmt. „Like I Loved You“ mischt trockenen Beat, Gitarre und diverse Sounds unter den zarten Gesang und schrägt die Sounds dann Stück für Stück an.

Mit „Ravi“ lauert kurz vorm Finale dann doch noch einer dieser technoiden Clubbanger, wie man sie von Caribou immer heimlich erhofft. Und das himmlische „Cloud Song“ zaubert ein Synthesizerepos an das Ende eines Albums, das vielleicht ein paar Durchläufe zur wirklichen Erfassung seiner Größe fordert. Aber das ist ja oft ein gutes Zeichen.

Die depechemode.de-Wertung:
8 / 10

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PS: Caribou live:

21.04. Hamburg, Grosse Freiheit 36
25.04. München, Muffathalle
28.04. Köln, E-Werk
15.08. Berlin, Zitadelle / Caribou and Friends

www.facebook.com/caribouband

caribouband.bandcamp.com

Letzte Aktualisierung: 28.2.2020 (c)

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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