Darauf haben Fans elektronischer Ambient-Musik lange gewartet: Das schottische Duo „Boards of Canada“ ist zurück. Mit „Inferno“ steht das erste Studioalbum seit 2013 in den Startlöchern. Diese Woche veröffentlichten die Musiker eine Doppelsingle.
Seit ihrem letzten Album „Tomorrow’s Harvest“ (2013) war es still um Marcus Eoin und Mike Sandison geworden. Doch wer die Brüder kennt, weiß: Boards of Canada kommunizieren nicht über klassische Pressemitteilungen, sondern über Rätsel.
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Die Gerüchteküche brodelte bereits seit April, als vereinzelt rätselhafte VHS-Kassetten bei Fans und Medienpartnern auftauchten. Kurz darauf folgte mit „Tape 05“ das erste musikalische Lebenszeichen auf YouTube.
Am Donnerstag erschien dann die erste offizielle Single und das gleich im Doppelpack. Während „Introit“ ein klassischer atmosphärischer Türöffner ist, entfaltet „Prophecy At 1420 MHz“ jene hypnotische, analoge Tiefe, für die die Schotten seit vielen Jahren Kultstatus genießen. Für Fans von Depeche Mode erinnert der Track zuweilen an eine Produktion von Alan Wilder.
„Inferno“ von Boards of Canada erscheint am 29. Mai 2026.
Trackliste: Boards of Canada – Inferno
- Introit
- Prophecy At 1420 MHz
- Hydrogen Helium Lithium Leviathan
- Age Of Capricorn
- Father And Son
- Somewhere Right Now In The Future
- Naraka
- Acts Of Magic
- Memory Death
- The Word Becomes Flesh
- Into The Magic Land
- Blood In The Labyrinth
- Deep Time
- All Reason Departs
- Arena Americanada
- The Process
- You Retreat In Time And Space
- I Saw Through Platonia
Das ganze Album ist jetzt schon auf der Website von WARP-Records durchhörbar, finde ich auch interessant, dass die Plattenfirma selbst von vorneherein nicht mehr als „Gatekeeper“ auftritt.
https://warp.net/releases/590960-inferno/tracklist?utm_source=Klaviyo
Irgendwie sind Boards of Canada so wie Depeche auch inzwischen definitiv kein „Geheimtipp“ mehr – sogar die Trump-Regierung hat einen Track für ihre Nationalnarzistische Kriegspropaganda mißbraucht.
https://exclaim.ca/music/article/boards-of-canada-condemn-white-house-s-use-of-their-music-in-us-nationalist-propaganda
Die Musik gefällt mir nach wie vor, auch/gerade die eher kryptischen Elemente, aber ich finde beim Artwork haben sie es jetzt mit der Düsternis etwas übertrieben – vielleicht ähnlich wie DM bei „Spirit“ – ist mir zu Horror-mäßig aufgezogen, leider, um bei mir im Plattenschrank zu stehen – zu viel „Exorzist“ für meinen Geschmack.
Allerdings haben DM mit Stripped, Personal Jesus, I feel you und Barrel of a Gun usw. diese Grenze auch schonmal überschritten, das hat mich aber dann doch nicht grundsätzlich abgeturnt.
Aber so verliebt in das Artwork wie bei den früheren Alben bin ich diesmal definitiv nicht.
B.O.C. sind in jeder Hinsicht eine Liga für sich. Wenn neues Boards-Material erscheint ist die Freude natürlich immer sehr groß. Ich hatte ja immer mal auf eine Collabo zwischen M.L.G. und B.O.C. gehofft, das wäre schon sehr cool. Wer weiss, ich denke Mart hört und mag Boards Of Canada, kann ich mir zumindest gut vorstellen. Und ich liebe dieses Outpost Zeta-Coverpic von Twoism.
I am God, the ultimate resonance… Nothingness, the ultimate truth
Krass <3 <3 <3 <3 <3
wollte schreiben „nothingness, the absolute truth“
:) Editieren geht nicht aber gut – die absolute Wahrheit kann ich ohnehin nicht mein eigen nennen.
Cooler Artikeltext übrigens, da merkt man irgendwie, dass hier jemand mit journalistischem Talent am Werk ist.
vlgtc
Das finde ich super – Vorstellung eines Longplayers aufgrund eines Kommentares. Wenn es auch scheinbar nicht unbedingt meine Musik zu sein scheint, habe ich mir dennoch die Scheibe in meine „Bibliothek“ gelegt.
Veröffentlichung von „Inferno“ ist 29. Mai
Interessant! Und musikalisch
gewiss hochwertig.
Wenn auch nicht mein Geschmack. Denn Untermalungen und Ambiente—sphärisch, extraterrestrisch… Oh, oh! Mich, für meinen Teil,
machen solche kühlen, klaren Klangwelten unruhig…
Denke mir aber mal, daß das Gegenteil hier von den Schöpfern der Kunst beabsichtigt wäre…
Also bin jedenfalls ich nicht der ideale Rezipient ;)
Ebenso nicht, weil zuviel der Symbolik (grundsätzlich) mir schnell Kopfzerbrechen macht.
Entsprechend ist hier die Optik in fließender oder starrer Geometrie nicht meins…
Kann mir aber vorstellen, daß andere Menschen in die Klänge (und auch die visuellen Welten) eintauchen können;
und einfach den Kopf frei bekommen.
Zugegeben, Space und die Kraft des Weltalls, respektive das tonlose Rauschen des
Universums
finde ich überaus faszinierend;
und bin außerdem ein sehr mit der Natur verbundener Mensch.
Bloß: Musik brauche ich da draußen ja so überhaupt gar nicht!
Falls—oder respektive wenn ‚in echt‘, dann sowieso nicht!
Und falls für Videos etc. – hmm, vielleicht; weiß ich nicht.
Bin dahingehend aber wohl eher Natur-puristisch eingestellt.
Kürzlich hatte ich per Zufall reingezappt in eine Doku
zu Zeitalter und Enstehung von Leben auf der Erde… Die Bilder waren super—allerdings Emotions-dicht unterlegt mit ähnlich sphärischer, monochrom auf den Hörer einwirkender Musik…
Und: Die Musik wirkt—aber sorgt gleichzeitig dafür, daß ich die Doku wieder ausschalte.
Nichtsdestotrotz, apropos da draußen:
„Prophecy At 1420 MHz“…Der Titel beinhaltet durchaus
eine intellektuell-verschwörerische Art des Humors, oder nicht?
Im Sinne von, daß da mehr zu entdecken sei, als
zu allererst man wahrnehmen werde …
Astrophysik meets Esoterik
meets Irony ;) ;)
Hat doch was!
Nichtsdestoweniger, an Alan Wilder und Recoil erinnert mich das ja nicht so sehr… Oder—okay—außer, daß beide Projekte fantasievolle (psychedelische) Klangräume hervorbringen.
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Boards of Canada scheinen künstlerisch doch eine Menge mit Natur und Planeten zu tun zu haben. Die Mysterien, jene des Universums… Das Dunkel des geheimnisvoll Unbekannten. Ein Spannungsfeld durch weite offene Räume.
Dagegen klanglich das ‚Dunkle‘ bei Recoil empfinde ich als deutlich industriell, als städtischer und teils auch (ich nenne das einfach mal) zivilisationsgeschädigt. Also beengt, in vier Wänden. Insgesamt provokant mit evtl. schwarzem, zynischen Humor.
Zumindest würde ich so meine sehr spontanen Eindrücke (aus meiner Sicht des Nicht-Kenners der Band), beschreiben wollen. Und das Fazit: Ein Fan von elektronischer Ambientemusik bin ich weiterhin null! Dennoch gleichwohl ganz zufrieden
damit, von Boards of Canada
nun gehört zu haben.
Vielen Dank an @Sven und @testcase für die Infos! Und schließe entsprechend mich @Andrea an.
@Lorcka
wow – voll interessant zusammengefasst, die Unterschiede zwischen Recoil und BoC.
Bei Recoil finde ich neben dem Schwarzen humor auch, dass es immer ein wenig um „Verführung“ geht – also irgendwelche dunklen Dinge, die auf seltsame Art auch anziehend wirken.
BoC ist für mich oft mehr auf „Melancholie“ angelegt – ein ernstgemeinte Sehnsucht irgendwie.
Bei Recoil ist die Technik eher kalt und futuristisch, bei Boc geht eher um die „romantik verlorener VHS-Kassetten“ – alte Erinnerungen, die irgendwo im analog-digitalen Raum noch weitersummen.
Bei der Düstneris trifft es sich dann – manchmal wird BoC was die Melancholie angeht so extrem, das man es eigentlich nicht mehr anders als mit Humor nehmen kann („Reach for the Dead“) – so ähnlich wie bei Recoil, wo auch die „seltsamen Sachen, die verführerisch wirken können“ so extrem zugespitzt werden, dass man als Ausweg auch nur noch Lachen kann („Her soul was dark as mud
Suck your life out just like quicksand
Leave you choking on your blood“)
Die früheren Alben von BoC waren eigentlich nicht ganz so düster – Tomorrows Harvest hatte aber schon solche Tendenzen. Aber es gibt auch ganz leichte Lifestyletracks von denen bspw. „DayVan Cowboy“.
(Der Odd nosdam Remix von Dayvan Cowboy hat einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen, total sensibel und total perfekt, und überhaupt nicht düster – einfach nur wie Sonnenschein auf einem Highway-Parkplatz.)
Wo sich Recoil und BoC vielleicht noch berühren ist, dass es „zuhörmusik“ ist – also, so richtig einfach nur abschalten und es im Hintergrund laufen lassen funktioniert nicht so richtig, man wird schon auf einen Film mitgenommen, den man auch zulassen muss – sonst wird es schnell nervig.
Das fand ich besonders treffend:
„intellektuell-verschwörerische Art des Humors“ –
ja, das macht dieses rätselraten bei BoC manchmal so interessant – meinen die das jetzt ernst? Soll das nur Gänsehaut erzeugen? Sind die Zitate aus einem Vortrag des Islamischen Theologieprofessors Seyyed Hossein Nasr, die in diesem neuen Track eingebaut sind nun als „Warnung“ gemeint, oder werden diese „großen Fragen“ ernst genommen? Soll hier gefragt werden: „Was wäre wenn tatsächlich so eine Übertragung aus dem All zu uns käme, auf der SETI-Frequenz 1420MHz“?
Ich genieße halt die Immersion in solcherlei Mehrdeutigkeiten – freut mich irgendwie, geistiges Futter mit Substanz zu bekommen, nicht nur irgendwas, dass meine Kanäle zukleistert.
Aber ich kann das mit der Ambient-Musik sehr gut verstehen.
Da hab ich übrigens neulich mal was tolles entdeckt, japanische Ambient-Musik, die man leise im Hintergrund laufen lassen kann, als eine Art „akustische Zimmerpflanze“ – bspw.
Takashi Kokubo, Hiroshi Yoshimura, Takatoshi Naitoh und andere.
Aber nicht anfangen zuzuhören … leise und im Hintergrund <3
Wünsche ein schönes verlängertes WE. @Lorcka @Andrea @Sven .. usw.
Verzeihung wegen der vielen Rechtschreibfehler. Irgendwann hilft mir dabei dann die KI haha :D