Bryan Michael spricht im Interview über sein neustes Werk

Alka meldet sich mit zweitem Album „Regarding The Auguries“ zurück

Vince Clarke hat in der letzten Zeit nicht nur an dem aktuellen Erasure-Album („The Neon“) fleißig gearbeitet, sondern er kümmerte sich auch um die Künstler seines eigenen Labels, VeryRecords. Nach dem Debütalbum von Brook aus dem Jahre 2019 veröffentlicht er am 9. Oktober 2020 nun die zweite LP von Alka. Den geheimnisvollen jungen Musiker, namens Bryan Michael, der hinter dem Pseudonym Alka steckt, hat unser Redakteur-Kollege Janos Janurik aus Anlass der bevorstehenden Album-Veröffentlichung interviewt.

depechemode.de: Drei Jahren nach deinem ersten Release auf Vince Clarkes Very Records Label erscheint ein neues Album von dir im Oktober. Wenn wir deine vorherigen Veröffentlichungen auch dazu zählen, ist das schon das vierte Alka Album seit 2007. Wann hast du zum ersten Mal mit dem Musizieren angefangen? Wer waren die Musikhelden in deiner Jugend? Ich habe zum Beispiel Fotos von dir gesehen, wo du Nitzer Ebb T-Shirts getragen hast. Oder war das ein reiner Zufall?
Bryan Michael: Sehr aufmerksam. Ich begann mit der Musikproduktion, sobald ich meinen ersten CASIO SK-1 und später SK-5 bekam und sie mit Art Of Noise-Samples bestückte. Ich war schon immer ein Fan von vielfältiger Musik im Allgemeinen, aber als ich aufwuchs, hatte der elektronische Sound etwas an sich, was mich faszinierte, und ich fühlte mich definitiv zu obskuren Acts (zumindest für die Staaten) hingezogen, die z. B. auf den Labels Nettwerk, Wax Trax!, Play it Again Sam und Mute erschienen sind.

dm.de: Nach seiner Kooperation mit Paul Hartnoll und nach der Veröffentlichung des Debütalbums von Reed & Caroline hat dich Vince Clarke unter seine Fittiche genommen. Ich erinnere mich noch gut daran, als er mir im Spätsommer 2017 mit einem Augurenlächeln erzählt hat, dass das nächste Very Records Release von einem begabten Bibliothekar kommen wird. Wie bist du mit ihm in Kontakt getreten? Warst du ein Fan von seinen Werken? Wie war er als Mentor?
BM: Ich erzählte ihm, wie seine Sample-CD „Lucky Bastard“ für mich wie ein Tor zu einem verbotenen Universum des analogen Synthesizer-Himmels war, als sie veröffentlicht wurde. Seine Arbeit war tief in meiner Liebe zur elektronischen Musik verwurzelt. Es war nicht nur, dass er ein erstaunlicher Melodienschmied und Produzent war, sondern ich schätzte wirklich seine Liebe und Wertschätzung für große und kleine Synthesizer. Die Zusammenarbeit mit Vince war eine absolut erstaunliche Erfahrung und absolut inspirierend.

dm.de: Ich denke, dass dein neues Werk das Herz von allen Elektro-Fans höher schlagen lassen wird. Es fesselt den Hörer von der ersten Minute an und vereinigt viele verschiedene Stilrichtungen der elektronischen Musik: Ambient, Industrial, Synth-Pop und so weiter. Wer war noch beim Experimentieren dabei, wer hat noch an der Produktion gearbeitet?
BM: Seit einiger Zeit überdenke ich Alka als Soloprojekt und eher als eine kollaborative Einheit. Ich hatte eng mit meinem Kollegen Todd Steponick, einem Künstler für elektronische Musik, zusammengearbeitet, aber erst als wir Erika Tele fanden, die wir ursprünglich für eine Live-Video-Performance unter Vertrag genommen hatten, hat es wirklich geklickt. Als sie anfing, Gesang und andere Elemente beizusteuern, waren wir von dieser klanglichen Entwicklung begeistert. Wir möchten beat-basierte Genre-Gefängnisse vermeiden und bevorzugen Vielfalt in unserem Sound.

Alka Pressfoto / Fotocredit: Erika Tele

dm.de: Die Vorab-Single, „Faito“ („Kämpfe!“ auf Deutsch) ist vielleicht der verrückteste Song aus deinem neuen Album und die japanischen Sprachsamples machen ihn noch mysteriöser. Das minimalistische, computeranimierte Video passt auch hervorragend zur Stimmung des Songs und Vince Clarke hat einen hervorragenden Mix dazu gefertigt. Hast du eine besondere Neigung zu Asien, oder ist das eine Art Ehrerbietung an Kraftwerks „Dentaku“, oder hat dich ganz einfach deine Musikerkollegin, Erika Tele beeinflusst?
BM: Ich nehme zwar damit das Risiko auf mich, dass ich als Weeb bezeichnet werde, aber neben Synthesizern und elektronischer Musik Mecha-Design, waren Anime im Allgemeinen und eine gesunde Dosis Tokusatsu immer meine andere Vorliebe. Ich glaube, dieser Einfluss hat mich nie wirklich verlassen. Die Zusammenarbeit mit Erika war ein Zufall, aber ich schätze ihren multikulturellen Beitrag zu Alka, und wir verbinden uns definitiv mit unserer gegenseitigen Liebe zum Anime und zur japanischen Kultur. „Faito“ war einer jener Tracks, der sich organisch aus Schichten von EMS-Synthi-Aufnahmen und einem verworfenen japanischen Vocal-Take aus einem anderen Track durch die Magie von Todds geschmeidiger Produktion entwickelte.

ALKA - Faito (Official Video)


dm.de: Den Albumtitel „Regarding The Auguries“ kann man in unterschiedlicher Weise erklären. Manche denken, dass was derzeit in der Welt geschieht, haben die Weisen schon vorab prophiziert, andere sind eher der Meinung, dass es zu diesen Zeiten fast unmöglich ist, sogar für eine Woche vorzuplanen. Und was denkst du? Wie siehst du unser jetziges Leben? Was wolltest du mit deiner Musik den Hörern vermitteln?
BM: Die eine Thematik, die während der Produktion immer wieder auftauchte, war das Thema Vögel und insbesondere die japanische Tengu-Mythologie, in der sich eine Art Dämon in einen Vogel verwandeln soll. Eine Weissagung war eine alte römische Form der Interpretation von Omen oder Weissagungen durch die Beobachtung von Vögeln. „Regarding The Auguries“ ist nur eine poetische Darstellung dieses Prozesses, der oft als „Befragung der Auspizien“ bezeichnet wird. Hätten wir jedoch alle den Auguren mehr Aufmerksamkeit geschenkt, hätten wir die Sorgen der heutigen Welt vorausgesehen. Rückblickend kann das Album als eine Art Echtzeit-Interpretation gesehen werden, wie wir dorthin gelangt sind, wo wir heute sind.

dm.de: Und was machst du, wenn du nicht an einem neuen Album bastelst? Machst du noch Remixe für andere Künstler? Oder stellst du DJ-Sets zusammen? Ich weiß, das über Tourneen zu sprechen, derzeit fast unmöglich ist, aber würdest du gerne mit dem neuen Album Live-Sets machen? Gibt es mindestens Pläne, um so etwas in der (hoffentlich) nahen Zukunft zu machen?
BM: Vor kurzem habe ich einige Remixe mit meinem Freund Roger O’Donnell, dem Keyboarder von The Cure, und einige andere Projekte fertiggestellt. Zurzeit arbeite ich an einem DJ-Set für die Sendung im November, aber hauptsächlich arbeite ich immer an neuer Musik zusammen mit meinen verschiedenen Synthesizer-Bau- und Reparaturprojekten. Wir hatten bereits vor der Pandemie unser Live-Set ausgearbeitet und einige ausgewählte Shows gespielt und würden dies auch in Zukunft gerne fortsetzen, aber jetzt müssen wir die Vorhersagen beachten und alle auf uns gut aufpassen.

ALKA Live 360 @ PhilaMOCA March 2019

ALKA – Regarding The Auguries Trackliste:

1. Fractured Time
2. Widthchild
3. Faito
4. Earth Crisis
5. Scrapple
6. Sourcery
7. My Heart
8. Solfège
9. Doubt
10. Dead Like Me
11. King Card
12. Solfège (Fujiya & Miyagi Remix)
13. Faito (Vince Clarke Remix)
14. Fractured Time (DJ Jekyll of Shelter Remix)

Die limitierte CD kann man hier online bestellen.

Letzte Aktualisierung: 9.10.2020 (c)

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Kommentare

  1. IAM
    21.10.2020 - 2:29 Uhr
    2

    Ich bin mir sehr sicher

    dass durch stream Anbieter wie speziell S…y der Zugang zu Musik explodiert ist, sowohl für Künstler auch Publikum. Ich finde seitdem es diese Möglichkeit gibt ist die Musik Welt von Ketten befreit Es ist unkontrollierbar und unzensiert. Es gibt viel größere Auswahl als früher und interessante Songs aus aller Welt drängen nach Außen. Bin jetzt auf Arbeit und gezwungen Radio mitzuhören, die pushen den dreck noch mehr als früher,… hier hab ich auch das Gefühl dass Geld zählt….

  2. IAM
    21.10.2020 - 1:30 Uhr
    1

    Nur zu Info

    Minute Machine
    Hante
    Cold Cave
    Aura Shared
    Agent Side Grinder
    The Anix
    The Soft Moon
    She Past Away
    Kite
    und viele andere
    Warum wird hier kaum oder gar nicht berichtet?
    Hier herrscht Mainstream pur, Ihr benutz DM , ich bin / war Fan aber der ganze Kommerz ist nicht mein Ding, ich bleibe bei den Wurzeln , es gibt noch viel zu entdecken, es sind fette Jahre für Leute wie mich die mit DM richtig aufgewachsen sind und diese Kultur bei sich tragen.

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