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Zwölf Jahre nach Uraufführung

„A Man from the Future“: Pet Shop Boys widmen Alan Turing ein ganzes Album

Die Pet Shop Boys legen ihr wohl ambitioniertes Musikprojekt vor: Am 9. Oktober 2026 veröffentlichen Neil Tennant und Chris ihr neues Album „A Man from the Future“. Das Werk ist kein klassisches Popalbum, sondern eine musikalische Biografie über einen Mann, der die Welt veränderte und dennoch gedemütigt wurde.

Alan Turing war ein britischer Mathematiker, der als einer der Begründer der modernen Informatik gilt. Mit seinem theoretischen Konzept der sogenannten „Turingmaschine“ legte er 1936 die Grundlagen dafür, was ein Computer überhaupt berechnen kann, und prägte damit die Informatik als Wissenschaft entscheidend mit. Während des Zweiten Weltkriegs spielte er als Codeknacker eine Schlüsselrolle bei der Entzifferung deutscher Funksprüche der Chiffriermaschine „Enigma“, was maßgeblich zum Sieg der Alliierten beitrug. Später entwickelte er mit dem „Turing-Test“ ein Gedankenexperiment zur Frage, ob Maschinen intelligentes Verhalten zeigen können – ein bis heute zentrales Thema der Debatte um künstliche Intelligenz.

Trotz seiner herausragenden Verdienste wurde Turing 1952 wegen seiner Homosexualität, die in Großbritannien zu dieser Zeit strafbar war, verurteilt und zur chemischen Kastration gezwungen. Turing wurde depressiv und starb 1954 unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen. Erst 2009 entschuldigte sich die britische Regierung offiziell bei ihm, 2013 erhielt er posthum eine Begnadigung.

A Man From The Future
12 Jahre nach seiner Uraufführung veröffentlichen die Pet Shop Boys ihr Werk über den britischen Mathematiker und Begründer der modernen Informatik endlich als Album.

Letzte Aktualisierung am 6.10.2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Auf „A Man from the Future“ erzählen die Pet Shop Boys Turings Weg von der Kindheit bis zum frühen Tod im Alter von 41 Jahren. Die Idee zu diesem Album reicht weit zurück. Bereits 2012/13 schrieben Tennant, Lowe und der Turing-Biograf Andrew Hodges gemeinsam an der Story, aus der schließlich Songs, gesprochene Texte sowie elektronische und orchestrale Musik wurden. Zur ihrer Motivation sagten die Pet Shop Boys, dass sie Turing ein musikalisches Denkmal setzen wollten, um einen Mann ehren, der seinem Land und der Welt viel gegeben hatte und dafür eine Verurteilung wegen seiner Sexualität kassierte.

Uraufführung stieß 2014 auf Begeisterung

Am 23. Juli 2014 brachten die Musiker ihre Komposition mit dem BBC Concert Orchestra und den BBC Singers in der Londoner Royal Albert Hall auf die Bühne; BBC Radio 3 übertrug den Auftritt live. Schauspielerin Juliet Stevenson sprach damals die Erzähltexte, aber der neuen Albumversion ist ihre Stimme ebenfalls zu hören.

Die Pet Shop Boys spielten vor ausverkauftem Haus, das Publikum reagierte mit Begeisterung. Von den Reaktionen beeindruckt kündigte das Duo an, das Werk irgendwann als Album herauszubringen. Zwölf Jahre später lösen die Pet Shop Boys dieses Versprechen nun ein. Für die Albumfassung nahmen die Pet Shop Boys das komplette Werk in London, Manchester und Berlin neu auf.

„A Man from the Future“ von Pet Shop Boys erscheint am 9. Oktober 2026 in drei Formaten: Wer es klassisch mag, greift zur Vinyl-LP mit der vollständigen Fassung inklusive Gesang und Erzählung. Die Doppel-CD bietet auf der ersten Scheibe ebenfalls die komplette Version, während die zweite Scheibe eine reine Instrumentalversion enthält. Am meisten Musik liefert die Blu-ray Audio: Dort erhaltet die vollständige Fassung des Albums, die Instrumentalversion sowie eine Gesangsversion ohne Erzählung – und das ganze an Dolby Atmos sowie in Hi-Res-Stereo mit 96 kHz und 24 Bit.

Trackliste: Pet Shop Boys – A Man from the Future

  1. Natural Wonders Every Child Should Know
  2. He Dreamed of Machines
  3. The Enigma
  4. Other Ranks
  5. The Memory and the Control
  6. The Trial
  7. Only in His Death
  8. A Man from the Future
Sven Plaggemeier

Hi, ich bin Sven und betreibe als Gründer die Webseite depechemode.de. Hauptberuflich leite ich ein Team von Content-Spezialisten bei einem Telekommunikationsunternehmen. Vernetze Dich gerne mit mir bei Facebook, LinkedIn oder Xing.

8 Kommentare

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  1. Toller und wichtiger Artikel

    Ich bin durch euren Beitrag überhaupt erst auf die Geschichte von Alan Turing aufmerksam geworden. Es ist absolut faszinierend und bewegend, dass die Pet Shop Boys diesem Genie ein so ambitioniertes Denkmal setzen. Dass sie als Ikonen des Synth-Pop – einer Musikrichtung, die ohne Turings mathematische Grundlagen für moderne Computer gar nicht existieren würde – sein Erbe aufgreifen, schließt einen beeindruckenden kreativen Kreis.

    Gleichzeitig macht die Geschichte sprachlos. Wenn man bedenkt, wie brutal der Staat Alan Turing damals wegen seiner Homosexualität in den Tod getrieben hat, versteht man umso besser, warum spätere Weltstars wie Freddie Mercury noch Jahrzehnte danach aus Angst vor Repressalien eisern über ihr Privatleben geschwiegen haben. Die Lernkurve der Menschheit war und ist quälend langsam.

    Umso wichtiger ist es, dass dieses Werk Alan Turings Geschichte im Gespräch hält. Ich bin sehr gespannt auf das Album!

    Antworten
    • Nebulös

      Hi, ich selbst wurde auf Alan Turing aufmerksam Ende 80er als Computer Nerd und Literatur Fan ( neuromancer). Seine Person hatte bei einigen Bekannten etwas nebulöses, schemenhaftes..Man war begeistert von seiner mathematischen Leistung und doch schwieg man irgendwie über ihn. Ich denke im Nachhinein jedoch nicht wegen seiner sexuellen Orientierung, sondern für das, was man ihm antat.
      Kennst du die Geschichte von Lou Reed ? Er hatte bereits als Jugendlicher homoerotische Neigungen, er wurde deswegen medizinisch dagegen (!)
      behandelt..:: mit Elektro Schocks.
      Grausam oder ? und dies in einer aufgeklärten Gesellschaft.
      Ob nun Freddy Mercury selbst Repressalien befürchtete? Ich denke er selbst wollte sich nicht vereinnahmen lassen, von keiner politischen Richtung, er wollte als Rock und Pop Star wahrgenommen werden und so in Erinnerung bleiben
      … nicht als Aktivist für sonst irgendwas. Und seiner Homosexualität sollte das bleiben was es ist . Privat und für andere
      scheixxegal. Er wollte Mensch bleiben und sein , mit allen Facetten.
      Nicht unüblich in den Zeiten des Konservatismus der 70, 80er und Neunziger: . Viele britische Bands wetterten gegen Reagan und Thatcherismus, dem britischen Konservativsmus und neo Liberalismus, der die Ruinen des angelsächsischen Sozialstaates Abriss und zusammenkehrte.
      Bronski Beat , Jimi Sommerville ,
      Morrissey – the Smiths , Talk Talk
      Mark Hollis und Boy George … auch depeche Mode mit dem 83 er Construction Time again… sie alle übten Kritik am Konservatismus der früh 80er
      Und natürlich eine Hommage an die Freiheit der Liebe. Aber sie waren keine Aktivisten und schlossen sich keinen Parteiprogrammen an.
      Auch in liberalen und sozialistischen
      Lagern rümpfte mancher die Nase bei gleichgeschlechtlichen Beziehungen.
      Schwierig auch das Thema Aids Anfang 80er. Nun ist die Ironie der Geschichte gerade die, dass es die Tory’s waren, die zunehmend die Freiheit für gleichgeschlechtliche Beziehungen ermöglichten
      John Mayor , der Thatcher Nachfolger sei hier erwähnt.

      Pet Shop Boys würdigen Alan Turing
      für sein Werk und Leistung , dem ersten Prototyp Computer. Gerade diese Entwicklungen sowie weitere
      in den Zeiten des 2ten Weltkriegs
      waren für elektronische Musik und den ersten Synthesizer von signifikanter Bedeutung ( die Quelle der elektronischen Musik liegt nicht im klassischen Rock und Pop, noch im Jazz oder Blues oder Gospel…
      sie liegt eher in der avantgardistischen elektronischen Musik der Nachkriegszeit). Und sie würdigen Alan Turing als Menschen und als Mahnung für Unrecht das ihm angetan wurde…. und für die Selbstverständlichkeit (!) der Liebe und Beziehungen zwischen erwachsenen Menschen, ungeachtet ob hetero- homo oder bisexuell.
      Weltweit.

      Meine persönliche Ansicht

      BuLG @Andrea

    • @Dorian Gray

      Habe ich die Sätze wieder nicht ordentlich ausformuliert, obwohl ich 100 % bemüht war dies zu tun.

      Guter Punkt, danke für den Einwurf! Du hast absolut recht, Freddie war privat eine unheimlich starke Persönlichkeit und hat sich in seinem Kreis überhaupt nicht verbogen. Mir ging es bei dem Vergleich tatsächlich eher um den größeren gesellschaftlichen Rahmen dieser Epoche: In den 70ern und 80ern bedeutete ein offizielles, mediales Coming-out in der Musikindustrie ja oft noch den wirtschaftlichen Spießrutenlauf durch die Boulevardpresse. Man musste einfach diese scharfe Grenze ziehen.

      Genau dieses jahrzehntelange Erbe der Ausgrenzung, das mit Turing so extrem und tragisch begann, macht die jetzige „neue“ Aufarbeitung durch die Pet Shop Boys in meinen Augen so relevant. Sie nutzen hier die elektronische Musik, um ein Stück queere Zeitgeschichte greifbar zu machen. Eigentlich irre fesselnd – schade, dass sich zu dem Artikel bisher so wenige äußern, die Story hinter dem Album hätte definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient!

      Ich habe mich jedenfalls einige Zeit bei meinen Recherchen im Internet verloren.

      Es gab ca. 49.000 Männer, die in der britischen Geschichte wegen ihrer Homosexualität verurteilt worden waren. Muss man sich mal vorstellen.
      Turings Neffe Dermot Turing unterstützte intensiv die Kampagnen, die schließlich 2017 (!!) zum sogenannten „Alan Turing Law“ führten. Dieses Gesetz begnadigte automatisch alle 49.000 Männer. Hat ganz schön lange gedauert.

      Die berühmte langsame Lernkurve der Menschheit. Nur bei KI sind wir verdammt schnell. Wahrscheinlich des lieben Geldes wegen :-))

    • Lernkurve

      Bei der Gelegenheit kann man mal wieder daran erinnern, dass bei uns in (Gesamt-)Deutschland der Strafgesetz-Paragraph 175 erst 1994 abgeschafft wurde.
      In der DDR passierte das zwar bereits 1968, aber dort hatten queere Menschen auch kein leichtes Leben.
      England war uns bei der Legalisierung Jahre voraus.

    • Recht auch Individualität

      Meine Zustimmung. Denn an jenen Paragraphen 175, bzw. dessen Abschaffung Ende der 1970er musste ich direkt auch denken… Da ich mich von jeher recht gut erinnern kann an die Ereignisse in der Welt um mich herum, nahm ich von daher auch die gesellschaftlichen Debatte damals war.
      Und weiß noch, daß ich als Kind gedacht habe,
      wieso denn so ein Aufstand darum gemacht werde, wer wen gut finde…
      Jeder entscheidet für sich selbst, leuchtete mir sofort ein.

      Im Moment bastle ich hier ein wenig noch an einem Kommentar zu Mylène Farmer,
      aber bekomme den Text nicht kurz genug formuliert, um das Ganze posten zu können, (wegen der Komplexität der Lyrics…).
      Wie dem auch sei, Mylène ist ja ebenfalls -von jeher- engagiert für individuelle Entscheidungen zu lieben und zu leben.

      Aus meiner Überzeugung ist Bewusstsein immer eine gute Sache, nämlich daß das Recht auf Individualität grundsätzlich jeden von uns betrifft –
      unabhängig davon, aus welchem Grunde verschiedene Menschen selbstbestimmt leben möchten
      (und dies nicht zuletzt, um lebensfroh , wohlauf und glücklich zu sein).
      ==> Eine freiheitlich verbriefte Individualität ist für jeden Menschen lebenswichtig—denn niemand passt in eine gleichmachende Schublade! Und an irgendeiner Stelle im Dasein, im Alltag bei Lebensentscheidungen,
      da würde ein Jeder -auf seine Weise-
      sich zutiefst unfrei und unglücklich fühlen,
      falls denn Individualität -freies Fühlen, Denken und Sein-
      in der Gesellschaft unterdrückt werden würden.

      Schließe mich Euch allen in der Unterhaltung hier also an;
      bin mir sicher, dass Kunst wie Musik—also tatsächlich angenehme Dinge, die aber nichtsdestoweniger
      Bewusstsein schaffen—oder auch wie „A Man from the Future“ die Grausamkeit von Unfreiheit
      in Erinnerung rufen–ein wichtiger gesellschaftlicher Faktor sind und sehr gebraucht werden.

    • Edit

      Edit,
      denn das ging gerade darunter und drüber in meinem Text:
      Gemeint war,
      daß ich mich an die gesellschaftliche Debatte in den 1970ern (diese Debatte von teilweise schlimmen Vorurteilen geprägt) noch erinnere,
      also als Paragraf 175 nicht mehr durchgesetzt wurde,
      aber de facto noch Bestand hatte (bis 1994).
      Und inhaltlich in vielen Köpfen eben noch bestanden hat.
      Stichwort „Lernkurve“.

  2. Alan Turing

    sein Name, seine Leistungen im Dienste der Menschheit, sein
    Proto Computer zur Entschlüsselung des Enigma Codes … er ist auch zum Teil der „Pop Kultur“ geworden.
    NewRomancer der Cyber Punk Roman würdigt ihn , der Spielfilm the Imitation Game mit dem famosen Benedict Gumberbatch ( Sherlock)
    und die Per Shop Boys würdigen
    the man from the Future mit einem
    Post- ( Konzept)Pop Konzert , nunmehr auf Vinyl

    danke Pet Shop Boys

    Und schön über eine weitere Würdigungen Alan Turing‘s zu lesen ,
    der alleine für seine sexuelle Orientierung bestraft wurde und erst später die Beachtung fand, der er viel früher schon verdient hätte.
    Ungeachtet seines grandiosen Werks, dessen Evolution aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist.
    Und das nächste Level ( KI) hat schon
    längst begonnen.

    Bin auf die LP gespannt,… man … was für Herbst Monate, Nouvelle Vague, Echo and the Bunnymen, Soft Cell und jetzt noch
    the pet Shop Boys…. Wahnsinn.

    Antworten
    • @Dorian

      ah…..die Turing-Maschine – war Bestandteil einer Prüfung im Studium! Ich selbst war schon immer von solchen Menschen begeistert – ob nun Da Vinci, Turing, Ada Lovelace oder Stephen Hawking….
      Und der Film ist ja mal einer meiner Highlights – bewegend und toll gespielt von allen Beteiligten!

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