Man muss auch mal den „Album des Monats“-Titel an Musikhistorisches verleihen. Und dass Yello in den 30 Jahren ihrer Karriere Musikgeschichte geschrieben haben, ist wohl absolut unumstritten. Höchste Zeit diese Geschichte anhand eines prächtigen Boxsets aufzuarbeiten.

Zunächst die Details: Wem eine Best Of genügt, der wird mit der zeitgleich erscheinenden „The Singles Collection 1980 – 2010“ bestens versorgt, der zusätzlich eine DVD mit (nahezu) sämtlichen Yello-Videos beiliegt. Wer tiefer eintauchen möchte (und das lohnt sich!), dem sei „The Anthology“ ans Herz gelegt, ein feines Boxset, das neben der erwähnten Singles Collection und der DVD noch ein umfangreiches Booklet und eine Doppel-CD enthält, auf der die Herren Meier und Blank auf eine Reise durch ihre persönlichen Lieblingsstücke der eigenen Diskographie einladen. Wir reisen einmal mit.

Boris Blank (Musik und Sound) und Dieter Meier (alles andere sozusagen, von Texten und Gesang bis hin zu den Videos und der Optik an sich) arbeiten tatsächlich bereits seit den späten 70ern zusammen und veröffentlichten vor 30 Jahren ihr erstes Album als Yello. Damals war noch Carlos Peron als festes Bandmitglied dabei, er blieb aber nur bis zum dritten Album und widmete sich anschließend eigenen Projekten.

Schon auf dem Debüt „Solid Pleasure“ (1980) ist der spätere Trademark-Sound Yellos zu erkennen. Versponnene Soundcollagen, experimentelle Elektronik, zahlreiche Samples, dazu arbeitet Meier unnachahmlich mit seiner Stimme, zwischen „echtem“ Gesang, gesprochenen Passagen, Geschrei und schrägen Klangmalereien ist da alles dabei. Dazu gesellt sich von Anfang an ein ganz eigener Humor mit Hang zum Dadaismus. Mit „Bostich“ gibt es bereits einen ersten kleineren Hit (vor allem im US-amerikanischen Underground, in dem Yello von Anbeginn an Kult sind), der hier übrigens nur in einer 2009er Fassung auftaucht (bei den Videos ist dafür das Original dabei), aber auch Stücke wie „I.T. Splash“ haben die Zeit erstaunlich gut überdauert – hier darf man übrigens den tollen Sound der remasterten Fassungen loben, der dafür sorgt, dass auch zeitlich weit auseinander liegende Stücke bestens harmonieren.

Das zweite Album „Claro Que Si“ (1981) birgt zwar keinen offensichtlichen Hit, stellt aber eine Weiterentwicklung und Vertiefung des Sounds dar. Es gibt viele sehr atmosphärische Momente, in denen man sich in einem kunstvollem Spielfilm wähnt (das Songdoppel „The Evening’s Young“ und „She’s Got A Gun“, der satte Sound von „Daily Disco“), was durchaus auch an Dieter Meiers zeitgleichen Filmaktivitäten liegen kann.

Zwei Jahre später heißt es dann „You Gotta Say Yes To Another Excess“ (1983). Hier muss auf einen ärgerlichen Fehler in der Singles Collection hingewiesen werden. Das großartige „Lost Again“ ist nämlich in der Erstauflage nicht drauf, stattdessen gibt es ein anderes Stück („Desire“) doppelt. Fehlpressung! Sammlerwert? Der Fehler kann aber behoben werden: Auf www.yello.com steht das Stück zum kostenlosen Download bereit, die Plattenfirma hat sich darüberhinaus zum Austausch der fehlerhaften CD bereit erklärt (siehe hier). Ansonsten hat das Album einen ganz eigenen „Swing“ und das Faible für lateinamerikanische Rhythmen schlägt auf so einigen Stücken durch.

Dann kommt das Meisterwerk. „Stella“ (1985) wird von vielen als bestes aller Yello-Alben bezeichnet. In jedem Falle ist das eröffnende Hit-Triple kaum zu schlagen: „Desire“, „Vicious Games“ (hier in einer gelungenen aktuellen Version) und natürlich „Oh Yeah“. Was wäre „Ferris macht blau“ ohne diesen Geniestreich (okay, immer noch ein toller Film)?! Aber auch andere Songs wie das melancholische „Sometimes (Dr Hirsch)“ sind das (Wieder-)Hören wert. Album und Singles werden weltweit zum Erfolg.

Der Nachfolger „One Second“ (1987) bietet dann zwar „nur“ einen Hit – aber was für einen: Das magische „The Rhythm Divine“ mit der großen Shirley Bassey sorgt immer noch für Gänsehaut. Ansonsten gibt es wieder mehr Latino-Klänge und Kuriositäten wie das Rockmonster „Si Senor The Hairy Grill“. Dafür zielt „Flag“ (1988) deutlicher auf die Charts. Und mit „The Race“ (nicht zuletzt dank der Platzierung als Titelmelodie der legendären TV-Show „Formel Eins“) gelingt der größte Singlehit der Bandkarriere. Es gibt aber auch weiterhin stimmungsvolle, ruhigere Stücke, siehe „Of Course I’m Lying“.

Mit „Baby“ (1990) neigt sich die Yello-Ära der atmosphärischen, experimentellen Jahre langsam dem Ende zu. Man glänzt mit dem tollen „Drive/Driven“ oder dem herrlichen Schmachtfetzen „Capri Calling“, es gibt aber auch einige Sound-Wiederholungen zu vermerken. Nach einer etwas längeren Pause gelingt mit „Zebra“ (1994) leider kein größerer Erfolg. Obwohl es mit „Tremendous Pain“ eine wirklich gute Single gibt, während man ansonsten den Spagat zwischen eigenem Stil und den Clubsounds der 90er sucht.

Beim nächsten Album „Pocket Universe“ (1997) geht man noch weiter, marschiert deutlich Richtung Dance-Music, verliert dabei aber die eigenen Qualitäten aus den Augen. Da ist „Motion Picture“ (1999) als eine Art Soundtrack zu einem nicht existierenden Film schon eher wieder eine Rückkehr zu besserer Form. Stimmungsvolle Tracks wie „Time Freeze“ zeugen davon.

Im neuen Jahrtausend versuchen Yello nochmals aktueller elektronischer Musik ihren Stempel aufzudrücken. Was dieses Mal mit „The Eye“ (2003) überraschenderweise viel besser gelingt. „Planet Dada“ ist ein echter Tanzflächenfeger, ansonsten mischt man geschickt loungigere Sounds (häufiger auch mal mit weiblichem Gastgesang, wie bei „Junior B“) unter die Elektronik. Die Herren sind mit dem Album offensichtlich noch sehr zufrieden, denn es ist hier mit ziemlich vielen Songs vertreten. Im vorigen Jahr folgte dann das aktuelle Album „Touch Yello“, das relativ entspannt daherkam, u.a. dank Gastarbeiter Till Brönner auch leicht jazzige Töne anschlug – und sich erstaunlich gut verkaufte. Songs wie „The Expert“ oder „Out Of Dawn“ zeigen, dass da immer noch etwas geht.

Ebenso wie die ganz neuen Stücke, mit denen wir die Reise nun auch abschließen. Sowohl das knispelnd groovige „Dialectical Kid“ als auch das barloungige „Tears Run Dry“ lassen auf interessante zukünftige Scheiben hoffen.

Und so lange kann man sich an diesem wundervollen Paket hier delektieren. Tipp des Monats!

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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