Da liest man in seinem Posteingang den Namen einer russischen Künstlerin, denkt an t.A.T.u. oder gar Schlimmeres und beachtet das Ganze erstmal nicht weiter. Großer Fehler! Diese junge Dame hier liefert mit ihrem Debüt eines der schönsten Electropop-Alben der letzten Jahre ab.

Hätte man eigentlich ahnen können, denn die Jungs vom Berliner Label Shitkatapult (T.Raumschmiere, Warren Suicide, Apparat…) haben sich bisher eigentlich immer als sichere Bank für spannende Musik erwiesen. Nun stellen sie uns also Xenia Beliayeva vor, geboren in Moskau, in Hamburg lebend, dort und darüber hinaus auch bereits mit einem Ruf als erstklassiger Club-DJ (oder darf man noch DJane sagen?) und mit einem starken Hang zu dunkler, poppiger, waviger Popmusik.

Vergleichspunkte sind – neben zahlreichen alten Helden des New Wave der 80er – auch moderne Clubmusikmacherinnen wie Ellen Allien oder Miss Kittin. Nach Letzterer klingt nicht nur das herrlich trockene “Mind Damage” (wobei da sicher auch ein paar Spuren EBM drin sind, für die Herren Fixmer/McCarthy hat Xenia übrigens auch schon geremixt), nein, Frau Herve hat beim z.T. russisch getexteten “DNA” sogar gleich mitgemacht.

Die Songs sind allesamt extrem eingängig und meist tanzbar, mit schick-kühlen Beats und schimmernden Synthesizer-Sounds ausgestattet. Dazu kommt eine gute, passende Stimme, zwischen client-cool, wie in der feinen Single “Ever Since”, und ganz schön verrucht wie im lasziv-tieftönenden “Cry To”. Auch das Tempo ist variabel, kann mal fast ganz herausgenommen werden (“New Day”) um dann wieder mit ein paar sägenden Sounds verschärft zu werden (“Know Me”). Es gibt neben gut dosierten Retro-Sounds immer wieder kleine Ideen und Effekte, die die Spannung aufrecht erhalten – Musterbeispiel: “Secrets & Spies”, das so manchen Clubfloor füllen sollte.

Wir lernen also: Namen sind Schall und Rauch, gute Musik kommt überallher und fantastischen Synthie-Pop gibt es auch heute noch. Sehr fein.

(Addison)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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