Wie knüpft man an ein – auch aus verkaufstechnischer Sicht – enorm erfolgreiches Debüt an, ohne zu sehr auf Nummer Sicher zu gehen? Zum Beispiel, indem man das gestiegene Budget in eine mächtige Produktion steckt und den Hang zum 80er-Pop-Ohrwurm noch hemmungsloser auslebt als bisher. So machen es die White Lies jedenfalls.

To Lose My Life“ warf nicht nur ein paar Hits (wie den Titelsong und „Death“) ab, sondern erreichte auch als Album Platz 1 im UK und Verkaufszahlen in der Nähe der Millionenmarke. Es folgte eine schier unendliche Welttournee, und nun soll der Nachfolger dem Druck standhalten. Dazu haben Harry McVeigh, Charles Cave und Jack Lawrence-Brown den alten Studiohasen Alan Moulder angeheuert, der ja auch uns DM-Fans ein Begriff sein dürfte. Der und die entsprechend zur Verfügung stehenden Produktionsmittel sorgen nun auf „Ritual“ für einen satten Sound, der im Bombast der 80er schwelgt.

Dabei hat sich der Stil der Band auch ein wenig verschoben. Es bleibt durchaus düster angehaucht, allerdings werden die ewigen Joy-Division-Vergleiche nun wohl verstummen und – was der Band gefallen dürfte – eher Namen wie Tears For Fears auftauchen. Auch das letzte Album der Editors ist ein Vergleichspunkt (wobei dessen Genialität nicht erreicht wird). Es gibt immer noch Gitarren, aber auch deutlich stärker betonte Synthesizer. Im Breitwandformat, wie gesagt, das muss man schon abkönnen. Über all die zahlreichen Tonspuren legt Harry McVeigh seine für solche Musik bestens geeignete Stimme, die durch das ausgiebige Touren ein paar Kanten bekommen hat.

Jetzt haben wir die üppige Produktion zur Genüge erwähnt, man könnte das als negativ gemeint auffassen. Ist es aber nicht, denn die Songs sind weiterhin so gut geschrieben und vor allem unverschämt eingängig, dass man den Burschen nicht böse sein kann. Das wird gleich mit den drei ersten Stücken klar, dem tanzbaren „Is Love“ (mit schick nach eineinhalb Minuten einsetzenden Beats), dem schmachtenden „Strangers“ und der Single „Bigger Than Us“ mit ihrem fast schon übertriebenen Refrain.

Danach lässt man auch mal kurz Luft an die Musik, wie im angenehm zurückhaltenden „Peace & Quiet“. Oder man erinnert verträumt an die ganz frühen 80er („Streetlights“). Mit „The Power & The Glory“ wird’s hintenheraus noch mal hitverdächtig, bevor „Bad Love“ und „Come Down“ mit gedrosseltem Tempo zum Ende geleiten.

Manche werden die Musik der White Lies weiterhin für pathetischen Schwulst halten. Na und? Andere erfreuen sich an einer eingängigen Platte voller melodischer Höhepunkte, die gute Chancen hat, den Erfolg des gleichwertigen Debüts zu wiederholen.

(Addison)

P.S. Das Album erscheint auch als limitierte Vinyl-Box mit Bonus-Remix-CD. Außerdem gibt es auf der Facebook-Seite der Band zwei Gratisdownloads.
P.P.S. White Lies live: 25.02. Hamburg, 03.03. Berlin, 09.03. München, 21.03. Köln

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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Kommentare

  1. Gwen
    2
    5.4.2011 - 8:46 Uhr

    (Ich beziehe mich auf den dritten Absatz … davor war es eh richtig.)

  2. Gwen
    1
    5.4.2011 - 8:45 Uhr

    Bitte korrigieren: Der Sänger heißt Harry McVeigh, nicht James!

    Danke

    LG Gwen
    (ein Depeche Mode- UND White Lies-Fan)

    Anm. d. Red.: Ist korrigiert, besten Dank!