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Die euphorischen Power-Synthie-Rocker sind wieder da. Mit Album Nummer Drei nach dem enorm erfolgreichen (und immer noch allseits beliebten) Debüt und dem ebenfalls einträglichen (wenn auch nicht ganz so geliebten) Nachfolger. Wo geht die Reise nun hin, etwa ins große Fernsehen?

Mit ihrem ersten Album „To Lose My Life“ räumten Harry McVeigh und seine Mannen im Jahre 2009 gleich mal die Chartsspitze in der britischen Heimat ab. Zu unwiderstehlich waren die eingängigen Wave-Melodien (allen voran der Titelsong) in Verbindung mit eindringlichem Gesang und einigem Post-Punk-Gitarrendruck. Der Nachfolger „Ritual“ (2011) erweiterte vor allem international den Erfolg, während die musikalische Palette nur leicht variiert wurde (mehr Synthesizer, mehr Bombast, mehr Tears For Fears als Joy Division), auch wenn er auf lange Sicht gesehen nicht so wertstabile Klasse hatte.

Für „Big TV“ wollte man nun wieder etwas songorientierter arbeiten, was die Rückkehr zum ursprünglichen Produzenten Ed Buller zur Folge hatte. Doch der Breitwandsound und die glitzernden Synthies sind trotzdem geblieben. Pathospower ist nun mal ein entscheidendes Stilmittel dieser Band. Im Ergebnis ist aber tatsächlich festzustellen, dass hier wieder mehr mitreißende Songs enthalten sind. Die erste Albumhälfte ist (von einem der zwei eher überflüssigen Interludes abgesehen) allerfeinste Sahne geworden.

Vom Titelsong an, der mit Hall und kreisenden Synthies gleich ganz viel fröhlich-halbschaurige Stimmung verbreitet, wird hier Hitpotential an Hitkandidat gereiht. Die Single „There Goes Our Love Again“ dürfte in Zukunft zu den ersten Stücken gehören, die genannt werden, wenn nach den White Lies gefragt werden sollte. Auch das zunächst unscheinbar wirkende „First Time Caller“ ist gutes Songwriting, bei „Mother Tongue“ dürfen die Gitarren mal etwas lauter rumoren, während das Highlight „Getting Even“ eine kraftvolle Synthie-Hymne darstellt.

In der zweiten Albumhälfte kann diese Klasse allerdings nicht ganz gehalten werden. Da schmachtet schon mal eine Ballade ziellos vor sich hin oder übertrifft die mächtige Produktion die Substanz des einen oder anderen Songs. Aber zwischendurch blitzt das Talent immer wieder auf, und zum Schluss findet „Goldmine“ wieder zur anfänglichen Qualität zurück. Insgesamt reiht sich „Big TV“ damit bei den Alben der White Lies knapp hinter dem Debüt ein. Und dort steht es gar nicht schlecht da.

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P.S. Die White Lies spielen am 07.09. auf dem Berlin Festival!

www.whitelies.com
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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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