Steile These des Rolling-Stone-Magazins

Depeche Mode. Foto: Anton Corbijn
Depeche Mode. Foto: Anton Corbijn

Das amerikanische Rolling-Stone-Magazin hat in dieser Woche einen langen Beitrag Depeche Mode und der Frage gewidmet, welche Einfluss die Band auf moderne Rock- und Heavybands hat. Die These: Die Rolle von Depeche Mode ist weit gewichtiger als bisher angenommen wurde. Dabei soll ausgerechnet das Album eine tragende Rolle spielen, dessen Titel das Rockgenre aufs Korn nimmt.

Marilyn Manson, Rammstein, Ghost, Converge, Sammy Hagar, Fear Factory, HIM und die Deftones haben mindestens drei Dinge gemeinsam. Erstens sind die Musiker in den Bereichen Industrial, Metal, Alternative oder Rock sehr erfolgreich. Zweitens traten diese Künstler ab den 90er-Jahren ins Rampenlicht. Und drittens: Die Musiker haben ein besonderes Verhältnis zu Depeche Mode. Bei Chino Moreno, Sänger der Deftones, ist das schon äußerlich leicht erkennbar. Er hat auf dem linken Oberarm eine Violator-Rose tätowiert.

Andere Künstler sind durch Coverversionen von Depeche Mode-Songs aufgefallen. Die deutschen Fans werden sich noch besonders gut an „Stripped“ von Rammstein oder „Personal Jesus“ von Marilyn Manson erinnern. Das Lied in der Version von Sammy Hagar ist dagegen weniger bekannt.

Die Deftones haben für das Masses-Tribute-Album „To Have And To Hold“ gecovert, aber auch „Sweetest Perfection“ lief schon durch ihre Gitarrenverstärker. Dass HIM „Enjoy The Silence“ gecovert haben, überrascht nicht. Sänger Ville Valo ist ein glühender Verehrer von Depeche Mode und Dauergast auf ihren Konzerten.

Weniger geläufig, aber mindestens ebenso hörenswert sind die Coverversionen von Entwine (Personal Jesus), Ghost (Waiting for the Night), In Flames (Everything Counts) oder Converge (Clean).

Haufenweise Coverversionen untermauern natürlich noch keinen musikalischen Einfluss einer Band. Sind sie allenfalls ein Indiz dafür, welchen Stellenwert die Künstler in der Musikwelt besitzen.

„Sex-Appeal und eine hypnotische Wirkung“

Das Rolling-Stone-Magazin setzte daher bei der Musik an, die Depeche Mode bis in die 90er Jahre gemacht haben. Und führt einige Kronzeugen auf: Für Marilyn Manson hat die Musik einfach „Sex-Appeal und eine hypnotische Wirkung“. Ville Valo wird konkreter: „Die Einzigartigkeit von Depeche Mode war vergleichbar mit der von Black Sabbath. Sie gaben uns die Hoffnung, dass Du nicht das machen musst, was alle machen. Sie haben das Rad neu erfunden.“ Und Cristina Scabbia von Lacuna Coil betont, dass die meist melancholische Musik von Depeche Mode mitten ins Herz geht. Es ist gerade diese dunkle Seite ihrer Musik, die Depeche Mode mit vielen Bands aus der Hardrock- und Heavyszene teilen.

Dabei sind es vor allem die Songs vom 1990er-Album „Violator„, die die Musiker des Rockgenres beeindruckt haben. Ausgerechnet. Denn auf den Namen „Violator“ kamen Depeche Mode, als sie nach dem albernsten und extremsten Titel suchten, den ein Metal-Album haben kann. Eine Ironie, die bis heute vielen Musikfans gar nicht bekannt ist.

Als Violator erschien, war auch die Metal- und Rockwelt im Umbruch. Inhaltlich wurde nun verstärkt über das wahre Leben gesungen. Depeche Mode hatten das – vom Debütalbum Speak & Spell einmal abgesehen – schon immer getan. „Die Alben von Depeche Mode haben allesamt eine persönliche Note und sind sehr kraftvoll“, zitiert das Magazin Converge-Frontmann Jacob Bannon. „Speziell bei ‚Violator‘ ist es die Ästhetik, seine Wesensart, eine Art Kampf zwischen der dunklen Seite des Menschendaseins und den hierin liegenden Versuchungen. Ich denke, dass solche Dinge einfach viele Künstler anspricht, die Heavy Metal machen. Die Themen sind im Grunde die gleichen.“

Reicht das aus, um Depeche Mode als „Metal’s Biggest Secret Influence“ zu bezeichnen, als die Band, die Heavy-Musik am meisten und weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt in den letzten Jahren beeinflusst hat?

Die These erscheint uns ziemlich steil. Depeche Mode haben sich musikalisch nie dem gerade angesagten Zeitgeist oder Mainstream unterworfen. Wegen dieser Authentizität bietet ihr Musik daher Inspiration für Musiker aller möglichen Genre. Aber einen besonderen Einfluss auf die moderne Rockmusik – das können zumindest wir nicht feststellen.

Wie seht ihr das?

 Sven Plaggemeier
Sven ist Gründer und Betreiber von depechemode.de. In seinem Hauptberuf arbeitet er zurzeit als Online-Projektmanager, Social Median und Online-Redakteur. Du kannst Sven bei Facebook, Xing und LinkedIn treffen.

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Kommentare

  1. veganer Frieden
    22
    25.8.2015 - 11:39 Uhr

    „luis
    17.1
    22.8.2015 – 18:14 Uhr
    alan

    Mein kleiner freund, ich gehe davon aus, dass du erst 13 Jahre alt bist, kein Mensch brauch Alan. Depeche Mode hatten nicht wegen Alan Erfolg, sondern trotz ihm.“

    Endlich mal einer der Klartext spricht. Die Musikgruppe Depeche Mode hätte auch ganz schön in die Hose gehen können wegen diesem Störenfried. Seit er weg ist, ist die Musik viel klarer und reiner und mit dem Erfolg ging es steil nach oben. Nur so konnte „unsere Band hier“ entstehen. Ist sogar merkwürdig wie sie die Zeit bis zu diesem Vortgang von Herrn Alan überhaupt rauskommen konnten. Denke auch das der Typ den Dave depri gemacht hat, so das dieser erst die schlimmen Drogen nahm. Seine Stimme klang auch auf dem alten Mist sehr gekünselt kalt und kraftlos. Jetzt ist sehr viel Gefühl drin und freude. Wir hatten in der Primarstufe mal so einen Lehrer. Beide, der und dieser Alan hätten es musikalisch niemals aus der Fusgängerzone geschafft. Die Zeit nach Alan haben Depeche Mode gemacht. Dafor war für die Tonne.

    • Jo August
      22.1
      25.8.2015 - 13:38 Uhr

      Dat kloppt… Bin auch froh, dass er weg ist, auch wenn ich DM mit Alan nicht wirklich erlebt habe. Live sind sie heute DEFINITIV besser.

  2. luis
    21
    22.8.2015 - 18:28 Uhr

    Jetzt mal an alle Spezialisten hier: Wir haben damals in den 80 er auf eine Band gewartet. Dann wären sie da und wir haben den ganzen albernen Quatsch mit den Friseuren und Klamotten mitgemacht. Leute, die sind die besten, fertig. Diskussionen wie diese sind überflüssig. Smashing Pumkings Never let me down again

    • ulliiee hoeniss
      21.1
      24.8.2015 - 20:35 Uhr

      genau , so is it