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Eine lange Zeit ist vergangen, seitdem eine wilde Truppe mit tollen Liveauftritten im Vorprogramm von Northern Lite und einer großartigen Debüt-EP rund um die Kunstfigur Warren Suicide auf sich aufmerksam machte. Mittlerweile ist das Berliner Kollektiv eine Art Gesamtkunstwerk geworden, das auf seinem dritten Longplayer seine musikalischen Fühler in noch mehr Richtungen ausstreckt als zuvor.

Den Kern von Warren Suicide stellt weiterhin das mit dänischen bzw. luxemburgischen Wurzeln ausgestattete Duo Nackt (der vor allem für die Musik zuständig ist) und Cherie (die neben dem weiblichen Anteil der Vocals mehr die visuelle Seite bearbeitet). Darum herum schwirrt im Schmelztiegel der Hauptstadt aber eine schier unüberschaubare Menge an Künstlern und Freunden, von denen so einige – man spricht von über 50 Leuten – auch hier mitgewirkt haben.

Da wäre natürlich T.Raumschmiere, auf dessen Shitkatapult-Label Warren Suicide veröffentlichen. Dazu diverse Teile der Apparat Band, kein Wunder, hat Nackt ja auch das aktuelle Apparat-Album co-produziert. Dazu kommen Kollegen von den Einstürzenden Neubauten, Transporterraum oder den Tindersticks sowie die Berlin/Göteburg String Theory, die die erneut angewachsenen Streicherparts beigetragen hat. Und Moses Schneider an den Reglern!

Das Ganze sorgt dann auch für einen kunterbunten Klang, der noch vielfältiger als beim Vorgänger „Requiem For A Missing Link“ ausgefallen ist – und bei jenem rätselten wir schon zwischen Electro, Wave, Rock, Klassik und anderen unzureichenden Genrebezeichnungen. Die zehn Stücke auf „World Warren III“ gehen auch kaum je in irgendeine geradlinige Richtung.

Am direktesten Richtung Tanzfläche zielt wohl noch die bereits im letzten Jahr veröffentlichte Single „Hollywood Yourself“, mit fettem Knarzbass und satter Elektronik. Das ebenfalls bereits dem einen oder anderen bekannte „Moving Close“ geht nach allmählichem Klick-Klack-Aufbau auch ordentlich ab und bei „Cyberkid“ möchte man nach atmosphärischem Intro munter mithüpfen (und klingt es nicht ein bisschen nach der Titelmelodie von „Spiderman“?) – doch urplötzlich stolpert der Song beiseite und rutscht in eine lässige Chillmelodie hinein.

Was häufiger hier passiert, aber stets mit einem Plan dahinter. Die Stücke sind unberechenbar und haben mitunter Ideen für mehrere Songs auf einmal. Erstaunlicherweise verlieren Nackt & Co. aber dabei nie den Überblick. Die hohe kompositorische Klasse hält alles zusammen, vom verschlurften „We Declare Warren Peace“ zu Beginn über das Streicherinferno „Hello Mom“ (das im übrigen ein echter Hit ist, Reinhören!), den Pianomarsch „Fuck Off Happy“, das Elektroexperiment „In Love With The Enemy“ bis hin zur Fast-Ballade „Forgive Me“ und dem tierisch orchestralen Soundwahnsinn der „Animal Party“.

Warren Suicide heben ihre hohe Kunst mit „World Warren III“ auf eine neue Stufe und sind weiterhin jede Empfehlung wert. TIPP!

(Addison)

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www.warrensuicide.com
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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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