vitalic_flashmob Wir wollen mal nicht hoffen, dass der Albumtitel bedeutet, der Vitalic tauche plötzlich irgendwo auf, veranstalte etwas Irres und verschwände dann wieder. Viel zu lange (über vier Jahre) hat er schon auf dieses, sein zweites Album warten lassen. Und wer so ein Füllhorn an Ideen über Electro zwischen Techno und Disco auskippt, der soll bitteschön bleiben.

Pascal Arbez-Nicolas stammt aus dem Burgund und lebt immer noch in einem Landhaus bei Dijon. Er war schon als Kind interessiert an der russischen Sprache, daher auch der Künstlername. In den späten 90ern lernt er – damals bereits im französischen Techno-Underground aktiv – The Hacker kennen und gerät über jenen ans Münchener Gigolo-Label von DJ Hell. Dort wird dann 2001 seine Debüt-EP „The Poney EP“ veröffentlicht, die gleich ein großer Knaller wird, v.a. dank der Hymne „La Rock 01“. Er wird zum gefragten Remixer, und 2005 erscheint sein Debüt „OK Cowboy“. Dann passiert scheinbar lange Zeit nichts.

In Wirklichkeit feilt er zu Hause lange Zeit an neuem Material. Und das zahlt sich in einem erstaunlich vielseitigen Werk aus. Der Titel kommt übrigens daher, dass Pascal sich sehr für das Prinzip und die Dynamik von Flashmobs begeistert. Dynamisch ist dann auch der dazugehörige Titeltrack, eine Dancefloorsirene allererster Kajüte. Solche direkten Stücke gibt es mehrfach, siehe das belgien-affine „Terminator Benelux“ oder die rasiermesserscharfe „Chicken Lady“.

Doch auf diesem Album geht es überwiegend subtiler und vor allem sehr melodiös zur Sache. Der Geist von Giorgio Moroder (nicht, dass der schon tot wäre) schwebt über so manchen der schönen Synthieflächen. Man höre nur das bezaubernd-melancholische „Still“ oder „Poison Lips“, das sicher ein wenig an Donna Summer geschnuppert hat. Auf letzterem Stück gibt es auch ergänzenden weiblichen Gesang, ein gutes Stilmittel, das Vitalic mehrfach einsetzt, etwa auf dem arschcoolen „One Above One“ oder dem fantastischen 8-Bit-Hit „Your Disco Song“. Ja, und dann gibt es noch die herrlich atmosphärischen Elektroniktracks „Alain Delon“, „Station Mir 2009“ und „Second Lives“, die streckenweise an frühe Klassiker zwischen Kraftwerk, Tangerine Dream, Oldfield und Jarre erinnern.

Ein überraschendes Elektronik-Highlight im Herbst, das allen Anhängern erwähnter Musikrichtungen ans Herz gelegt sei.

(Addison)

P.S. Live am 20.11. in Berlin (Maria)

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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