uip_liquid Nein, nichts Alan Wilder hier. Urlaub für die Ohren ist aus. Und mit Polen ist es auch Essig. Dreimal in die Irre geführt. Ergibt ein tolles viertes Album des dynamischen Duos aus dem relativ tiefen Westen Deutschlands. Klingt komisch, ist aber so.

Jan Philipp Janzen und Georg Brenner reißen gern Genregrenzen ein. Wer sie schon einmal live erleben durfte, hat sicher gestaunt, wie zwei Männer auf der Bühne aus Bass und Schlagzeug zuzüglich diverser elektronischer Geräte einen dermaßen infernalischen Lärm herauskitzeln können. Doch über den elektrifizierten Krach hinaus haben sie sich bereits auf dem Vorgängeralbum „Health And Welfare“ in Richtung songorientierteren Schaffens entwickelt (jedoch nicht, ohne hin und wieder ein lautes Ausrufezeichen einzuschieben). Wobei sie selbst eigentlich gar keinen Wert auf die Trennung der Begriffe „Sound“ und „Song“ legen. Auf „Liquid“ geht es jedenfalls noch weiter Richtung Pop. Dieses ist ihr bislang eingängigstes Album geworden.

Da hinterlassen die ersten drei Stücke in ihrer musikalischen Bandbreite und ihrem blanken Willen zum Pop schon massiv Eindruck. „Sweet Candy Piper“ startet mit melodischen Wave-Gitarren und geradlinigem Beat, ohne das krautrockige Erbe von frühen Innovatoren wie Neu! zu verleugnen. „Theodore Flames“ fällt dann mit einer 80er-Synthie-Sirene ins Haus, bevor das Schlagzeug den einprägsamen Song nach vorne treibt, mitten hinein in echolastige Gitarren. Doch die, ja, genau, Krone setzt Song Nr. 3 mit dem (irreführenden) Manowar-Gedächtnistitel „Defender Of The Crown“ auf. Dieses Stück hat das Zeug zum astreinen Hit! Doch, sogar im Radio. Blitzblanker Elektropop mit tollen Synthies und Ohrwurm-Refrain.

Danach finden sich auf „Liquid“ aber doch noch die bei dieser stets eigenwilligen Band erwarteten Stromschnellen. „Marseilles Swell“ borgt sich ein paar Kraftwerk-Sounds und gerät bis auf kühle Sprachsamples fast instrumental, während auf „Sequence I“ plötzlich der Oldschool-Techno ausbricht.

Im nächsten Gang wird wieder mehr Schlagzeug an Trompete mit Jazzspuren im Elektronikmantel gereicht („100% Free System“), bevor der Noiserock doch noch ein Lebenszeichen sendet („Flicker“) und schließlich das entspannt wavige „The Weekender“ den Schlusspunkt setzt.

Alle Hüte ab, Urlaub In Polen ist ihr bisher abwechslungsreichstes Album gelungen. Eines, dass Anspruch und Eingängigkeit vereint und ihnen hoffentlich neben den treuen Fans breitere Hörerschichten bescheren wird.

(Addison)

P.S. Live hier: 16.04. Bremen, 17.04. Bochum, 18.04. Münster, 29.04. Stuttgart, 30.04. Wiesbaden, 01.05. Hamburg, 02.05. Berlin, 04.05. Dresden, 05.05 Chemnitz, 06.05. Nürnberg, 07.05. Schwerin.

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www.myspace.com/urlaubinpolen

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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