Diese Rezension kommt nur deswegen so spät, weil der Rezensent das wirklich nicht schöne Plattencover erst verkraften musste. Dabei liegt uns doch der heutzutage eher seltene Fall von wirklich gelungenem Dark Synthiepop am Herzen. Ja, hier geht es düster und eingängig zugleich zu. Austra-Fans (und alle anderen auch): Aufgepasst!

Wieso Austra-Fans? Nun, einmal weil das hier musikalisch durchaus streckenweise entfernte Verwandtschaft vom großartigen Pop von Frau Stelmanis und Band sein könnte. Andererseits aber auch, weil Austra-Drummerin Maya Postepski die weibliche Hälfte von Trust darstellt. Ihr Partner hier ist Frontmann Robert Alfons (und keiner von beiden sieht der leidenden Covergestalt normalerweise ähnlich). Also mal wieder Kanada, mal wieder Toronto.

Wer sonst noch an heute aktiven Künstlern im Vergleichsfenster genannt wird, sind gern die Crystal Castles (zu deren Album kommen wir auch gleich noch). Aber so einen Krach gibt es hier am Mikro nicht. Eher eine verwaschene Version von Ian Curtis, um den (neben Bauhaus, Light Asylum, Ladytron und vielen weiteren ungefähren Bezügen) auch schon wieder ins Spiel zu bringen.

Gleich zu Beginn klirren die Synthesizer auf „Shloom“ so herrlich gestrig, dass sich wohlige Gänsehäute bilden. Was noch häufiger vorkommen wird im Verlauf von „TRST“. „Dressed For Space“ heißt auch nur so, weil da draußen im Weltall alles schwarz ist und mit „Bulbform“ kommt gleich mit dem dritten Stück der dritte Beinahe-Hit. Es ist düster, schmutzig, es geht vermutlich oft um Körperflüssigkeiten. Auch die „Candy Walls“ sind vermutlich mit Rasierklingen versetzt und wo es ein „Gloryhole“ gibt, sind die Phantasien auch selten saubere.

Oder geht es jetzt mit uns durch? Und warum haben wir nur so viel Spaß daran?

Also gut, mache sich jeder sein eigenes Schwarzweißbild davon, wir empfehlen einstweilen als weitere Hörproben noch die Highlights „Chrissie E“ und „Sulk“ am Ende des Albums. Oder doch die neue Single „Heaven“? Kurzum, auf Trust kann vertrauen, wer elektronischen Pop der dunklen, ja fast gotischen Sorte mag.

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P.S. Anfang 2013 live: 04.01. Wien, 05.01. München, 15.01. Berlin, 16.01. Hamburg, 18.01. Lausanne, 19.01. St. Gallen

www.ttrustt.com
www.facebook.com/dressedforspace

 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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