reznor_verblendung

So kann es kommen. Erst macht sich Trent Reznor über Awards und dergleichen lustig, dann werden er und sein Partner Atticus Ross für den Soundtrack zu David Finchers „The Social Network“ mit Preisen (u.a. einem Oscar) überhäuft. Nun scheint man Gefallen daran gefunden zu haben (an den Scores natürlich!) und reicht für den nächsten Fincher-Film ein gewaltiges Opus ein.

Seit einer Woche ist sie auch in unseren Kinos zu sehen, die amerikanische Version von „The Girl With The Dragon Tattoo“ – auf deutsch: „Verblendung“ – und normalerweise fragt man sich ja immer, was das soll, einen fremdsprachigen, in diesem Falle schwedischen und seinerseits bereits erfolgreichen Film neu aufzulegen. Wenn das aber mit David Fincher einer der besten Regisseure der Gegenwart („Sieben“!, „Fight Club“!, „Zodiac“ etc.) macht, darf die Ausnahme erlaubt sein. Der Rezensent hat seine Interpretation von Stieg Larssons Bestseller bereits gesehen und möchte eine ausdrückliche Kinosbesuchsempfehlung aussprechen. Hart, direkt, ziemlich werkgetreu und brillant besetzt (Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer u.a.).

Und mit einem perfekt zum Film passenden Soundtrack, womit wir bei dieser Veröffentlichung hier wären. Dass Reznor die Nine Inch Nails und andere Projekte für diese Tätigkeit ruhen lässt, schmerzt sicher den Fan, ist aber verständlich, wenn man das Ergebnis betrachtet. Mit 39 Tracks und fast drei Stunden Spielzeit ist der Score sogar noch ein bisschen länger als der auch schon nicht eben knappe Film. Es beginnt wie im Kino mit einer Coverversion – Led Zeppelins „Immigrant Song“ untermalt dort, stimmlich unterstützt von Karen O (Yeah Yeah Yeahs) den äußerst verstörenden Vorspann (s.u.).

Danach wird es aber – normal für einen Soundtrack – instrumental, und zwar bis zum Ende. Erst dann erhebt sich die Stimme von Mariqueen Maandig, Ehefrau von Reznor und Stimme seines anderen Projektes How To Destroy Angels, zum Abspannsong, einem minimalistisch-gefühlvollen Cover von Bryan Ferrys „Is Your Love Strong Enough“. Dazwischen herrscht überwiegend klirrende Kälte, passend zur Atmosphäre und zum abgelegenen Spielort des Films im winterlichen Schweden. Reznor und Ross setzen die inhaltlichen Themen mit überwiegend elektronischen Mitteln abwechslungsreich in Klänge um. Düster und nur gelegentlich optimistisch, surrend, klappernd, fiepend, klickend. Die Tracks zeichnen kongenial die Themen des Films nach – Hass, Verbrechen und überhaupt tiefe, sehr tiefe menschliche Abgründe.

Ein glänzender und voraussichtlich erneut preisgekrönter (vier namhafte Nominierungen, u.a. für den Golden Globe, gab es bereits) Soundtrack, der wie Buch und Film ebenfalls von uns empfohlen wird.

P.S. Neben der digitalen und physischen Veröffentlichung (3 CDs im Digipack) – auf MUTE – gibt es übrigens auch eine schicke Deluxe Limited Edition als Metallbox mit 6-fach Vinyl, exklusivem Artwork und einem USB-Flashdrive in Form einer Rasierklinge (ganz, wie die Heldin Lisbeth Salander es mögen würde).

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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3
Kommentare

  1. kurt
    3
    21.1.2012 - 14:13 Uhr

    @ emhead

    die amis können es ausserdem nicht haben wenn ein fremdsprachiger film erfolg hat:-)
    orginal film ist klar besser spannender und düsterer! aber der soundtrack ist zum remake gelungen.

  2. 19.1.2012 - 13:15 Uhr

    :-)

    Hab mich auch sofort gefragt, was der Remake-Quatsch soll – vermute aber mal ganz stark, dass dieses selbstherrliche Amivolk einfach keine Synchro hinkriegt, geschweige denn Schwedisch spricht oder weiß, wo das überhaupt liegt.
    Also wird der Film kurzerhand selbst vom Fließband gekickt und gut ist.
    Die schwedische Version besticht grade durch die nicht hollywood-typische Inszenierung. Nichts langweilt mich mittlerweile mehr als der amerikanische Film, mit seinen immergleichen Spannungsbögen, ätzenden Moralvorstellungen und künstlich grinsenden Botox-Miemen…
    Der Soundtrack ist natürlich saugeil, keine Frage…wunderbare Hintergrundmusik, beim Bücherlesen. Anspruchsvoll und berührend. Wie alles von Reznor ..da steckt Herzblut drin.

  3. Lamodie
    1
    19.1.2012 - 2:40 Uhr

    Grütze

    Was ist das für eine Aussage weil ein bekannter Director dahinter steht sei es verziehen? Das ist genau das gleiche als wenn man sagt es sei verziehen das „Strangelove“ und „Master and Servant“ auf der Live BD fehlen weil man dafür 2 Bonustracks bekommt die man eh schon aller Furze lang hat und dann noch nicht mal in dem Beitrag erwähnt das die BD Aufnahmen nur 1024i und nicht 1024p ist. Hauptsache immer schön der Fresse nach reden. Das einzige wozu man dM.de noch gebrauchen kann ist die Information aber Rezensionen kann man sich hier spätestens seit der BD VÖ. von Tour of the Universe nicht mehr geben. Sorry das ich das so sagen muss. Meine Beitrag bitte nur subjektiv betrachten, danke. Auf den Film und die Musik gehe ich jetzt gar nicht weiter ein. Fuck Hollywood wenn es um Remakes geht. Das Ding ist zu weich und selbst wenn es ein paar Millionen mehr einspielt, das schwedische Original fickt mein Hirn um einiges mehr. Cheers!