Auf ihrem zweiten Album haben die vier Kanadier die Spielzeit um über 25 Prozent ausgedehnt. Äh, also von rasanten 28 auf immerhin mehr als 36 Minuten. Und das bei gleicher Songanzahl. Doch die Stücke sind weiterhin rasantes Indie-Pop-Discofutter, keine Sorge.

Dave Monks, Josh Hook, Graham Wright und Greg Alsop haben es bereits mit ihrer Debüt-EP („A Lesson In Crime“, 2006) über die Grenzen Ontarios hinaus geschafft. Schmissiger Rock im Stile der Strokes, der sich auf dem Debütalbum „Elephant Shell“ (2008) etwas mehr in Richtung Pop verschob.

Der Nachfolger „Champ“ ist nun noch etwas poppiger ausgefallen. Wobei die Gitarren immer noch ordentlich zackig vor sich hin dengeln und Frontmann Monks weiterhin fröhlich ins Mikrofon nölt. Das Album zeigt aber allgemein – und auch textlich – leichte Anzeichen eines musikalischen Reifeprozesses. Leichte, wohlgemerkt, die Burschen sind gerade mal über die Altersgrenze 20 gehüpft. Neu ist, dass die Songs bei allem schmissigen Temporock mittlerweile immer wieder mal in andere Ecken ausbrechen. Dazu erweitern gelegentliche elektronische Kleinigkeiten das Klangbild.

Und die Indiedisco bekommt reichlich neues Futter. Ob es das kreiselnde „Favourite Colour“ ist, das nach dem gefühlvoll im Midtempo eröffnenden „Favourite Food“ Geschwindigkeit und Lautstärke anzieht. Noch besser klappt das auf „Breakneck Speed“, das nebenbei die Smashing Pumpkins (zu ihren guten Zeiten) zitiert.

Hin und wieder geht es sicher auch mal zu geradlinig zu, klingen ein paar Stücke zu wenig eigenständig, aber dann kommt plötzlich ein „Bambi“ angesprungen und zaubert einen fluffigen Elektro-Pop-Hit aus dem Hut. Oder man überrascht mit dem sympathisch angeschrägten „Gone“ und dem melodisch-melancholischen Abschluss „Frankenstein“.

Wer auf gut gemachten College-Rock steht und/oder eingängigen Indie-Pop schätzt, sollte hier durchaus mal reinhören. Eine unterhaltsame Sommerplatte ist das.

(Addison)


Tokyo Police Club – Breakneck Speed

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 Addison
Addison heißt eigentlich Thomas Bästlein und schreibt seit Anfang 2007 für depechemode.de. Hauptberuflich arbeitet er im öffentlichen Dienst. Du kannst Thomas online bei Facebook treffen.

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